Von „Wölfen“, von „Kühen die vom Eis sind“ und von bitteren Tränen der Realität

Mein liebes Tagebuch,

eigentlich müsste es mir ja blendend gehen, denn der heutige Tag ist in Summe doch nur positiv verlaufen. Das MRT vom Kopf ist „ohne Befund“ und obendrein hat sich mein Rheumatologe gemeldet und mir mitgeteilt, dass er damit einverstanden ist den Termin für die nächste Infusion nach vorne zu verlegen….

Also eigentlich alles gut, aber wie so oft eben nur eigentlich….denn unterm Strich tut sich, wie immer nach einem solchen Tag, nach dem ersten Freudentaumel der Erleichterung, die abgrundtiefe Erschöpfung auf.

Nein, gut ist eben nichts…. „die Kuh ist vom Eis“ , das ja…zumindest für`s Erste. Aber nächste Woche wird es weitergehen, Endokrinologie, Infusion, ZNS-Sprechstunde, Grippe-Impfung….

Und wie immer wird der „Wolf“ an solchen Tagen präsent sein, sehr viel präsenter als ansonsten im Alltag.

Und ach ja, fast hätte ich es vergessen!!! Da ist dann ist ja auch noch das allgegenwärtige Damoklesschwert der Pandemie, das da ständig, mal mehr und mal weniger sichtbar, über mir und meiner Familie schwebt und welches sich gerade an solchen Tagen nochmals um eine Nuance deutlicher in den Vordergrund schiebt, als es das ohnehin schon ist……

….da lässt sich dann einfach nichts mehr zur Seite schieben, nichts mehr verdrängen…da braucht es dann einfach Raum, da braucht es die Möglichkeit all den Tränen, die mit er Realität nun mal verbunden sind, freien Lauf zu lassen.

Und nichts, aber auch gar nichts ist schlimmer als in solchen Momenten schweigen zu müssen, so tun zu müssen als ob alles ganz normal, völlig in Ordnung sei…. ja, und damit bin ich auch schon beim meinem nächsten Wunsch für meine Bucket-List:

Ich wünsche mir, dass es uns als Familie, mehr und mehr gelingt Schmerz und Angst zu ertragen, dass es uns zunehmend gelingt uns den schwierigen Gefühlen zu stellen die der „Wolf“ nun einmal mit sich bringt. Auch an den Tagen, an denen er sich uns wieder einmal völlig unverhohlen, ungeschminkt und in vollem Umfang gegenüber stellt ……. Auf dass am Ende nur noch Liebe bleibe!!!!!!

2 Comments on “Von „Wölfen“, von „Kühen die vom Eis sind“ und von bitteren Tränen der Realität

  1. Das wünsch ich dir von Herzen, dass als Essenz die Liebe bleibt. Dass es gelingt, den Menschen/das Wesen von der Krankheit/Funktion zu trennen. Aus bitterer Erfahrung weiß ich ja, wie schwer das bisweilen ist, Augenmerk nicht vorrangig auf die Auswirkungen der Erkrankung zu legen. Auch eine Distanz zur Angst um den geliebten Menschen zu erarbeiten, damit diese nicht alle anderen Gefühle überlagert und so zur Distanz zum Menschen führt.
    Vielleicht so, wie man ja wie selbstverständlich auch Mensch und Beruf voneinander trennt. Auch viele Berufe verändern zwar das Leben, fordern alle Beteiligten, aber nicht unbedingt das Wesen des Menschen – außer Extremberufe, die Moral ausklammern. Und Berufe sind selbst gewählt, Erkrankungen nicht.
    Die Krankheit wie einen lichten Vorhang zu sehen, die zwar den Menschen umhüllt, ihn aber nicht unsichtbar macht. Der Nähe schwieriger macht, aber nicht verhindert.

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    • Liebe Caro,
      ich danke Dir für Deine lieben Worte. Wohl wissend, dass Du in so vielerlei Hinsicht nachfühlen kannst was es bedeutet mit schwerer Erkrankung zu leben. Ja, es gilt sich immer wieder von der Angst zu distanzieren . Sie wahrzunehmen, sie auch zum Ausdruck zu bringen, sie aber gleichzeitig nicht überhand nehmen zu lassen. Schlussendlich gelingt das vermutlich in dem Maße indem wir bereit sind den Verlust zu akzeptieren, bzw. den Schmerz, den er erzeugt zuzulassen und anzunehmen.
      Meine Familie und ich üben das nun schon seit 20 Jahren und immer wieder entstehen daraus auch Krisen, zum Teil schwere Krisen, die auch sehr weh tun… das wird wohl auch so bleiben, eine Lösung mit der alles gut wird im üblichen Sinne, wird es da wohl nicht geben. Aber das Tröstliche daran ist, dass wir uns mit jeder Krise auch näher kommen, uns ungeschminkter begegnen und dass daran die Liebe wächst. Ich glaube, dass das bei uns im Grunde genommen nicht viel anders ist als bei anderen Menschen auch, wenngleich die Bedingungen teilweise natürlich schon sehr hart sind und uns auch auf`s Äußerste fordern….mein Wunsch ist einfach, dass das Leben uns so viel Zeit schenkt, dass wir unsere Liebe zur Vollendung bringen können…. aber wer weiß schon was morgen ist?!… Das weiß ja niemand, an dieser Stelle bleibt uns allen ja nur die Hoffnung, alles andere liegt einfach außerhalb unserer Macht.
      In diesem Sinne wünsche ich Dir von ganzem Herzen alles Gute und ganz viel Zeit für Dich und Deine Lieben, fühl Dich aus der Ferne umarmt
      Daniela

      Gefällt 1 Person

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