Zurück in`s Leben

Endlich ist es so weit. Die Sommerferien und damit auch unser alljährlicher Familienurlaub stehen vor der Türe. Wie jedes Jahr bin ich bis kurz vor der Abfahrt nahezu vollständig absorbiert vom Kampf gegen den LUPUS, von den unterschiedlichen Arztbesuchen und den dazu gehörigen Untersuchungsergebnissen. Wie so oft in den vergangenen Jahren herrschte während der letzten Wochen und Monate große Ratlosigkeit hinsichtlich der vorliegenden Laborergebnisse. Wieder einmal waren sie ganz eindeutig alles andere als in Ordnung, jedoch „unspezifisch“, so dass sie viele Fragen offen und keinen eindeutigen Handlungsplan zuließen.

 

Aber ich habe es geschafft. Seit kurzer Zeit erhalte ich nach zähen und für mich äußerst kräftezehrenden Verhandlungen mit den behandelnden Ärzten ein zusätzliches Medikament und ganz allmählich und in sehr kleinen Schritten merke ich wie Verbesserung eintritt. Die zu den Kollagenosen häufig dazu gehörende, bleierne Müdigkeit, in Fachkreisen „Fatigue“ genannt, wird zunehmend weniger.

 

Wird dieser Urlaub anders werden als die vorherigen? Werde ich diesen Urlaub genießen können? Die Vorfreude auf eine unbeschwerte Zeit vermischt sich in meinen Gedanken mit der Angst vor der Erkrankung. Noch immer klingen in meinem Gedächtnis Erinnerungen an die Reisen der vergangenen Jahre nach. Erinnerungen an Urlaube, die ich der Krankheit zum Trotz, jedoch in zum Teil extrem schlechter gesundheitlicher Verfassung, gemeinsam mit meiner Familie unternommen habe.

 

Ich ertappe mich dabei, wie ich unser ehemals so geliebtes Wohnmobil gedanklich nicht mehr mit der früher empfundenen „Freiheit“ in Verbindung bringe. Nahezu jede Erinnerung an die „Auszeiten“ der vergangenen Jahre scheint verknüpft mit schweren Krankheitsschüben zu sein. Verbunden mit Nächten voller Schmerzen, voller Angst.

 

In meinen Gedanken tauchen Situationen auf, in denen es keinerlei Ausweichen vor der Erkrankung mehr gab. Stunden des vollständigen „Ausgeliefert Seins“, angefüllt mit angstvollen Phantasien und verzweifelter Ohnmacht. Verzweiflung genährt durch eine Erkrankung, für die es zum damaligen Zeitpunkt noch keinen Namen gab. Die nicht fassbar und dadurch auch nicht behandelbar war und von der es, zum körperlichen Schmerz hinzu, aufgrund der räumlichen Begebenheiten unseres Wohnmobils,  keinerlei Entrinnen  mehr zu geben schien.

 

Schmerzlich wird mir bewusst wie sehr die Erkrankung die früher so geliebte Gemütlichkeit unseres Campingfahrzeuges zur qualvollen Enge hat werden lassen. Wie eng sie mein Leben hat werden lassen. Wieviel meiner geliebten Freiheit in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben ist.

 

Aber trotzdem! Oder vielleicht gerade deshalb? Ich werde fahren, werde mir dieses letzte Stück an Freiheit, dieses letzte Stück an selbstbestimmten Leben nicht von der Krankheit nehmen lassen. Wieder einmal schiebe ich alle negativen und sorgenvollen Gedanken in den Hintergrund. Mache mir bewusst, dass ich schlussendlich kaum einen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung nehmen kann.

 

Ich lasse los, erinnere mich daran, dass auch hier vor Ort nicht immer und zu jederzeit adäquate Hilfe gegeben war und ist. Mache mir klar, dass Sicherheit schlussendlich eine Illusion darstellt, die weder hier zuhause noch unterwegs jemals wirklich gegeben ist.

 

Ja, ich werde fahren!!! Meine geliebte Nordsee erwartet mich, Dänemark, erwartet mich, das LEBEN erwartet mich……..

4 Comments on “Zurück in`s Leben

  1. Ich bin froh das du trotz allem die ferien etwas geniessen konntest, den diese kleinen auszeiten sind soo wichtig wen man krank sind

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  2. Ja, ich weiß. Meine Daumen sind gedrückt dass sich bald eine Möglichkeit ergibt. Ansonsten komm ich bald mal wieder rüber auf die andere Seite des Sees ,dann nehmen wir uns wenigsten eine Mini-Auszeit und machen uns einen netten Nachmittag mit unseren Fellnasen.

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