Angekommen….

„Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos , sie anderorts zu suchen“

-Francois de La Rochefoucauld-

Wer hier schon eine Weile mitliest, der weiß:

Begonnen hat dieser Blog mit einer Krise. Genau genommen mit der wohl größten Krise meines bisherigen Lebens. Denn ich bin der Endlichkeit begegnet und zwar nicht nur irgendeiner Form der Endlichkeit. Nein, genau genommen meiner eigenen…..

Nicht dass das Thema „Krankheit“ neu für mich gewesen wäre. Dies ganz gewiss nicht, denn immerhin bin ich bereits seit über 20 Jahren chronisch krank und demnach (zwangsläufig !!!) mit vielen Wassern gewaschen, was den Umgang mit einer solchen Form des Daseins anbelangt.

In den vergangenen Jahren jedoch hatte die Situation Ausmaße angenommen, die ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht hätte ausmalen können. So kam es, dass mein Leben über etliche Jahre hinweg fast ausschließlich durch Krankheit bestimmt war. Durch die Erkrankung selbst, aber auch vom Kampf um eine gesicherte Diagnose, um eine hilfreiche Behandlung, und zu guter Letzt nun auch noch vom Ringen um die Akzeptanz der eigenen Endlichkeit.

In der Zwischenzeit hat sich die Lage zwar nicht unbedingt entspannt, aber den Titel meines Blogs empfinde ich dennoch als überholt, denn heute weiß ich zumindest, dass ich unter einer bunten Mischung aus einem angeborenen Immundefekt, einer Autoimmunerkrankung und einem Lymphom leide. Und, dass ich vermutlich aufgrund der Komplexität der Erkrankung niemals eine sichere und angemessene medizinische Behandlung erfahren werde…

Schrecklich? Ja, das war es und ich möchte auch nichts beschönigen. Bisweilen ist es das noch immer. Das Leben mit einer schweren Erkrankung ist nun mal kein „Ponyhof“. Heute nicht, morgen nicht und ganz gewiss auch übermorgen nicht….

Und dennoch, wie alles im Leben hat auch meine Geschichte zwei Seiten. Denn aller Widrigkeiten zum Trotz habe ich heute oftmals das Gefühl angekommen zu sein. Nicht im Zustand körperlicher Gesundheit, nicht bei einer eindeutigen Diagnose und schon gleich gar nicht bei einer verlässlichen, medizinischen Versorgung. Dafür jedoch an einem Ort, der mir heute um so vieles kostbarer erscheint als alles andere auf dieser Welt. Ich bin angekommen bei mir selbst……

So war es gerade der Blick in den Abgrund, das emotionale Begreifen meiner eigenen Vergänglichkeit, welches mir zu einer völlig anderen Sichtweise meines Lebens verholfen hat. Zu einem Verständnis meiner Selbst das jenseits der jeweiligen Lebensumstände begründet liegt. Heute weiß ich, dass ich selbst einem großen und niemals enden werdenden Prozess des „Werdens und Vergehens“ unterworfen bin. Dass ich als Mensch der ich bin, nichts weiter als ein mikroskopisch kleiner Teil, einer unglaublich schönen und grandiosen Natur bin, die es zu achten und zu lieben gilt. Dies macht mich stolz und demütig zugleich. Aus Kampf wurde Akzeptanz, aus tosendem Meer ruhigere Gewässer…

Aus diesem Verständnis heraus hat sich nun auch der Antrieb verändert mit dem ich diesen Blog betreibe. War es früher der tiefe Wunsch Missstände aufzuzeigen und Veränderung zu schaffen, so wünsche ich mir heute nur noch Eines. Ein Leben im Einklang mit der Natur, mit meiner eigenen und mit der die mich umgibt.

Auf meinem Blog möchte ich Euch von nun an mitnehmen, in „meine“ Natur. Möchte euch teilhaben lassen, daran wie ich die Welt heute sehe. Möchte gemeinsam mit Euch der inneren und äußeren Natur des „Mensch Seins“ ein Stückchen weit näher kommen.

Viel Spaß beim Eintauchen in Bilder, Gedanken und Emotionen wünscht Euch

Eure Daniela

Epilog:

Vieles von dem was ich hier auf meinem Blog veröffentlicht habe, empfinde ich heute für mich als nicht mehr passend, nicht mehr mir und meinen Sichtweisen entsprechend. Trotzdem sind die bisher veröffentlichen Artikel ein Teil von mir, ein Teil meines Weges und damit ein Teil des Menschen der ich heute bin. Und wenngleich ich mich entschlossen habe meinem Blog mit diesem Artikel eine neue Richtung zu verleihen, möchte ich für diejenigen die evtl. noch den Weg hierher finden werden und die geneigt sind mehr über die Vorgeschichte meines Blogs zu erfahren, einen Teil der Texte im Archiv belassen. Den Namen möchte ich jedoch ändern um abzuschließen. Um im Außen den Wechsel sichtbar werden zu lassen, der sich in meinem Inneren vollzogen hat.

