Loslassen……

„Manche Leute glauben, Durchalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen“

-Hermann Hesse-

Heute gibt`s mal wieder ein Update von der Front der „seltenen Erkrankungen“. Einmal die Strecke Bodensee-Hannover und zurück liegt hinter mir, wieder einmal wurden die Weichen neu gestellt.

Noch immer ist es so, dass ich mich nicht vollkommen der inneren Anspannung erwehren kann, die mich angesichts wichtiger Arzttermine befällt. Dies ist sicherlich als ein Relikt aus meiner Vorgeschichte zu verstehen, welche so viele Irrungen und Wirrungen und nicht zuletzt auch wirklich schlimme Erfahrungen mit sich gebracht hat..

In der Zwischenzeit ist die Angst vor dem Ergebnis des anstehenden Arztbesuches, die Angst vor der Ungewissheit zwar in weiten Teilen gewichen, dennoch ertappe ich mich auch dieses Mal wieder dabei, wie ich gedanklich die Fäden in der Hand halten, die Situation kontrollieren möchte, als ich abends im Hotel die Unterlagen nochmals durchgehe.

Erinnerungen tauchen auf, Ängste vor der Erkrankung machen sich breit, was wird werden wenn ich die Rheumatologie wieder ohne weitere Behandlung verlassen werde, usw. …..Kopfkino eben…..

„Lass los“ höre ich meine innere Stimme flüstern, mein Kopf brüllt „F E S T H A L T E N“ …….

…..bis mich plötzlich und völlig unerwartet die Nachricht eine lieben Instagram-Bekannten erreicht.

Berührend ist es, dieses Video das sie mir da geschickt hat. Sehr sogar!!!!.

Wusstet ihr, dass es Entenarten gibt, die ihre Bruthöhlen in schwindelerregender Höhe anlegen, um ihrem Nachwuchs den bestmöglichsten Schutz vor Fressfeinden zu gewähren? Und wusstet ihr, dass sich deren Küken, wenn ihre Zeit gekommen ist, aus zum Teil über 10 Metern Höhe hinab in die Tiefe fallen lassen müssen, um dem Ruf des Lebens zu folgen?

Unfassbar!!! Der Film zeigt wie die Kleinen springen, mitten hinein in die Ungewissheit, wie sie sich fallen lassen, hinein in die nicht überschaubare Tiefe des Abgrunds.

Sie zögern, spüren die Gefahr und sie haben sichtlich Angst. Gleichzeitig aber sind sie auch mutig, voller Vertrauen ins Leben. Sie breiten ihre Flügelchen aus, die sie aus eigener Kraft noch nicht tragen würden, und wagen den Sprung ins Ungewisse.

Sie vertrauen darauf, dass sie das Leben tragen wird, darauf dass es schon irgendwie richtig sein wird, was geschieht …und lassen los…..

Erst im zweiten Moment begreife ich was das in diesem Augenblick alles mit mir zu tun hat…..Ja, es ist der Mut zum freien Fall, der uns wirklich lebendig macht. So einfach und gleichzeitig doch so unglaublich schwer.

Wie gut wenn man dann daran erinnert wird….tief durchatmen, fallen lassen, Flügel ausbreiten und …..FLIEGEN !!!!

Epilog:

In den 20 Jahren, die es schlussendlich dauern sollte, bis zu richtigen Diagnose und der entsprechenden Behandlung bin ich unzählige Male gesprungen und oftmals mehr als hart aufgeschlagen. Manchmal so hart, dass ich am liebsten nicht mehr aufgestanden wäre. Aber es hat sich gelohnt den Sprung ins Ungewisse immer wieder erneut zu wagen. Aller Narben, die ich davon getragen habe, zum Trotz. Das Gespräch in der Rheumatologie ist sehr gut verlaufen, so wie auch schon die vorher gegangenen Male. Die Therapie wird meiner derzeitigen Verfassung angepasst, weiterhin wurde in Übereinstimmung mit der Neurologie eine weiterführende genetische Untersuchung befürwortet. Um sicher zu gehen, dass ich nicht zufällig unter „Läusen und Flöhen“ leide und dass sich hinter den Stoffwechselentgleisungen, die bislang einer renal tubuläre Azidose im Rahmen des Sjögren – Syndroms zugeordnet wurden, nicht doch noch ein genetischer Defekt verbirgt.

Besonders gefreut habe ich mich jedoch darüber, dass ich nun an einer Studie für seronegative Patienten mit Sjögren-Syndrom teilnehmen darf. Diese soll dazu dienlich sein, neu entdeckte Antikörper für das Sjögren-Syndrom zu verifizieren. Ich hoffe, dass ich mit der Teilnahme an der Studie zumindest einen winzig kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass anderen ein ähnlich langer und qualvoller Weg bis zur Diagnose und zu richtigen Behandlung erspart bleibt.

..und hier noch für alle, die es gerne sehen wollen, das Video welches mich gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort erreicht hat.(vielen Dank dafür, liebe Michi 😘😊)….hierbei handelt es sich wohl um Kappensäger?🤔..die obigen Bilder stammen wie immer aus meiner Hand und zeigen den Gänsesäger, dessen Küken jedoch ebenfalls wahre Meister im freien Fall sind….. 😊😉

2 Comments on “Loslassen……

  1. Erst einmal bin ich sehr beruhigt, dass das Gespräch gut verlaufen ist. Arzttermine sind wohl auch ohne Vorgeschichte immer mit einer gewissen Angst verbunden.
    Die kleinen Wasservögel mit ihrem mutigen Sprung habe ich schon einige male in Dokus gesehen und mich jedes Mal gefragt, wie sie da heile unten ankommen. Manchmal schaut das echt so brutal aus. Und dann: heute habe ich den Gänsesäger auch endlich bei uns entdecken können. Mit zwei Eisvögeln. Aber ich hatte, natürlich, meine Kamera nicht dabei …

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    • Wie schön, liebe Ines. Ich war gestern auch am See und tatsächlich hab ich auch wieder Gänsesäger und einen Eisvogel gesichtet. Die Kamera hatte ich dabei, aber gute Bilder hab ich trotzdem nicht mit nach Hause gebracht. Der Eisvogel war zu flink für mich und die Gänsesäger zu weit weg😂😉…ja, Arztbesuche sind wohl immer mit ein wenig Angst verbunden, es geht ja immer um ein wichtiges Gut…das Geheimnis der Küken ist wohl, dass ihre Knochen noch weich und damit flexibel sind. Ich glaube genau so müssen wir es auch machen…offen bleiben für die jeweilige Situation und flexibel genug bleiben um darauf reagieren zu können.. klingt so einfach und kann doch so unsagbar schwer sein. 😌..Ich Danke Dir für Deine Anteilnahme und schicke Dir liebe Grüße an’s andere Ende des Sees
      Daniela 😊🙋‍♀️

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