Kiwi und Frodo

„Selbst die dunkelste Nacht wird enden und die Sonne wird aufgehen“

-Viktor Hugo –

Kiwi, mein Großer. Weißt Du noch, als Du zu uns gekommen bist? Da habe ich Dich durch die Wälder getragen. Meter für Meter haben wir jeden Schritt, den wir gemeinsam gegangen sind, miteinander verhandelt. Weil Du den Menschen, nach all dem was Du bereits erlebt hattest, nicht mehr vertraut hast, weil Du mir nicht vertraut hast.

Und auch ich hatte damals das Vertrauen verloren. Das Vertrauen in’s Leben, in die Menschen, vor allen Dingen aber in mich selbst. Aber wir haben nicht aufgegeben. Weder Du, noch ich. Gemeinsam sind wir weitergegangen, Schritt für Schritt.

Und dann kam eine Zeit in der Du mir gezeigt hast was es bedeutet Rückgrad zu haben, frei und unabhängig zu sein. Bei sich selbst und gleichzeitig beim anderen zu sein. Du hast mir vorgelebt, dass es trotz tiefer Verletzung, möglich ist wieder Vertrauen zu fassen. In die Menschen, ins Leben in sich selbst. Und Du hast mir gezeigt, was es heißt präsent zu sein, voll und ganz im „Hier und Jetzt“ zu sein, glücklich zu sein.

Und nun, zum Schluss habe ich Dich wieder getragen. Nicht mehr weil Du Angst hattest, sondern weil Du alt und schwach gewesen bist und weil Du auf meine Hilfe angewiesen warst. Nicht aus Pflichtgefühl habe ich Dich getragen, nicht einen einzigen Tag. Sondern nur aus Dankbarkeit. Aus tiefster Dankbarkeit für all das was Du mir geschenkt hast. Aus Liebe.

Nun liegt Dein Tod bereits 4 Monate zurück und nicht ein Tag ist seither vergangen an dem ich nicht an Dich gedacht habe, Dich nicht vermisst habe. So oft denke ich daran, wie Du vor über 12 Jahren zu uns gekommen bist. Wie alles angefangen hat, wieviel Leid Du damals aus den Straßen Rumäniens mit zu uns gebracht hast und wie leidvoll sich mein eigenes Leben damals angefühlt hat.

Vor allen Dingen aber erinnere ich mich daran, wieviel Heilsames Du mitgebracht hast. Wie gut Du mir getan hast, wieviel an Gutem Du in mir zum Leben erweckt hast. Und mit jeder Erinnerung die auftaucht, wächst mein Wunsch, Dein Erbe weiter zu geben, es hinaus in die Welt zu tragen.

Ja, Kiwi… Mein Großer…. Ich bin mir sicher, ja ich bin sogar zutiefst überzeugt davon, dass Du einverstanden bist mit den Dingen so wie sie nun sind. Ich weiß, dass Du bei uns bist, uns begleitest, von wo aus auch immer Du nun bist. Auf jeden Fall aber bist Du tief in meinem Herzen und von da aus lässt Du mich wissen, dass wir Deinen Segen dafür haben, dass nun auch Frodo ein warmes Körbchen, ein Zuhause bei uns gefunden hat.

Aber Du fehlst mir trotzdem…immer und überall…. jeden Tag….

Epilog:

Vor einigen Tagen ist nun also Frodo bei uns eingezogen. Auch Frodo stammt aus Rumänien. Und ebenso wie unser Kiwi hatte auch er bereits schon so vieles hinter sich, als er hier bei seiner „Pflegemama“ des Förderverein Arche Noah e.V /Tierärztepool angekommen ist. Aber auch er hatte Glück und wurde, ebenso wie Kiwi, liebevoll aufgepäppelt, bevor er nun hier bei uns sein festes Plätzchen gefunden hat an dem er nun bis zu seinem Ende bleiben kann.

Frodo ist bereits 10 Jahre alt. Seine Knochen sind schon ein bisschen müde und im rechten Bein hat er etwas Arthrose, die ihm an manchen Tagen das Leben ein wenig schwer macht.

Aber allen erlebten Härten zum Trotz, ist Frodo ein so lebenslustiges Kerlchen geblieben und schon nach diesen wenigen Tagen hat er uns sein Herz geschenkt und bringt uns, mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit, hier alle zum Lachen.

