Alltagshelden

Für mich ist nicht nur Nafisa, Gabi`s weiße Schäferhündin, eine Heldin. Meine Hochachtung gilt (und dies vor allen Dingen) auch Gabi.  Denn Gabi lebt nicht nur mit den Einschränkungen einer posttraumatischen Belastungsstörung, sie leidet zusätzlich unter einer bislang ungeklärten Muskelerkrankung, die sie in der Zwischenzeit nahezu vollständig in den Rollstuhl zwingt.  Die Einschränkungen, welche sich aus der PTBS ergeben machen ihr den Weg in eine angemessene medizinische Versorgung noch schwerer als er bei seltenen und komplexen Krankheitsbildern ohnehin schon ist , so dass derzeit keine Aussicht auf Verbesserung ihrer gesundheitlichen Situation besteht. Und trotzdem gibt sie nicht auf, bestreitet den täglichen Lebenskampf und widmet sich zudem noch einer Aufgabe, die vielen anderen Menschen von großem Nutzen sein kann. Lest selbst, was sie geschaffen hat, hier kommt Gabi`s Beitrag:

 

Alltagshelden auf vier Pfoten

 

Hunde – die besten Freunde des Menschen. Als Haustiere bringen sie Lebensfreude und Abwechslung in den Alltag, schenken ihren Besitzern ihre bedingungslose Liebe und ihr grenzenloses Vertrauen. Für einige Menschen bedeuten diese Vierbeiner jedoch noch viel mehr: als ausgebildete Assistenzhunde können sie für Menschen mit Handicaps vielfältige Aufgaben im Haushalt und in allen anderen Lebensbereichen erfüllen, und diesen den Alltag dadurch ungemein erleichtern.

so z.B.

meine weiße Schäferhündin Nafisa. Sie wurde am 1.6.14 geboren und begleitet mich seit sie 11 Wochen alt ist. Nafisa ist in Ausbildung zum Dual Assistenzhund (LPF Lebenspraktische Fähigkeiten und ESA Emotionaler Support Assistenzhund). Ich bilde Nafisa selber aus mit Hilfe von 2 Trainerinnen aus Österreich.  Durch meine Erkrankungen bin ich die meiste Zeit an den Rollstuhl gefesselt und habe auch Einschränkungen in den Armen. Durch sexuellen Missbrauch auch eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung. Nafisa hilft mir im Alltag, in dem sie mir z.B. Jacke oder Socken auszieht. Auch hebt sie mir alles auf, selbst Geldmünzen und Kreditkarte. Nafisa trägt mir 1.5 Liter Getränkeflaschen nach und öffnet und schließt auf Kommando Türen und Kästchen oder Schubladen. Nafisa lernt, Wäsche aus der Waschmaschine zu nehmen. Sie stütz mich, wenn ich ein paar Schritte laufe und unterstützt mich kurze Strecken am manuellen Rollstuhl. Auch weckt mich Nafisa aus Alpträumen und unterbricht Flashbacks oder holt mir auf Kommando die Notfall-Medikamente. 

Nafisa erleichtert mir den Alltag auch, indem Sie die Isolation, die ich oft durch meine Krankheit erlebe, durchbricht.   Nafisa hilft mir mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen oder bringt mich dazu vor die Türe zu gehen, weil auch sie ihre Bedürfnisse hat.

Die Einsatzgebiete von Assistenzhunden reichen weit über das klassische Bild des Blindenführ- oder Rollstuhlbegleithundes hinaus. So werden die Tiere beispielsweise als Signalhunde ausgebildet, um ihre an Diabetes oder Epilepsie erkrankten Besitzer in Notfällen frühzeitig vorzuwarnen. Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet stellt der Emotional Support bei Posttraumaler Belastungsstörung, Depressionen oder Phobien dar. Assistenzhunde sind keine gewöhnlichen Haustiere, sondern fungieren je nach Erkrankung als Frühwarnsystem, Sanitäter, Wegweiser, Therapeuten, Begleitschutz und vieles mehr.

Um Betroffene bei ihrem Weg zum eigenen Assistenzhund zu unterstützen, haben wir im November 2016 den Verein Assistenzhund Freunde ins Leben gerufen. Wir wollen einen Austausch unter den Betroffenen herstellen, unsere Erfahrungen miteinander teilen, bei der Ausbildung der Hunde mit Rat und Tat zur Seite stehen, und anderen Erkrankten dadurch zu neuer Selbstständigkeit und Lebensfreude verhelfen.

Durch ihren Assistenzhund lernen unsere Mitglieder, über sich selbst hinauszuwachsen. In unserem Verein ist jeder willkommen, völlig unabhängig von Art und Ausprägung der Erkrankung. Bei Fragen und Problemen findet man bei uns immer die richtigen Ansprechpartner. Und gemeinsam können wir Großes bewirken: mehr Barrierefreiheit und Flexibilität für alle Betroffenen, mehr Integration statt Isolation. Daher arbeiten wir gerade daran, ein großes Mitglieder- und Trainernetzwerk aufzubauen, das über die Schweiz hinausgeht und auch Betroffene in Deutschland und Österreich mit einbezieht.

Besonders wichtig ist es uns auch, in der Gesellschaft mehr Akzeptanz und Gleichberechtigung zu erwirken, indem wir über die beeindruckenden Fähigkeiten unserer Vierbeiner informieren und Zutrittsrechte für öffentliche Einrichtungen erwirken. Denn wir sind in jeder Situation und zu jeder Zeit auf unsere treuen Begleiter angewiesen, und wo für Hunde der Zutritt verboten ist, ist er auch für uns meist nicht möglich. Dem wollen wir entgegenwirken.

Um den hürdenreichen Alltag mutig und stark meistern zu können und den langen, steinigen Weg zurück zu Lebensmut und Lebensfreude gemeinsam zu meistern, wollen wir unsere Mitglieder nicht nur beratend, sondern auch finanziell unterstützen. Die Assistenzhund-Ausbildung bringt einige Kosten mit sich und wird staatlich kaum gefördert, deshalb sind wir für Spenden jederzeit von ganzem Herzen dankbar. Mehr über unseren Verein und über die Spendenmöglichkeiten erfahren Sie auf unserer

 

Website: www.assistenzhund-freunde.ch

 

PTBS: Posttraumatische Belastungsstörung

Flaschback: Durch äußere Reize ausgelöste Retraumatisierung

 

 

 

 

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