Patient Erde

„Der Patient Erde muss dringend auf die Intensivstation – und keiner bildet eine Rettungsgasse! Im übertragenen Sinne stehen alle an der Unfallkreuzung und diskutieren. Jeder tut so, als ginge uns der Patient nichts an. Dabei ist es unsere Mutter, die da liegt. Mutter Natur leidet“

(Claus-Peter-Hutter)

Seit Tagen schon frage ich mich. “ Was ist eigentlich los mit mir?! “ Es ist Sommer, weshalb nur kann ich mich nicht wirklich darüber freuen. Wo bleibt sie nur, die Unbeschwertheit der lauen Sommerabende. Die Leichtigkeit, die ich aus den Sommern vergangener Jahre kenne? Ich hadere mit mir, weil sie sich einfach so gar nicht einstellen will. Hadere mit mir, weil ich es nicht schaffe zufrieden zu sein, mit dem was ich habe. Weil ich diese Leichtigkeit, die mein Freund ist und nach der ich mich so sehr sehne nicht tief in meinem Herzen spüren kann…egal wie ich es drehe und wende, ich bin genervt…und dies nicht zu knapp!!!!!

Alles was ich spüre ist Begrenzung, sind zusätzliche Einschränkungen. Die Hitze schränkt meinen Bewegungsradius ein. Noch mehr, als er es ohnehin schon ist…Wohin ich schaue, an jeder Ecke tun sich Grenzen auf. Zusätzliche Grenzen, die ich nicht haben möchte. Gefühlt sind sie scheinbar nicht zu überwinden. Sackgassen, ich kämpfe. Am meisten gegen mich selbst!!!!

Die Hitze beraubt mich scheinbar allem, was ich meiner schwierigen Situation entgegen setzen kann und ich kann es drehen und wenden, wie ich will. Sie zwingt mich körperlich und seelisch in die Knie. Zwingt mich dazu, mir einzugestehen, dass der Sommer, den ich gerade erlebe, alles andere nur keine Leichtigkeit mehr in sich trägt. Okay, ich gebe mich geschlagen!!!!!

Schlimm? Ja, für einen kurzen Moment schon, zeigt mir diese Situation doch wieder einmal wie klein und unbedeutend ich bin, wie wenig Macht ich habe… Und dennoch, nach jedem Tief kommt bekanntlich ja ein Hoch, nicht wahr?!…….Und tatsächlich ist es so, dass just in dem Moment, indem ich mich geschlagen gebe, indem ich mir eingestehe, dass ich meine eigenen Wunschvorstellungen nicht mehr aufrecht erhalten kann, es nach Tagen des inneren Kampfes, endlich innerlich zur Wende kommt…..

Das Eingeständnis, dass der Sommer eben nicht mehr der Sommer aus vergangenen Jahre ist, dass er vielmehr eine Gestalt angenommen hat, die das Leben zu Fall bringt, mein Leben zu Fall bringt, dass er eher der verzweifelte Ausdruck der zunehmenden Last ist, die wir der Natur auferlegen, ändert meine Sichtweise schlagartig.

Ich muss mir und anderen nichts schön reden, Ich darf unter dieser Situation leiden. Ja …genau genommen muss ich es sogar. Wir alle müssen diese Last spüren, um die so dringend notwendigen Veränderungen in die Wege zu leiten. Kleine Veränderungen, jetzt und hier, im ganz Alltäglichen…..

Den Plan mit dem eigenen Auto zu meinen Eltern zu fahren, um vorher noch einen Abstecher an den See zu machen und das „Allein-Sein mit der Natur“ zu genießen, verwerfe ich. Statt dessen bilde ich eine Fahrgemeinschaft mit meinem Mann, der am Haus meiner Eltern noch eine Reparatur-Arbeit vornehmen muss.

Wir einigen uns auf einen gemeinsamen, verkürzten Aufenthalt am See und einen ebenso verkürzten Aufenthalt bei meinen Eltern, so dass wir rechtzeitig zuhause sind, um der schlimmsten Hitze zu entgehen.

Mir ging`s durch diese Entscheidung tatsächlich deutlich besser. Und dies nicht nur, weil ich es so zumindest für eine Stunde meinem Freund dem Storch gleichtun konnte, sondern auch weil ich wieder einmal spüren konnte wieviel Entscheidungsfreiheit auch noch in einer Situation liegen kann, in der es scheinbar keine Entscheidungsfreiheit mehr gibt….

