Entscheidungen

Sind manchmal  notwendig  um sich innerlich  zu befreien,  um wieder  durchatmen zu können. Ein Blick heute früh in meinen Wochenplaner sagt mir deutlichst, es wird höchste Zeit mal wieder durchzuatmen  . „So kann es nicht  mehr weiter gehen!!!!!“……alles voll,  über Wochen  ausgebucht,  der Kalender quilt förmlich über vor lauter  Arzt-Terminen.  Notwendige Termine, wie es scheint.  Rheumatologin,  Kardiologin,  Nephrologin, Augenarzt u.s.w, u.s.w….  Wichtig! Wichtig! Wichtig!

Sicherlich,  die Ärzte  mit denen ich heute noch zu tun habe sind alle nett…sehr nett, mir menschlich  zugewandt und ich bin mir sicher, dass  sie alle nur das Beste für mich und meine Gesundheit wollen

Und dennoch. Für mich bedeuten  diese Termine  Stress. Stress weil für mich an solchen Tagen  keine Energie mehr übrig bleibt, um etwas anderes  zu unternehmen. Stress weil ich an diesen Tagen mit meiner Erkrankung  konfrontiert  werde. Stress weil mir jeder Arztbesuch  zeigt,  dass ich mich eigentlich  im „freien Fall“ befinde und es auf die allermeisten  Fragen  keine befriedigende Antwort  gibt. Stress weil ich mich an diesen Tagen  der Erkrankung  zuwende und kaum mehr Raum  für Leben bleibt.

Wenn ich nun also in meinen Kalender  schaue, dann muss ich mir die Frage stellen, wo denn, neben all dem Gefühl für die Verantwortung meiner Gesundheit gegenüber, die Lebensqualität  geblieben ist? Wo ist denn der Platz,  für die Dinge die mir Energie  spenden  und die mich mit der Schönheit  des Lebens  in Kontakt  bringen? Wo ist die Lebensfreude geblieben?

Die erschütternde Erkenntnis dieser Überlegung lautet: “ Es gibt kaum mehr einen Raum für diese Dinge“ Für die Dinge,  die mir schlussendlich  die Kraft schenken,  um mit meiner Erkrankung (möglichst) gut  leben zu können. Alles gewichen, dem Wunsch dem „Wolf“ seine Zähne zu ziehen,  ihm seine Aggressivität zu nehmen. Gewichen einer  verzweifelten Suche nach Sicherheit in einem vollkommen unsicheren Leben.

Hier MUSS sich etwas ändern. ICH muss etwas  ändern. …Bislang  habe ich Arztbesuche immer in den Vordergrund  gestellt. Sie hatten  oberste  Priorität. „Da hängt  ja mein Leben  dran“. ..so mein Gedankengang. Es war also die Angst (im weitesten Sinne ) vor dem Tod,  die meinen Terminkalender   (und damit mich) bestimmt hat. Mit dem Ergebnis,  dass  rundherum noch nicht  einmal mehr soviel Energie übrig  blieb, mich mit Freunden  zu treffen, ein Buch zu lesen, zu malen …Ein Irrwitz…was bitte  ist das für ein Leben?!  Genau genommen  bin ich drauf und dran es zu verpassen,  auf der Suche nach einer Sicherheit, die mir sowieso keiner geben  kann.

Damit ist nun Schluss,  so meine Entscheidung. Künftig werde ich die Arzt- Termine  um MEINE  Bedürfnisse  herumlegen. Nicht mehr jeden privaten  Termin „knicken“ ,  aus der Angst heraus, den scheinbar so dringend  benötigten Arzt-Termin, in der  völlig  überlasteten Facharztpraxis nicht ergattern  zu können. Ich werde nicht mehr alles Leben in den Hintergrund stellen aus der Angst heraus  womöglich eine „Bißwunde“ des Wolfes zu übersehen. Ich werde ein Stück meines Kontrollbedürfnisses aufgeben.

JA, und ich werde HEUTE damit beginnen indem ich  mir nun endlich meinen  Yogakurs buche. Und vor allen Dingen, werde ich diesen auch besuchen. Und sollte die Frage  bei der nächsten Terminvereinbarung  lauten: „Passt Ihnen Montag, der so und so vielte?  Dann wird meine Antwort  lauten: „Nein, denn da habe ich Yoga!!!

Verantwortungslosigkeit?  Mangelndes Verständnis für die vorherrschende Zeitknappheit im Gesundheitswesen? Nein!!!! Selbstfürsorge!!!