Das Schönste aber sind seine Augen. Diese Augen, die noch immer so voller Leuchten und Lebensfreude sind und welche eine so tiefe Weisheit besitzen. Wie einst auch Kiwis Augen erzählen sie von großer Freude und von tiefer Trauer, vom Leben und vom Sterben, von der Endlichkeit und der Unendlichkeit. Vor allen Dingen aber erzählen Sie davon, wie wundervoll das Leben sein kann, wenn es gelingt sich ganz und gar darauf einzulassen, vollständig im „Hier und Jetzt“ zu sein, das Leben in all seinen Facetten anzunehmen, zu lieben und zu genießen.

Herzlich Willkommen Frodo. So schön, dass Du da bist!!!!!

Wer von Euch gerne mithelfen möchte, die Not der Straßenhunde etwas zu lindern, der

Förderverein Arche Noah e.V /Tierärztepool freut sich über jede Spende unter der

IBAN: DE 02 2304 0022 0020 9239 00

Alltägliches

„Die wahre Lebenskunst besteht darin im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen“

Pearl.S.Buck-

Ein Zitat, welches ich einfach so gerne mag. Wir suchen so oft nach dem Außergewöhnlichen, dem Besonderen, dem ultimativen Kick. Im Äußeren ebenso wie auch an uns, in unserem Inneren. Dabei kann doch auch ganz gewöhnlicher Schnittlauch sooo schön sein, findet ihr nicht auch?! 😊😉

Herbst

„In jeder Veränderung, in jedem fallenden Blatt steckt etwas Schmerz, etwas Schönheit. Und das ist die Art, wie neue Blätter wachsen.“

-Amit Ray –

Der Herbst ist eine so wunderbare Jahreszeit, überall beginnt die Natur zu leuchten. Selbst an Tagen die eher wolkenverhangen und grau erscheinen. Fast möchte man die üppigen Farben festhalten, sie irgendwie zu Papier bringen. Dabei erzählt uns der Herbst doch gerade vom Gegenteil. Von der Flüchtigkeit des Lebens, der Vergänglichkeit, vom stetigen Wandel.

Der Herbst kann uns zeigen, wie unfassbar schön Vergänglichkeit sein kann, angesichts des Wissens, dass es in Wirklichkeit gar keine Vergänglichkeit, sondern lediglich ewige Veränderung gibt. Er kann uns Vertrauen lehren. Uns zeigen, dass wir uns in dieses ewige „Werden und Vergehen“ fallen lassen können, uns diesem ewigen Prozess voller Zuversicht und Hoffnung anvertrauen dürfen..

Wunder

„Es gibt nur zwei Arten sein Leben zu leben: Entweder so als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder“

-Albert Einstein-

Wenn wir wirklich leben, wenn wir ganz bei uns selbst sind, dann spüren wir den Urgrund unseres Seins in jedem Atemzug, sehen ihn in jedem Windhauch, der über die Wiesen streift, der unsere Haut berührt.
Wir sehen ihn in jeder Wolke, die am Himmel vorüberzieht, in jedem Sonnenstrahl, der im Wald durch das lichte Grün der Blätter fällt.

Wir hören ihn im Rauschen der Blätter, des Meeres, im Gesang der Vögel. Spüren seine Kraft in jedem Sturm, der vermag Bäume zu fällen, den Boden für neues Leben zu ebnen.
Wir sehen ihn im Lächeln eines Kindes, ebenso wie in der Träne eines alten Mannes.
Wir nehmen ihn wahr, wenn wir über das Fell eines geliebten Tieres streichen, wenn wir einen Menschen den wir lieben umarmen, wenn wir in den Spiegel schauen…. Ja, wenn wir ganz und gar bei uns selbst sind, wird alles was wir tun, was wir sehen, fühlen und erleben zum Wunder ..

Durchzügler am Bodenseeufer

„Die Natur ist ein guter Ort um unsere Natürlichkeit wiederzufinden“

-Ernst Ferstl-

….denn in ihr dürfen wir sein wer wir sind. Sie zeigt uns immer wieder, dass wir eigentlich nichts weiter zu tun brauchen, außer achtsam zu sein. Achtsam zu beobachten wie das Leben sich entfaltet. In uns selbst und um uns herum.