Epilog:

Auf dem Weg nach Hause erreichen mich folgende Nachrichten:

„Das Ziel die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen scheint kaum mehr erreichbar zu sein“ so der Klimaforscher und Meterologe Mojib Latif. „Wir nähern uns dem Punkt, an dem man sich eingestehen muss, die Zeit ist abgelaufen“

...gedanklich füge ich hinzu: Noch haben wir die Freiheit zu entscheiden . In einem kleinen Rahmen vielleicht, dafür aber jeder für sich selbst……

Libellen…..

„Tausend Libellen umgauckeln den Menschen und schillern und locken , aber die schönste ist grau, wenn er sie endlich erhascht

-Christian Friedrich Hebbel-

Harmonie

Da Disharmonie jeden Ort dieser Erde erreicht, sollte man seinen eigenen Schutzraum mit harmonischen Gedanken und Gefühlen bewahren.

-Christa Schyboll- 

Ebbe und Flut…..

“ Haben Sie nie bemerkt, dass die Leute draußen am offenen Meer einen besonderen Menschenschlag bilden? Es ist beinahe so, als lebten sie des Meeres eigenartiges Leben. Nicht bloß in ihrem Fühlen, auch in ihrem Denken ist Wellengang und Ebbe und Flut……“

-Henrik Ibsen-

Wir haben es wieder einmal geschafft, eine weitere Krise liegt hinter uns. Den Rheumaschub meines Vaters haben wir Dank der unkonventionellen Hilfe des Hausarztes schnell und gut in den Griff bekommen, mein Termin in der Humangenetik liegt hinter mir. Es hat mich Überwindung gekostet meine Eltern allein zu lassen, weiß ich doch darum, dass die Situation sich täglich ändern kann.

Aber ebenso weiß ich, dass sie bei unseren Pflegekräften gut und liebevoll aufgehoben sind und ich weiß, um die Notwendigkeit gut für mich selbst sorgen zu müssen, um die guten Momente bewusst mit ihnen leben zu können, ohne dass wir an den Schwierigkeiten der Situation scheitern werden….

Demnach sind wir losgezogen, nach Dänemark…eine Woche an meinem ganz persönlichen „dünnen Ort“…an einem Ort von dem die nordischen Mythologien erzählen, dass die Grenzen zwischen „Jenseits“ und „Diesseits“ verwischen… und auch dieses Mal hat die Nordsee ganze Arbeit geleistet…

Wie immer hat sie alles weggespült, sämtliche Abwehrmechanismen zu Fall gebracht mehr denn je ihre Doppelnatur zum Ausdruck gebracht. Hat den Aspekt des Todes in meiner Seele ebenso sichtbar werden lassen, wie an ihren Stränden.

Ja, dieses Mal hat sie die tiefe Trauer an die Oberfläche gespült, die sich nur in der Einheit mit der Natur zeigen darf. Eine Trauer, die einen geradezu befallen muss, angesichts des großen Leids, welches das Sterben mit sich bringt und welches man nicht abzuwenden vermag, ganz egal wie sehr man sich auch darum bemüht. Mein Kopf war bereit zu verstehen, dass lediglich die Akzeptanz, für das was die Natur ihrer zwiespältigen Bedeutung nach ist, die Seele zu beruhigen vermag. Mein Herz war Lichtjahre entfernt dieselbe zu spüren….

Epilog:

In der Zwischenzeit weiß ich , dass ich auf die Zyklen des Lebens, die sich sowohl in den äußeren Begebenheiten als auch in der menschlichen Psyche widerspiegeln, vertrauen kann. So auch dieses Mal. Ein Blick in die äußere Welt hat genügt, um zu sehen, dass es nicht MEIN Leiden ist, sondern dass das Leiden universal und ein fester Bestandteil des Lebens ist. Der einzige Weg es zu ertragen ist es zu spüren, es in sich selbst zu fühlen, es in sich selbst entstehen und wieder vergehen zu lassen. So wie die Nordsee in ihrer Ganzheit es versteht , Ebbe und Flut entstehen und vergehen zu lassen.