Wer weiterhin Freude daran findet mich auf meiner Suche nach innerer und äußerer Harmonie zu begleiten , der wird mich künftig finden unter.

-Naturgeflüster –

Impulse für ein natürliches Leben mit einer seltenen Erkrankung

Glücksmomente

„Was für ein unglaublich freundliches Wesen, nicht wahr?! Heute war ich schon sehr früh am See. Alles war noch ganz still und ruhig und ich bin es ebenfalls geworden. Das Vertrauen, das mir für dieses „Still werden“ geschenkt wurde ist für mich mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Solche Momente machen mich schlicht und ergreifend glücklich“

-Gedanke des Tages-

Glücksmomente kann ich gerade sehr gut gebrauchen . Noch immer hänge ich in der Warteschleife , seit dem 03.Mai ist die Therapie ausgesetzt und es gibt nach wie vor keinerlei Perspektive ob/wie weiterbehandelt wird. Im letzten Gespräch hat mir mein Immunologe mit aller Deutlichkeit vermittelt , dass er den Immundefekt welcher der Erkrankung zugrunde liegt , für gefährlich hält. Eine Absprache mit dem Rheumatologen hat jedoch nach wie vor nicht stattgefunden, der versprochene Anruf ist ausgeblieben, zu erreichen ist der Immunologe trotz mehrmaliger Versuche nicht. Zu erklären ist dies allenfalls mit einem Gesundheitswesen, welches den Ärzten keinerlei Spielraum mehr belässt. Wohl demjenigen, der gelernt hat vollkommene Perspektivlosigkeit einigermaßen gelassen zu ertragen….

Herr im Ring

„Wenn an vielen kleinen Orten viele kleine Menschen viele kleine Dinge tun wird sich das Angesicht unserer Erde verändern“

-Afrikanisches Sprichwort-
.

…………weiterer Worte bedarf es an dieser Stelle nicht. Ich denke mein Freund , der Reiher, zeigt deutlich wer hier Herr im Ring bleiben sollte………Ja, es ist wohl an der Zeit, dass an vielen kleinen Orten, viele kleine Menschen, viele kleine Dinge tun….

Am Wegesrand

“ Es ist süss, ganz aufzugehen in das große Schweigen und eins zu werden ganz mit der Natur“

-Herrman Allmers-

Ein bisschen Frust hatte mich die vergangenen Tage schon gepackt, denn was den Einen freut ist mir doch eher ein Greul. Es ist Sommer…..

Für mich und meinen Geschmack viel zu heiß, viel zu viel Sonne die ich nicht vertrage und überall an meinen Lieblingsplätzen am Wasser ist es vollkommen überlaufen. Nix mit Stille, nix mit Natur, nix mit Fotografieren….

Ein bisschen Unmut war demnach heute schon mit dabei, als ich losgezogen bin. In den Wald, wohlwissend dass ich Vögel erst gar nicht zu suchen brauche, da ich nach wie vor sehnsüchtig auf mein neues Objektiv warte, welches es mir hoffentlich ermöglichen wird meinen gefiederten Freunden ein Stückchen näher zu kommen.

Nach was genau ich Ausschau hielt war mir also selbst nicht ganz so klar, irgendwie war ich planlos, ziellos. Aber dann fiel mein Blick ganz unverhofft und überraschend auf diese hübsche , kleine Fliege die sich da am Wegesrand an einer Gierschblüte gütlich tat.

Und schwupps, war ich drin im „Flow“. Über eine Stunde lange war ich vollkommen absorbiert von dieser Vielfalt an Leben, das sich da so vollkommen unscheinbar am Wegesrand tummelte.

Unfassbar wie viele kleine Wesen dort ihre Heimat haben. In welcher zarten Schönheit und Perfektion die Natur sich präsentiert wenn man sich die Mühe macht ganz genau hinzu schauen…

Und als mir dann zum Abschluss noch eine kleine Maus beinahe über die Füße gestolpert wäre , da war mein Glück perfekt und der Tag gerettet. Für meine Kamera war dieses „Wuselchen“ allerdings viel zu flink… aber alles was zählt, ist der Augenblick….

Epilog:

Giersch, so habe ich heute gelernt, gilt als Unkraut und ist bei vielen Menschen ziemlich unbeliebt, da er die Eigenschaft hat sich großflächig auszubreiten. In Wahrheit jedoch ist er eine Heil- und Gemüsepflanze, die nicht nur vielen verschiedenen Arten von Insekten als Lebensgrundlage dient und damit einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht leistet, sondern vielmehr auch für Menschen zum Verzehr geeignet ist. Giersch kann wohl als Salat oder als Gemüse zubereitet werden und entspricht in seinem Geschmack einem Zwischending zwischen Spinat und Petersilie. Zudem gilt er als Heilmittel und wurde lange Zeit zur Behandlung von Rheuma und Gicht eingesetzt. Eine spannendes Gewächs also, das unsere positive Aufmerksamkeit durchaus verdient hat, wie ich finde…..