Dieser wunderschöne Grünschenkel hat mir völlig unerwartet seine Gegenwart geschenkt. Ich saß einfach nur da, hab auf den See geschaut und meine Gedanken fließen lassen. Und plötzlich war er da, nur wenige Meter von mir entfernt, an meiner Seite. Er ist einfach auf mich zugelaufen und hat direkt vor mir angefangen den Fischen nachzujagen. Was für ein unerwartetes Geschenk!!! Wusstet ihr, dass Grünschenkel, mit dem geöffneten Schnabel unter Wasser, den Fischen regelrecht hinterher rennen?

Das nenn ich mal eine wirklich kreative Art an`s Futter zu gelangen. Er war wirklich wieselflink und sah absolut lustig dabei aus. Und das Beste daran: Es war ihm ganz offensichtlich völlig egal was ich davon halte 😂 Ich sag`s ja immer…von der Natur können wir viel lernen 😉😉

Federsee

„Lerne von der Geschwindigkeit der Natur, ihr Geheimnis ist die Geduld“

-Ralph Waldo Emerson-

Hier ein paar Bilder von meinem zweiten Ausflug an den Federsee. Wieder sind sie in den ganz frühen Morgenstunden entstanden, gerade als die Sonne begonnen hatte sich sanft durch die ersten Nebelschwaden zu schieben, die sich über Nacht über den See und das angrenzende Schilfgebiet gelegt hatten. Ich mag diese Stimmung, welche den beginnenden Herbst ankündigt. So ruhig, zart und geheimnisvoll präsentiert sie die zerbrechliche Schönheit der Natur und erinnert uns daran wie kostbar und wertvoll das Leben in seiner ganzen Vielfalt ist….

Epilog:

Ja, das Leben ist kostbar, in jeglicher Form. Lange habe ich nun in meinem Herzen Hin und Her bewegt, in welcher Form ich persönlich meine Wertschätzung für das Leben wohl am Besten zum Ausdruck bringen könnte. Was mir hierfür zur Verfügung steht und wie es mir gelingen könnte meinen eigenen, ganz persönlichen Teil zum Großen und Ganzen beizutragen.

Eine abschließende Antwort darauf gibt es, wie immer im Leben, natürlich nicht. Und es gibt auch nichts über was ich tatsächlich verfügen würde, außer eben über mein ganz persönliches „So Sein“. Meine ganz persönliche Art wie es sich gut und erfüllt, auch mit chronischer Erkrankung, leben lässt.

Und vielleicht gibt es da noch das medizinische Wissen über das Sjögren-Syndrom, welches vielleicht dem Einen oder Anderen, der ebenfalls betroffen ist, von Nutzen sein könnte. Doch in welcher Form ist es möglich Letzteres für andere zugänglich zu machen? Wie kann ich es sichtbar werden lassen, für andere nutzbar machen? Dies waren die Fragen, welche mich in vergangenen Monaten mitunter beschäftigt haben.

Am sinnvollsten nun erschien mir der Gedanke auf unserer Seite https://waisen-der-medizin.de eine gesonderte Rubrik anzulegen, in welcher ich versuchen werde, alles was ich in den vergangenen Jahren an Wissen gesammelt habe, Stück für Stück zusammen zu tragen. So bleibt es auch längerfristig für jedermann zugänglich und kann bei Bedarf jederzeit und von jedermann abgerufen werden.

Aber wie in der Natur braucht alles seine Zeit um wachsen und gedeihen zu können und eines der wichtigsten Dinge, die ich im Laufe der Jahre im Umgang mit meiner Erkrankung gelernt habe ist, dass es gilt mich ihrem Rhythmus anzupassen, mit ihr mitzugehen, nichts erzwingen zu wollen, einfach geschehen zu lassen was kommt und was sich zeigen möchte.

So braucht es also Geduld mit mir und meinem Vorhaben. Hier wird es, so es denn sein soll, weitergehen mit ganz viel innerer und äußerer Natur und mit allem was mein ganz persönliches Leben mit dem Sjögren -Syndrom ansonsten noch schön und lohnenswert für mich macht….Ich hoffe ihr findet Gefallen daran….

