Natur und Kultur

Wir haben keine Buschseele mehr, die uns mit dem wilden Tier identifiziert. Unsere direkte Kommunikation mit der Natur ist zusammen mit der damit verbundenen beträchtlichen emotionalen Energie im Unbewussten verschwunden.“

-C.G. Jung-

Die heutigen Bilder stammen von einem Spaziergang der vergangenen Tage und sind inmitten der Obstplantagen, nur ein paar Schritte von meinem Zuhause entfernt entstanden. Es war ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, denn mein gefiederter Freund und ich sind uns sehr lange gegenübergesessen und haben uns einfach nur angeschaut. Die selbe Vorsicht in mir zu entdecken, mit der er mich beobachtet hat, hat ihn wohl dazu veranlasst zu bleiben, mir seine Gegenwart zu schenken. Es war spannend zu erleben wie wir es wohl beide gleichzeitig gespürt haben, dass andere Menschen sich uns annähern. Leichte Unruhe, vorsichtige Blicke in beide Richtungen, gefolgt vom stillen, gelassenen Rückzug ihrer Eminenz, dem Graureiher.

Ich selbst bin noch eine Weile in der Stille verblieben. Lächelnd vor Freude über diese wundervolle Begegnung und schmunzelnd über die verwunderten Spaziergänger, die wohl nicht verstanden haben, wen oder was ich da in den Obstplantagen habe verschwinden sehen.

Epilog:

Zwei Jahre sind in der Zwischenzeit vergangen, seit ich meine Wälder und Wiesen eingetauscht habe gegen das städtische Leben. Manchmal ist mir der Rummel der Stadt noch immer zu viel, manchmal genieße ich es jedoch auch unter den Menschen zu sein. Hier ein nettes Schwätzchen mit den Nachbarn, dort ein freundliches Lächeln. Oder aber eine schöne Begegnung mit anderen Menschen beim morgendlichen Spaziergang. Der Mensch braucht zu seinem Glück eben auch den Menschen.

Und dennoch, die Erfahrung, die ich in der Zeit der Abgeschiedenheit gemacht habe, werde ich niemals vergessen. Ich werde sie wie einen Schatz in meinem Inneren bewahren, diese Begegnung mit meiner „wilden Seele“, die so unfassbar schmerzlich, dramatisch, ja beängstigend und rückblickend zugleich doch so wunderschön und befreiend war.

Wenn wir die Natur in der wir leben wahrhaftig verstehen wollen, dann müssen wir uns selbst verstehen. Dann müssen wir lernen den „Wildwuchs“ in unserem Inneren anzuerkennen, ihn mit allen seinen Tiefen und beängstigenden Teilen wertzuschätzen und zu integrieren.

Gelingt uns dies, dann werden wir uns wieder daran erinnern, wer wir in Wirklichkeit sind. Werden begreifen, dass wir am tiefsten Punkt unserer Seele nichts weiter als Teil einer grandiosen Schöpfung sind, die es zu achten und zu lieben gilt. Dann werden wir den Schöpfergeist in uns ebenso erkennen wie in der Natur die uns umgibt. Dann, ja dann kann ein Weg zu einer harmonischen Verbindung zwischen Natur und Kultur gefunden werden.

2 Comments on “Natur und Kultur

    • Ohh, ich hab Deine Nachricht gerade jetzt erst gesehen, bitte entschuldige. Ja, es stimmt tatsächlich, er hat ein Herz im Gefieder. Ich hab’s erst gesehen, als ich darauf aufmerksam gemacht wurde. Ich freue mich, dass Du Dich mit mir freust und schicke Dir ganz liebe Grüße, Daniela 😘😊🙋‍♀️💞

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