Abschied

„Wenn der Lauf des Lebens sich verändert dann verzweifle nicht. Denn oftmals gehen auch die wundervollsten Momente vorbei um noch wesentlich schöneren Zeiten Platz zu machen“

-Pierre Franckh-

So schnell geht`s und der Urlaub ist vorüber. Wie jedes Jahr fällt mir der Abschied von meiner geliebten Nordsee schwer.

Vielleicht sogar in diesem Jahr noch ein bisschen schwerer als sonst. Denn ich weiß, dass harte Zeiten auf mich zukommen werden, hat man doch am letzten Tag vor meiner Abreise mittels MRT eine Raumforderung in den Speicheldrüsen und eine in den Tränendrüsen gefunden. Sjögren? Lymphom?…. eine Frage die wohl nur mittels Biopsie beurteilt werden kann….

Ja, es nimmt keine Ende…der Tanz geht also weiter. Mal sehen wie lange es mir gelingen wird, mir die Weite der Nordsee im Herzen zu behalten….

Mit nach Hause bringe ich jedoch die Wellen, das Tosen der Brandung, welches von der Urkraft der Natur zu berichten weiß….

Die Rufe der Möwen die mich an den Stolz, die Freiheit und die Unabhängigkeit in meinem Herzen erinnern…..

die unfassbare Weite der dänischen Strände, die das Herz ebenso unsagbar weit werden lässt….

….die unglaubliche Stille inmitten der Dünen und den tiefen Frieden der damit verbunden ist……

….die untergehende Sonne über der Nordsee, die mich spüren lässt dass alles gut ist… so wie es eben nun mal ist….

……das herbstliche Licht, den Sternenhimmel und den glühend roten Mond über der Nordsee, der mit dem Leuchtturm in der Ferne um die Wette geleuchtet hat,

…..die Sternschnuppen die ich am klaren Nachthimmel gesehen habe.

Die Seeschwalben die über dem Wasser tanzen. Die Eleganz ihrer Jagdmanöver die sichtbar werden lassen, dass auch der Tod im Leben seine Berechtigung hat

das Glitzern der Sonnenstrahlen über dem Wasser

… sowie das vielfältige Leben, welches in Dänemark noch immer erahnen lässt wie intakt die Natur ohne den Einfluss des Menschen sein kann…

und vieles, vieles mehr…..

Epilog:

Bislang hänge ich noch immer in der Warteschleife des medizinischen Systems. Bei meinem letzten Besuch an der Uni wurde eine interdisziplinäre Vorgehensweise vorgeschlagen, ein gemeinsamer Termin zwischen Rheumatologie, Onkologie und Immunologie. Bei diesem soll der Versuch unternommen werden Autoimmunität und Lymphom von einander abzugrenzen, um einen entsprechenden und verbindlichen Handlungsplan erstellen zu können.

Eine Vorgehensweise die längst hätte geschehen sollen, die absolut sinnvoll wäre. Nicht nur für mich, sondern für viele andere Patienten mit Multi-Systemerkrankungen ebenso….die jedoch leider noch immer eine Seltenheit im derzeitigen medizinischen System darstellt….

Es bleibt zu hoffen, dass dieses Mal Wort gehalten wird und dass sich ein solcher Termin nach der Urlaubszeit relativ zeitnah organisieren lässt…

Bis dahin hilft nur die Akzeptanz für die Situation wie sie derzeit nun einmal ist, sowie das Vertrauen darauf, dass nichts bleiben wird wie es ist. Das Vertrauen darauf, dass nach jedem Ende auch ein Neubeginn kommen wird….Wie auch immer dieser aussehen mag….. Und wer weiß, vielleicht verbirgt sich hinter dem Ende einer einer scheinbar guten Zeit tatsächlich eine noch bessere. Eine Zeit die zwar keine Gesundheit, jedoch aber Behandlungssicherheit mit sich bringt…..Ja, das wäre doch mal eine wahrlich erstaunliche Wende !!!!!