 

 

 

6 Comments on “Entscheidungen

    • Danke, eine Entscheidung die ich erfahrungsgemäß immer wieder neu treffen muss. Allerdings kann ich mir an dieser Stelle auch meine Kritik am derzeitigen Gesundheitswesen nicht verkneifen. Es ist und bleibt trotzdem falsch, dass Menschen mit komplexen Systemerkrankungen massiven Stress erleben, wenn sie sich medizinisch angemessen versorgt fühlen wollen. Für mich ist diese Entscheidung die richtige, trotzdem müssen an dieser Stelle andere Wege gefunden werden. Wege auf denen der Patient sich nicht zu Tode rennt um angemessene Hilfe zu erhalten

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  1. Liebe Daniela,
    herzlichen Glückwunsch zu deiner Entscheidung!
    Du hast völlig Recht, es gibt auch noch ein „Leben“ abseits all dieser Arzttermine.
    Bis vor einiger Zeit ging es mir fast ähnlich wie dir, Termine beim Arzt hatten grundsätzlich oberste Priorität.
    Inzwischen versuche ich mir so etwas wie eine Arzt-Woche zu planen: möglichst alle wichtigen Termine in eine Woche legen und dafür auch mal eine Woche oder sogar mehr ganz zur „freien“ Verfügung. Na ja gut, zur „freien Verfügung“ ist vielleicht etwas übertrieben, denn natürlich gibt es auch noch andere Termine, die man noch so nebenbei hat. ABER grundsätzlich komme ich so besser zurecht und kann so auch durchaus mal wieder einige meiner Freundinnen treffen und wir haben „unendlich“ Zeit, die wir zusammen verbringen können 🙂
    Denn leider lässt es meine Energie überhaupt nicht zu, wie es bei einem Gesunden ganz normal wäre, zusätzlich zu einem Arzttermin noch ein Treffen oder einen Einkauf anzuschließen. Ich habe immer nur die Wahl: Entweder … oder…..!
    Ich schicke dir eine herzliche Umarmung aus dem leicht verschneiten und sonnigen Norden- alles Liebe
    Milka

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    • Hallo liebe Milka,
      eine Ärztewoche einzulegen ist sicherlich eine gute Idee. Man braucht einfach Zeiten in denen man die Erkrankung hinten anstellen kann, soweit das überhaupt möglich ist. Für mich ist die Tatsache mich mit unendlich vielen Kontrolluntersuchungen auseinandersetzen zu müssen ja eher neu, da es bis vor einem Jahr ja noch immer um Diagnostik und den „Beweis“ ging , dass ich überhaupt krank bin. Ich hab aber auch da immer wieder ganz bewusst Zeiten eingelegt, wo ich alles ruhen ließ. Zum Teil mit der sicheren Gewissheit, dass dies ziemlich schief gehen kann. Aber anders hätte ich es nicht ertragen. Dass dieser Marathon nun nach der Diagnose im selben Stil weiter geht war mir so nicht bewusst. Man macht tapfer seine Termine und irgendwann merkt man, dass man mal wieder in der selben Schiene hängt ( nur in angewandelter Form) und die Angst sich hinten herum eingeschlichen und einen fest im Griff hat. Ich glaube diese Entscheidung der Angst Einhalt zu gebieten , ist irgendwie keine die man einmal trifft und mit der man dann endgültig aufgeräumt hat. Sie scheint mir vielmehr eine zu sein , die immer wieder neu getroffen werden muss. Ich denke schlussendlich geht es dabei um einen sinnvollen Umgang mit der Angst. Wir brauchen sie einerseits, denn wenn wir sie nicht hätten würden wir auf die Signale unseres Körpers nicht mehr hören. Auf der anderen Seite verhindert sie jegliche Lebensfreude , wenn wir zulassen dass sie zu groß wird. Für mich keine leichte Übung, ich werde wohl ein Leben lang daran arbeiten müssen. Aber ich, für mich, empfinde es als das wichtigste mir diese Angst immer wieder ins Bewusstsein zu rufen. Denn dort habe ich die Chance so mit ihr umzugehen, dass sie ihren Zweck erfüllt. Dass sie mich schützt aber nicht gleichzeitig schädigt. Mal sehen wie lange es mir gelingt sie im Blick zu behalten. Es wird nicht das letzte mal gewesen sein, dass sie mich hinterrücks überrennt.
      Ich sende Dir ganz liebe Grüße zurück in den hohen Norden,
      Daniela , die sich dem „Wolf „zum Trotz allmählich die Sonne auch wieder herbei sehnt

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      • Ja, mit dem Thema Angst, hast du wirklich Recht.
        Sie schleicht sich bei mir auch immer wieder ein und ich befürchte, dass das auch so bleiben wird.
        Dazu habe ich in den vergangenen Jahren einfach schon viel zu viel mitgemacht, um sie weit in den Hintergrund treten lassen zu können.
        Aber ich sage immer: Ich bin auf dem Weg und wer weiß, wo er mich hinführen wird…….

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      • Ja, das verstehe ich gut….es geht mir ebenso. Wir haben einfach bereits zu tief in den Abgrund geschaut um noch an ein sorgenfreies Leben glauben zu können. Die Kunst ist wohl immer wieder zu erkennen, dass beides gleichzeitig vorhanden ist. Die Schönheit und das Leid…wenn es nur immer so einfach wäre.

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