Dies sind die Zyklen des Lebens, aus denen letztlich wiederum Mitgefühl und Wertschätzung für das Leben als solches entspringt. Jene Wertschätzung, die dieser Planet und das Leben, welches er beherbergt, so dringend benötigt ……diese eine Welle hab ich wieder einmal genommen…die Sicht auf die unendliche Weite des Ozeans ist wieder frei…bis zur nächsten Welle…

Winds of change…..

„Sometimes in the wind of change you can find your true direction“

-Verrfasser unbekannt-

Sein….

„Ich möchte niemand anderem einen Weg vorzeichnen, denn ich weiß , dass mir der Weg von einer Hand vorgeschrieben wurde, die weit über mich hinausreicht“

-C.G. Jung-

Wachstum…..

„Die Aufgabe der Umgebung ist es nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren“

Maria Montessori-

Trommelkünstler

„Wenn Sie den Wert allen Lebens erkennen, verweilen Sie weniger in der Vergangenheit und konzentrieren sich mehr auf die Bewahrung der Zukunft“

-Dian Fossey, Zoologin und Verhaltensforscherin-

Wer Schmetterlinge lachen hört….. oder sollte es vielleicht eher heißen, wer Schmetterlinge trommeln hört?

Wusstet ihr, dass der „Kleine Fuchs“ in Sachen Brautschau über ganz erstaunliche Fähigkeiten verfügt? Hat der Schmetterlingsbräutigam die Dame seiner Wahl entdeckt, so folgt er ihr und versucht mit seinen Fühlern auf den Flügeln seiner Liebsten zu trommeln. Hieraus ergibt sich ein wild anmutender Tanz, dessen Hintergrundmusik man aus nächster Nähe wohl deutlich hören kann….

Habt ihr schon einmal Schmetterlinge trommeln gehört?

Epilog:

Wer sich an lauen Sommerabenden ein „Trommelsolo“ wünscht, der hilft dem „Kleinen Fuchs“ schon alleine damit, dass er in Teilen seines Gartens einfach der Natur ihren Lauf lässt. Brennnesseln an sonnendurchfluteten Stellen schmecken den Raupen dieses kleinen Schönlings besonders gut und sorgen dafür, dass man bald schon im eigenen Garten die Schmetterlinge lachen hören kann….

……. habt ihr es auch gehört? 😊😊🦋🦋😊😊

Gartenträume

In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wird es wiedergefunden.

Blaise Pascal, französischer Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph-

Zur Zeit bin ich, sofern mein eigener Gesundheitszustand es zulässt, fast täglich bei meinen Eltern. Mein Vater ist sauerstoffpflichtig und gelinde ausgedrückt kann er sein Sauerstoffgerät nicht ausstehen. Ich habe für mich beschlossen sein „ Nein“ zu respektieren, es zu akzeptieren, wenn er die Therapie nicht möchte. Kein eisernes Bestehen auf die Behandlung, keine Machtkämpfe, kein ewiges „an ihm Rumgenörgle“.

All dies versuche ich zu vermeiden, nicht zuletzt deshalb, weil ich ein Stück von mir selbst in ihm wiederfinde. Seinen „Dickschädel“ mit dem auch ich mir Autonomie bis zum Schluss wünsche, mir wünsche, dass meine Entscheidungen respektiert werden, selbst dann wenn sie anderen unsinnig erscheinen und sich nicht mit den Wünschen meines Umfelds decken.

Leicht fällt mir diese Entscheidung allerdings nicht, weiß ich doch genau, dass jede Stunde ohne zusätzlichen Sauerstoff uns dem Abschied näher bringt. Deshalb bin ich nun also sehr oft Vorort, um mein Glück zumindest zu versuchen und dies, vermutlich weil ich eben nicht darauf bestehe, auch recht häufig mit gutem Erfolg…

Nebenbei nutze ich dann die Gunst der Stunde, um mich schon mal mit dem Garten anzufreunden, dessen Pflege und Gestaltung wir, in Ermangelung der Kapazitäten meiner Eltern, bereits übernommen haben…

Ich fühle mich wohl dort, fühle mich sehr dicht bei meinen Wurzeln.