14 Comments on “Abschied

  1. Ich danke dir für deine wunderbaren Fotos, den Text der wenn man ihn liest mir Achtung und Respekt einflössz. Er vermittelt so viel im Jetzt sein. Im Auge des Orkans trotzdem bei sich bleiben. Ich wünsche dir das du diese Kraft, Gelassenheit, Akzeptanz immer wieder herstellen kannst. Trotze den stürmischen Zeiten oder flieg wie der Albatross

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    • Hab ganz herzlichen Dank für Deine tollen Zeilen…ja, Ich glaube genau darum geht es…
      darum immer wieder das Bewusstsein herstellen zu können, dass man genau da am sichersten ist , wo man es am allerwenigsten erwartet…im Auge des Tornados…ich wünsche Dir von Herzen ganz viele Augenblicke im „ Hier und Jetzt „ und schicke Dir ganz liebe Grüße
      Daniela

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  2. Liebe Daniela,
    deine Bilder vermitteln genau die Intensität des Lebens, wie man sie nur in solch schweren Zeiten erfahren kann. Ich wünsche dir von Herzen einen guten Behandlungsansatz!

    Für meinen Mann hat unser Sohn einen Spezialisten für eine Zweitmeinung gefunden. Die Situation ist eben kompliziert. Nach einigem Gezicke haben sich die hiesigen Ärzte wieder eingekriegt und arbeiten nun alle zusammen. Gestern ist U. nach Hause gekommen und wir wollen das Hier und Jetzt intensiv leben.
    Am 23. startet der nächste Versuch im Krankenhaus.

    Tanzen wir den Tanz des Lebens.

    Mit herzlichen Grüßen!
    Marie

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    • Liebe Marie, ich finde das sind sehr gute Nachrichten. Ich freue mich sehr für Euch..Ja, es stimmt zutiefst. Es sind genau diese leidvollen Zeiten, die einen das Leben in seiner ganzen Intensität spüren lassen…eine Erfahrung Dich ich eigentlich nicht mehr missen möchte. Ich wünsche Euch von Herzen dass Deinem Mann beim nächsten Aufenthalt im Krankenhaus geholfen werden kann und wünsche euch eine wunderbare Zeit, voller glücklicher und intensiver Momente.
      Fühl Dich herzlichst gegrüßt
      Daniela 💕

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  3. Guten Morgen Daniela
    Ich freue mich sehr für dich dass du diesen Frieden im Sein am Meer wieder spüren durftest. Es zeigt stets wie sinnlos manchmal Ärger und Alltagsprobleme doch sind. Nur das hier und jetzt zählt dann und lässt demütig werden vor all der Naturgewalt.
    Du hast es bildhaft wieder wunderbar eingefangen.
    Ich wünsche dir dass du dir vieles, von den Gefühlen am Meer, lange bewahren kannst um gut durch die nächste Zeit zu kommen.
    Liebe Grüße zu dir,
    Nati

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  4. Liebe Daniela,
    ich bin tief berührt von der Tapferkeit, mit der du deine Lebens-Situation trägst. Wie du einfach nicht aufgibst und gleichzeitig doch akzeptieren kannst, was nicht zu ändern ist. Du scheinst all diese Nordsee-Eindrücke so achtsam einzusammeln im Bewusstsein, dass es vielleicht das letzte Mal war und gibst dabei jedem Bild noch eine symbolische Bedeutung mit. Das bewegt mich tief im Inneren, teils aus Mitgefühl, teils weil du mir mit deiner Haltung Vorbild für den Umgang mit meiner eigenen Erkrankung bist, aber auch, weil du damit auf so eingängige Weise einen Zugang zu einem urmenschliches Thema schaffst: Wie kann man in Würde sein Schicksal annehmen?
    Ich danke dir für diesen Beitrag.
    Stefan

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    • Lieber Stefan, ich danke Dir für diese schönen Zeilen. Ja, mit Würde das eigene Schicksal annehmen ist sicherlich ein Urthema des Menschen, haben wir doch alle in irgendeiner Form zu kämpfen. Lange Zeit habe ich geglaubt dass meine Würde durch andere hergestellt werden müsste. Durch die Ärzte, das medizinische System, die Gesellschaft. Heute weiß ich zumindest dass diese Würde Ur durch einen einzigen Menschen hergestellt werden kann …und dieser Mensch in ich selbst. Manchmal gelingt das ganz gut und manchmal eben auch nicht…wir sind alle irgendwie unterwegs 😊
      Ich schicke Dir ganz liebe Grüße
      Daniela 😊🙋‍♀️

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  5. Pingback: Abschied — Naturgeflüster – romanticker-carolinecaspar-autorenblog.com

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