Miteinander

Ganz oft berichten wir hier auf dem Blog  wie viele Probleme, Schwierigkeiten und Härten damit verbunden sind, mit einer seltenen und chronischen Erkrankung leben zu müssen. Und auch in unserer  Gruppe sprechen wir oft darüber, welche Stolpersteine einem (zusätzlich zu Erkrankung)  mitunter auch im medizinischen System in den Weg   gelegt werden können. Das ist auch gut und richtig so, denn nur dort wo Probleme offen auf den Tisch gelegt werden, wo sie angesehen und nicht verleugnet werden, nur da kann Veränderung geschehen.

Trotzdem darf nicht vergessen werden wie wichtig es ist, den Blick auch immer wieder darauf zu lenken was gut ist, auf das was gelingt und was uns als Menschen verbindet.

Ich MUSS euch jetzt deshalb einfach von meinem heutigen Arztbesuch erzählen. Vom Besuch bei  meinem Augenarzt, der mich nun schon seit so vielen Jahren begleitet und der mir über all die Jahre, in denen ich so hart um die richtige Diagnose und um die richtige Behandlung zu kämpfen hatte, nicht im Stich gelassen hat.

Ich bin mir sicher, dass die ganze Situation auch für ihn nicht immer leicht  zu ertragen war. Es war sicher kein schönes Gefühl immer wieder betonen zu müssen, nicht mehr tun zu können als mich zu begleiten. Es aushalten zu müssen, mir nicht helfen zu können. Wohl wissend um die Gefahr, die im Raum stand und wohl wissend darum, dass es mir zeitweise wirklich sehr, sehr schlecht ging.

Aber er HAT  ausgehalten und die Begleitung, die in seinen Augen vielleicht gar keine so große Bedeutung hatte, war für mich so unglaublich wichtig. Unbeschreiblich (und ich glaube dies wissen viele von uns) wie viel es bedeutet, wenn auf so einem jahrelangen Irrweg, wenn in all der Unsicherheit jemand da ist, der einem Glauben schenkt und der einem den Rücken stärkt. Da bedarf es oftmals gar nicht vieler Worte, das Standhalten alleine ist schon ausreichend.

Eigentlich war der heutige Besuch gar nicht so spektakulär. Genau genommen war dieser Besuch das  Gegenteil von spektakulär, er verlief reibungslos, entspannt und stressfrei, für zwar für beide Seiten. Und genau das ist das Besondere daran, es ist das  was ich so oft anders erlebt habe und das was sich schlussendlich sicherlich doch beide Seiten wünschen.

Um  eine solche Atmosphäre erreichen zu können bedarf es Vertrauen. Gegenseitiges Vertrauen. Und es bedarf Verständnis für die jeweils andere Seite.

Hierfür steht dieses Projekt, hierfür schreibe ich, hierfür schreiben alle die sich hier auf dem Blog zu Wort melden. Wir schreiben für eine bessere Verständigung untereinander, für eine bessere Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten, für ein besseres Verstehen zwischen „Kranken“ und „Gesunden“. Wir schreiben für ein besseres Miteinander zum Wohle aller.

Und das allerbeste war, dass mir heute nochmals zu verstehen gegeben wurde , dass dieses gute Miteinander nicht nur von uns  als Patienten erwünscht  ist, sondern dass Ärzten dieser Wunsch gleichermaßen unter den Nägeln brennt wie uns selbst.

Ohne Worte, nicht wahr?! Ganz ehrlich, ich war so was von berührt.  So kann es also auch aussehen. Ich denke, dass ich nicht weiter betonen muss, dass es sich hier für mich um eine mehr als gelungene Arzt-Patienten-Beziehung handelt, um eine Beziehung wie ich sie mir vorstelle.

Ich wünschte es wäre immer so, wir werden daran arbeiten.

2 Comments on “Miteinander

  1. Ich habe das gleiche Verhältnis zu meinem Rheumatologen.
    Mittwoch war ich im im Krankenhaus um wie immer , seit ca. 20 Jahren, mein Rezept
    für Lymphdrainagen zu holen. Mir wurde
    gesagt, ich brauche jetzt einen Termin beim Arzt, nur der darf jetzt noch das Rezept ausstellen. 🙈Man ließ mich über 1,5 Stunden warten , damit mir vom Arzt gesagt wurde, ich müsste mir einen Termin in der Autoimmunabteilung holen, in der Ambulanz bekomme ich das Rezept nicht.😥
    Ich war ziemlich verzweifelt und wütend.
    Am nächsten Tag habe ich meinen Rheumatologen angerufen. Er hatte mir angeboten, ich kann mich immer an ihn wenden wenn ich ein Problem habe.
    Nachdem ich geschildert habe was im Krankenhaus passiert ist, meinte er nur, wo das Problem sei, dann stelle ich eben das Rezept aus. 😍
    Solche Ärzte gibt es auch und ich bin die glücklichePatientin die so einen tollen Arzt
    hat.

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    • Hallo liebe Petra,
      ich freu mich sehr Dich hier auf dem Blog begrüßen zu dürfen, wie schön Dich hier zu lesen!!!. Ja, ich kann mir mehr als gut vorstellen wie frustrierend das war. Es ist schon unglaublich, welche „Blüten“ unser Gesundheitswesen da treibt. Wenn ich so etwas lese, da frage ich mich inwieweit überhaupt noch darüber nachgedacht wird, wie sich eine solche Situation für uns als Patienten anfühlt. Ich vermute , dass hierüber kaum mehr ein Bewusstsein vorhanden ist, dass die Leute bereits so im System „gefangen“ sind, dass die tägliche Routine kaum mehr Raum dazu lässt zu überdenken, ob das System tatsächlich noch dem Menschen zuträglich ist. Deshalb müssen wir auch darauf aufmerksam machen, immer und immer wieder. Aber trotz alledem!!!! Gerade weil es oft so schwierig ist, empfinde ich es als Geschenk auch immer wieder davon zu hören, es selbst zu erleben, dass es auch anders gehen kann . Ich hoffe noch immer sehr darauf, dass es in irgendeiner Form gelingt Ärzte und Patienten an einen Tisch zu bekommen, damit gemeinsam nach Lösungen und Veränderungen gesucht werden kann.
      Ich danke Dir, liebe Petra, für Deinen Bericht und schicke Dir ganz liebe Grüße
      bis bald
      Daniela

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