Hommage an die Natur

„Die Natur braucht keine Meisterwerke zu erschaffen, sie ist eins“

-Herrmann Hesse-

6.00 Uhr morgens, mein Wecker klingelt. Ich habe mir vorgenommen den Sonnenaufgang im Naturschutzgebiet Federsee mitzuerleben. Mein erster Gedanke als ich wach werde, meinen Köper spüre, ist: Oh nein, geht gar nicht!!!! Bis ich einen Blick aus dem Fenster unseres Buses werfe und sehe, der Himmel brennt. Innerhalb einer halben Stunde bin ich angezogen, hab auf die Schnelle meine erste Tasse Kaffee getrunken und bin losgelaufen.

Bereits bei den ersten Schritten spüre ich, der noch müden Knochen zum Trotz, wie mein Herz weit wird, sich mit Freude füllt. Ich atme die noch kühle Morgenluft ein, spüre wie sie sich in meinen Lungen ausdehnt. Sehe die aufgehende Sonne in der Ferne, wie sie den Himmel in ein Meer aus unterschiedlichsten Farben verwandelt. Ich spüre den sanften Wind in meinem Gesicht, sauge die noch menschenleere, unberührte Stille geradezu auf. Lausche den zarten Stimmen der ersten Vögel, die den Tag gemeinsam mit mir begrüßen. Ich genieße jeden einzelnen Schritt.

Mein Weg führt mich zur Aussichtsplattform am Flusslauf der in den See mündet. Absichtslos, einfach nur schauen was sich mir dort bietet. Was mich jedoch erwartet ist ein Naturschauspiel, welches mich so sehr in der Tiefe meines Herzens berührt hat, dass ich es kaum mehr beschreiben kann.

Inmitten der Stille nehme ich plötzlich ein Geräusch war. Zunächst undefinierbar für mich, eher leise, jedoch stetig anschwellend, lauter werden und noch ehe ich wirklich realisiere, dass dies die Stare sein müssen, die sich am Vorabend in Scharen zum Schlafen im Schilf versammelt haben, höre ich das Getöse unzähliger Flügelschläge. Lauter immer Lauter. Und plötzlich sind sie da. Hunderte von Vögeln die sich aus dem Schilf erheben, sich in einer riesigen schwarzen Wolke formatieren. Eine schwarze Wand aus einzelnen Körpern, lebendig, sich immer wieder verändernd, bis sie schließlich über den Fluss hinweg direkt auf mich zufliegt.

Die Flügelschläge immer lauter hörend, stockt mir regelrecht der Atem als unzählige Vögel so dicht über meinen Kopf hinweg fliegen, dass ich das Gefühl habe den Wind, den ihre Flügel verursachen, auf der Haut in meinem Gesicht fühlen zu können. Sie fliegen über mich hinweg, zielgerichtet, einzelne von ihnen seitlich an mir vorbei. Für einen kurzen Augenblick habe ich das Gefühl inmitten den Schwarms zu sein, mit ihm zu verschmelzen, Teil des Geschehens zu sein.

Ergriffenheit, blankes Staunen, Tränen in den Augen, tiefe Dankbarkeit für diesen einen Augenblick, der mich stolz und demütig gleichermaßen gemacht hat. Weil er mich wieder einmal hat spüren lassen, dass ich Teil eines unfassbar Großen und Ganzen, einer grandiosen, wunderschönen Schöpfung bin.

Die Seele der Stille

„In uns ist die Seele des Ganzen, die weise Stille, die universelle Schönheit, das Ewige“

-Ralph Waldo Emerson-

Hier geht`s erstmal weiter mit Natur, denn sie ist und bleibt meine größte Kraftreserve. In ihr finde ich auch noch in den stürmischsten Zeiten innere Ruhe, die Sicherheit im Leben geborgen, in mir selbst zuhause zu sein. Die Bilder sind in einem städtischen Park ganz in der Nähe der medizinischen Hochschule in Hannover entstanden. In den frühen Morgenstunden, kurz bevor wir uns auf den Weg gemacht haben unsere Tochter, auf der Station der nephrologischen Spezialambulanz für seltene entzündliche Nierenerkrankungen, zu besuchen.