Zufriedenheit

Hast Du Angst vor dem Tod?“ fragte der kleine Prinz die Rose? Darauf antwortete sie: „Aber nein, ich habe doch gelebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt so viel ich konnte“

-Antoine de Saint-Exupéry-

An die Möglichkeit eines bewussten Lebens , ganz frei von der Angst vor dem Tod glaube ich noch immer nicht. Aber ich weiß: “ Ich habe gelebt, ich habe geblüht und ich habe meine Kräfte eingesetzt so gut ich nur konnte“…. und dies beruhigt doch sehr…..Ich bin zufrieden!!!!

Zartheit……

„Zartheit zwischen Menschen ist nichts anderes als das Bewusstsein von der Möglichkeit zweckfreier Beziehungen “

-Theodor W. Adorno-

….scheinbar so einfach und doch oft so schwierig. Euch allen einen wunderbaren Nachmittag voller Zartheit, Freiheit, Leichtigkeit….

Rosarot………

„Manchmal ist es so, als ob das Leben einen seiner Tage herausgriffe und sagte: “ Dir will ich alles schenken ! Du sollst so ein rosaroter Tag werden, der im Gedächtnis leuchtet, wenn alle anderen vergessen sind.“

-Astrid Lindgren-

Euch allen eine rosaroten Sonntag……

ein Stück vom Himmel….

„Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten Jahre zählt, sondern der welcher sein Leben am meisten empfunden hat“

Jean-Jacques Rousseau-

Ich genieße das satte Blau des Himmels, tauche ein in die Natur die mich umgibt, lausche dem Summen und Brummen der Bienen , die sich in den Blüten tummeln und da ist er wieder..

…dieser Duft , der mir so vertraut ist aus frühen Kindertagen. Ein Duft, der so leicht und unbeschwert ist wie der Frühling selbst. Erinnerungen tauchen auf, Emotionen geknüpft an Bilder aus vergangenen Zeiten .

Marienkäfer mit wachen Augen beobachten, mit nackten Füßen durch eiskalte Bäche waten, nach Glühwürmchen jagen an lauen, scheinbar endlosen Sommerabenden … der Wunsch es möge für immer genau so bleiben wie es gerade ist….weil es gut ist, ganz genau so wie es eben ist….

Schwer zu beschreiben, dieses Gefühl das den Himmel bedeutet. Leichtigkeit trifft es wohl am ehesten. Kein Gedanke an die Vergangenheit , keiner an die Zukunft, blankes SEIN im „Hier und Jetzt“ ..Anfang und Ende sind Eins…..

EPILOG:

Seit dem 03.Mai hänge ich wieder einmal in der Warteschleife. Die nächste, seit einem Monat überfällige, Rituximab-Infusion wurde aufgrund des bestehenden Defektes auf meinen T-Zellen vorerst vom Plan genommen. Mein Rheumatologe möchte zunächst telefonisch Rücksprache mit meinem Immunologen halten, was jedoch aus Gründen der Überlastung, welche derzeit im medizinischen System vorherrscht, nicht gelingt. Wieder einmal bin ich ohne jegliche Perspektive, ohne jeglichen Plan wie es weiter gehen wird . Wann wird behandelt, wie wird behandelt, wer wird behandeln….keine Ahnung!!! Wohl dem der gelernt hat aller Widrigkeiten zum Trotz hin und wieder im „Hier und Jetzt“ zu verweilen

Auf der Wiese…….

“ In der Natur fühlen wir uns wohl, weil sie kein Urteil über uns hat“

-Friedrich Wilhelm Nitzsche-

Familie Schwan

“ Die größte Wunde in der menschlichen Seele scheint mir der Tod zu sein . Wohl dem der sich dessen bewusst ist und gelernt hat mit ihr zu leben“

-Gedanke des Tages-

Ich könnte jetzt so vieles Schreiben. Über meinen Termin in der Rheumatologie und darüber, dass wieder einmal alles unklar ist und ich wieder mal in der Luft hänge. Oder darüber, das gestern am See innerhalb von 5 Minuten alle doofen Gedanken verschwunden waren. Oder vielleicht auch darüber, wie sehr ich es genossen habe mich dort mit Menschen zu unterhalten, welche ganz offensichtlich die Natur ebenso sehr lieben wie ich. Oder aber über meine Angst, die aufkeimt wenn ich wieder einmal die Erfahrung machen muss, dass es noch immer Menschen gibt, für die Distanzregeln keinerlei Bedeutung haben. Oder vielleicht lieber darüber, wie gut es sich anfühlt, wenn mir jemand auf meine Bitte hin Abstand zu halten sagt, dass er bereits geimpft sei und trotzdem seine Maske herauszieht, um sich möglichst sorglos mit mir unterhalten zu können.

Aber eigentlich möchte ich gar nicht schreiben sondern nur mein Glück mit Euch teilen . Mein Herz hat wahre Luftsprünge gemacht beim Anblick dieses neuen kleinen Erdenbürgers. Seit geraumer Zeit warte ich bereits auf diesen Tag und heute war es dann endlich so weit, das erste Küken hat das Licht der Welt erblickt

Wie schön und bezaubernd das Leben doch ist. Und bitte, ich hätte gerne noch ganz viel davon…..

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