Unfassbar, wie viele Erinnerungen dieser Ort in mir weckt. Erinnerungen an frisch geröstetes Brot vom Grill. An laue Sommerabende, an denen ich Ball gespielt und nach Glühwürmchen gejagt habe bis zum Umfallen. Erinnerungen an die Sehnsucht, mit der ich die Enkelin unserer Nachbarn in den Sommerferien erwartet habe und an den Geschmack von sonnenverwöhnten Tomaten, die ich gemeinsam mit meiner ältesten Freundin im Garten ihrer Großeltern geerntet habe. Erstaunlicherweise hat das Leben auch meine Freundin wieder zurück an ihren alten Wohnort verschlagen, so dass wir bald wieder in naher Nachbarschaft zueinander wohnen werden. Unglaublich, fast wie früher……

Ja, ich freu mich über die neuen Möglichkeiten, die sich mir nun heute an meinem alten Wohnort, am Ort meiner Kindheit erschließen.

Ich mag dieses Haus, ich mag die Umgebung und ich mag es mit meinen Eltern in ihrem Garten zu sitzen. Nicht nur weil ich hier meine Wurzeln habe , auch weil in diesem Garten für mich spürbar wird, dass sich die Natur, lässt man ihr denn ihren Lauf, immer ihren Weg zurück ins Leben bahnt. Danach strebt den Kreis zu schließen….

Die Liebe zu allem was wächst und blüht, habe ich von meiner Mutter geerbt und so gibt’s bereits einen festen Bestand im Garten, der sich in der Zwischenzeit mit allerlei eigenem, bunten Leben gemischt hat.

Nun gilt es für mich die „Spreu vom Weizen“ zu trennen, zu entscheiden was gehen muss und was bleiben darf. Was getan werden muss, um die wilde Seele der Natur mit den Vorzügen der städtischen Umgebung zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden. So bestaune ich nun gemeinsam mit meiner Mutter, jedes Pflänzchen einzeln. Zupfe mal hier mal da, setzte mal hier und mal dort einen neuen Impuls und recherchiere, um den Wildwuchs und seine Interaktion mit der Umwelt (noch) besser zu verstehen…. in meinem Inneren ebenso wie im Äußeren…immer in der Hoffnung, irgendwann einmal in ferner Zukunft, auf einen prächtigen, wilden und gleichsam gepflegten Garten blicken zu können.

Epilog:

Der Lavendel darf bleiben. Ursprünglich eigentlich aus südlicheren Gefielden stammend zählt er hierzulande ja vermutlich nicht unbedingt zu den Wildpflanzen. Dennoch ist er ein wahrer Insektenmagnet und bringt nicht nur meinen jetzigen Garten zum Summen und Brummen, sondern ebenso den doch wesentlich weniger ländlich gelegenen Garten meiner Eltern. Besonders gefreut hat mich das Taubenschwänzchen, welches sich wohl durch den Duft des Lavendels angezogen gefühlt hat. Aber auch eine ganze Reihe anderer Schmetterlinge , Wildbienen und Hummeln finden hier Nahrung in Hülle und Fülle… Und mit dem wunderbaren Duft den er verbreitet ist er demnach ein Fest für die Sinne für Mensch und Tier…..Ja, er darf bleiben…….Definitiv!!!!

Unersetzlich……

“ Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen“

-Arthur Schopenhauer-

Epilog:

Hummeln sind wahre Sympathieträger unter den Insekten und werden aufgrund ihres flauschigen Aussehens von den meisten Menschen gerne gesehen. Vielen Menschen nicht bewusst ist jedoch, dass viele Hummelarten bereits vom Aussterben bedroht sind und wir in unseren Gärten zumeist nur noch die häufigeren Arten beobachten können. Über 13 Arten stehen bereits auf der Roten Liste, unter anderem auch diese niedliche, kleine Grashummel, die mir heute auf meiner abendlichen Foto-Tour über den Weg geflogen ist.

Hummeln herstellen können wir nicht! Aber ihnen einen Raum zum Leben anbieten, das können wir. So kann jeder Gartenfreund einen kleinen Beitrag zum Artenschutz leisten indem er Wildblumen- und Pflanzen einen Platz im Garten einräumt…ein blühender Garten , indem es summt und brummt, eine wunderbare Vorstellung!!! Nicht wahr?!

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