Blicke ich 25 Jahre zurück, so bin ich mir sicher, dass ich angesichts eines Aufenthaltes meiner Tochter an der Uniklinik nicht eine Sekunde Ruhe gefunden hätte und ich heillos im inneren und äußeren Chaos versunken wäre.

Und noch heute waren die 1 1/2 Wochen, die es bis zur Diagnose und zur Einleitung der Therapie gedauert hat für uns alle mehr als anstrengend. In der Zwischenzeit jedoch habe ich, aufgrund der vielen Täler durch die ich mittlerweile gegangen bin, gelernt ruhig zu werden. Zwischendurch loszulassen und mich in einen inneren Raum zu begeben. Einen Raum der Stille in dem ich Eins werde mit mir selbst und mit der Natur die mich umgibt.

Ein Geschenk von unschätzbarem Wert, welches ich letztlich meiner eigenen Erkrankung zu verdanken habe und welches ich nie mehr missen möchte….

Epilog:

Es gibt wohl nichts was einem Elternteil größere Sorge bereiten könnte, als dass es die eigene Erkrankung an das Kind weitergeben könnte. Das Sjögren -Syndrom selbst, als eigenständiges Krankheitsbild, kann nicht vererbt werden, jedoch kann die Disposition zur Autoimmunität innerhalb der Familie weitergegeben werden. In meiner Familie wurde die Anlage zur Autoimmunität durch meinen Vater, welcher unter einer Rheumathoiden Arthritis litt, an mich weitergereicht. Für mich ist nun der „worst case“ eingetreten, denn ich habe meine Erkrankung an meine Tochter weitergegeben. Das einzig Positive daran ist, dass es dem Team der medizinischen Hochschule Hannover, aufgrund des Wissens um meine Vorgeschichte, schneller gelungen ist eine exakte Diagnose zu stellen und die richtige Behandlung in die Wege zu leiten.

Wandel

“ Wir haben Angst vor dem Tod, wir haben Angst vor der Trennung, wir haben Angst vor dem Nichts. Wenn wir aber tief schauen, dann erkennen wir den unaufhörlichen Wandel der Dinge und verlieren allmählich unsere Angst“

-Thich Nath Hanh –

Noch immer wird der Tod in unserer Gesellschaft in weiten Teilen tabuisiert. Entweder er wird bagatellisiert, wird als Rettung und Erlösung verherrlicht oder aber er bereitet so viel Angst und Furcht, dass er vollständig ausgeblendet, aus dem Leben ausgegrenzt werden muss. Wann immer wir jedoch wirklich lieben bietet er uns die Möglichkeit zu erfahren, dass er weder ausschließlich das Eine noch ausschließlich das Andere ist, sondern dass er vielmehr beide Aspekte gleichzeitig in sich trägt.

In welcher Form auch immer wir ihm begegnen hat er etwas Dramatisches, zutiefst Ehrfurcht gebietendes, Schmerzvolles, da er das Herz und das Leben derjenigen, die zurück bleiben unweigerlich in Stücke reißt. Da er für inneres und äußeres Chaos, für tiefgreifende Veränderung sorgt, und damit mit brachialer Gewalt den Boden umgräbt, ihn auf neues Leben vorbereitet. Nicht immer verstehen wir seinen Sinn, aber er verdient unseren Respekt, unsere Achtung und unsere Akzeptanz. In aller letzter Konsequenz tatsächlich sogar auch unsere Liebe, weil er letztlich nichts weiter ist als die Natur, das Leben und damit die Liebe selbst .

Am 03.Juni durfte Kiwi in hohem Alter, nach langer, schwerer Erkrankung und mit meiner Hilfe nach Hause gehen. Durfte sein Leiden beenden und wieder Eins werden mit dem schöpferischen Urgrund allen Seins.

Mit ihm habe ich nicht nur Abschied von meinem besten Freund genommen, vielmehr auch von einer für mich sehr bedeutenden Lebensphase. 12 wundervolle Jahre war Kiwi immer an meiner Seite , 12 Jahre in denen wir eine intensive und tiefe Beziehung zu einender gelebt haben, in denen wir uns gegenseitig auf ganz besondere Weise unterstützt haben. 12 Jahre in denen ich mich intensiv auseinandergesetzt habe mit meiner Erkrankung, mit dem Leben, mit dem Sterben, mit dem Tod. In denen ich gerungen habe, um eine Sichteise auf auf das Leben, welche den Tod als natürlichen Aspekt des Lebens anerkennt. 12 schwierige und dennoch erfüllte Jahre, aus denen ich vor allen Dingen eines mitgenommen habe, die Erkenntnis, dass es trotz Krankheit, trotz der Gewissheit, dass das Leben endlich ist, möglich ist ein gutes und erfülltes Leben zu führen.

Epilog:

Nachdem ich selbst 15 Jahre um die richtige Diagnose und weitere 7 Jahre um die vollständige und richtige Behandlung gerungen habe, hat nun auch meine Tochter in den vergangenen Tagen, nach ca. 3 Jahren intensiven Ringens, die Diagnose eines Sjögren Syndroms gestellt bekommen und wird aufgrund der seltenen Verlaufsform nun ebenfalls mit Rituximab behandelt. Aufgrund der Vorerfahrungen, des Wissens über die Erkrankung und aufgrund dessen, dass wir rechtzeitig wussten wohin wir uns wenden können, konnte die Diagnose noch zur rechten Zeit gestellt werden, so dass die begründete Hoffnung auf eine vollständige Remission besteht.

Insgesamt jedoch sind damit für uns als Familie 25 Jahre auf der Suche nach Diagnose und Behandlung in`s Land gegangen. 25 Jahre die in mir den tiefen Wunsch geweckt haben dieser Suche einen Sinn zu verleihen. Mein Blog soll deshalb künftig dazu da sein, dem Sjögren Syndrom ein Gesicht zu geben, es in all seinen Facetten sichtbar werden zu lassen. Vor allen Dingen jedoch soll er Hoffnung schenken. Soll andere teilhaben lassen an meinem Wissen und meinen Erfahrungen. An dem Schatz den ich trotz, oder vielleicht sogar aufgrund meiner Erkrankung in meinem Inneren gefunden habe und der mir trotz aller Unebenheiten, welche das Leben bereit hält, immer wieder Freude , Glück und Zuversicht schenkt.

Inwieweit ich dieses Vorhaben, werde umsetzen können liegt nur bedingt in meiner Hand, so wie das Leben eben nur bedingt in meiner Hand liegt. Es wird sich entfalten, entwickeln, wachsen so wie das Leben selbst stetig wächst , sich entwickelt und sich neu entfaltet. Oder um es mit den Worten Martin Bubers auszudrücken: „Gott ruft und der Mensch antwortet“

Om Namo Bhagavate

“ Om Namo Bhagavade Vasudevaya Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht, von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit „

Es ist soweit. Zwei Jahre haben wir gekämpft, um das Leben meines geliebten Seelenfreundes, meines treuesten Begleiters, durch schwere Zeiten. Nun ist er 16 Jahre alt, für einen Hund ein biblisches Alter und dieses Mal wird es kein Zurück in diese Welt mehr geben. Mein Kiwi wird sich auf die Reise begeben, wird wieder Eins werden mit dem Urgrund allen Seins.

Noch einmal wird tiefster Winter in meinem Herz einkehren. Wird Kälte und Dunkelheit, das junge frische Grün, welches bereits im Werden ist, bedecken. So lange bis die Zeit reif ist und die Saat der vergangenen Jahre bereit ist, sich Bahn zu brechen, das Licht der Welt zu erblicken.

Bis dahin werde ich mir Zeit nehmen, mir eine Pause von den sozialen Medien einräumen, um ganz bei mir selbst zu sein, um zu trauern und um Abschied zu nehmen, von meinem Freund und Seelenbegleiter….den ich so sehr liebe….Ich danke Euch allen, die ihr mich bis hierher begleitet habt und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen in anderen Form….

Epilog:

Aufgrund seiner Metamorphose von der unscheinbaren Raupe zu einem geflügelten Wesen von zarter Schönheit ist der Schmetterling zu einer Metapher für Transformation und Hoffnung geworden. Kulturübergreifend ist er zum Symbol für Wiedergeburt und Auferstehung geworden, für den Sieg von Geist und Seele über das physische Gefängnis, die materielle Welt. Om name Bhagavate …Und führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht, von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit. Flieg mein Freund , flieg….