Pustekuchen…

So schnell wird nun also aus einem gelungenen Tag eine schlaflose Nacht. Gestern Abend noch habe ich  den Brief der Nephrologin aus dem Briefkasten geangelt. Mein Wunsch, es bliebe mir erspart, mich vor dem Urlaub nochmals mit dieser  ganzen, unseeligen Krankheitsgeschichte auseinandersetzen zu müssen?!  Pustekuchen!!!!!! Dahin die seelische Ruhe der vergangenen Tage……

Ja, es ist tatsächlich so, dass ich schon gar nicht mehr an den Briefkasten gehen mag und deshalb meinen Mann vorschicke. Nur um neuerlichen „Horrorbotschaften“ hinsichtlich meines „Wolfes“ zu entgehen. Als ob sie funktionieren würde, diese Vogel-Strauß-Politik!!!!. Als ob ich dieser Geschichte entgehen könnte.!!! Was für ein unbeschreiblicher Blödsinn!!!

Trotzdem, ich kann es nicht leugnen. In der Zwischenzeit ist es schon so, dass bereits ein noch geschlossener Arztbrief mich in Angst und Schrecken versetzt. Lieber die Augen verschließen, bloß nicht hinsehen!!! Weitere Lücken, weitere Fehler in der Anamnese, die den Blick auf das tatsächliche Krankheitsgeschehen trüben?! Wieder alles umsonst?! Allein schon die Vorstellung ist unerträglich und noch während ich hier sitze und schreibe kommen mir die Tränen.  Gott sei Dank, denn wenigstens löst  sich dadurch die Anspannung, die sich seit gestern Abend ( nachdem ich den Brief trotz allen Widerstandes geöffnet habe) in mir breit gemacht hat.

Das Problem, das sich durch den Inhalt des Briefes ergibt, löst sich dadurch allerdings nicht. Leider!!!! Denn zwar wurden nun (fast) alle Befunde mit aufgenommen, in der Beurteilung jedoch nicht neutral bewertet. Vielmehr wurden sie erneut im Rahmen der Diagnose „renal tubuläre Azidose“, die vor vielen Jahren gestellt wurde, interpretiert. Dass diese Diagnose schon 100 Mal wiederlegt wurde, weil die Befunde nicht passen (unter anderem auch von Seiten einer auf diese Erkrankung spezialisierten, nephrologischen Ambulanz) wurde dabei nicht erfasst. Die über Wochen andauernde massive Leukozyturie, die Proteinurie, die Blutzuckerentgleisungen wurden nicht in die Überlegungen mit aufgenommen oder irgendwie nicht in den Kontext gestellt.

Wie das alles nun zustande gekommen ist? Ich weiß es noch nicht. Hierzu werde ich den Brief noch einige Male lesen müssen, mich intensiver auseinandersetzen müssen. Mich erneut mit der Krankheit beschäftigen müssen, alle die Bilder der Vergangenheit wieder und wieder ertragen müssen.

Ja, ich weiß, ich werde das Gespräch suchen müssen. Und irgendwo in meinem Hinterkopf, ja da weiß ich auch, dass ich Wege finden werde, um aufzulösen was da nun wieder einmal schief gelaufen ist. Aber im Moment , da sehe ich nur das Ergebnis der ganzen Geschichte.

Ich sehe , dass ich wieder am Anfang stehe, wieder am Ausgangspunkt. Das Drama wiederholt sich, die vorliegenden Auffälligkeiten werde nicht als das interpretiert, was sie eigentlich sind. Nämlich als eindeutige Hinweise darauf, wie aktiv sich die Krankheit verhält (ob es nun das Lymphom oder der Wolf ist, das sei mal dahin gestellt,  denn um genau dies zu klären, darum  ging es ja eigentlich!!!!)

Was das für mich bedeutet?  Der blanke Horror!!!! Wie viel Angst es in mir auslöst, dass die Krankheit wieder aktiver wird und ich unbehandelt bleibe, weil die Verlaufsparameter nicht erkannt werden?  Wie viel Angst es mir macht, dass mir dieses kleine bisschen an Lebensqualität, dieses kleine bisschen stinknormalen Alltags (das ich zumindest hin und wieder leben darf) wieder genommen werden könnte, nur weil nicht richtig hingeschaut wird?  Nur weil die Zeit fehlt sich ernsthaft mit der Erkrankung auseinander zu setzen. ? Ich kann es nicht beschreiben!!!!! Ich weiß nur eines, ein zweites Mal wäre ich nicht mehr in der Lage,  das zu ertragen was hinter mir liegt…..

4 Comments on “Pustekuchen…

  1. Das kann ich dir so gut nachfühlen. Es tut mir sehr leid für dich. Immer wieder zurückgeworfen zu werden durch Scheuklappendenken vieler Mediziner. Dadurch unbehandelt, falsch behandelt zu werden. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers als Hirngespinste abgetan. Hiobsbotschaften durch Briefe und Telefonate, dass wieder mal wie vorher angemahnt und erwartet etwas schieflief, sich die Lage noch weiter verschlimmert hat. Eigentlich ist es wie eine Aberkennung des Wissens um den eigenen Körpers, ähnlich einer Entmündigung. So jedenfalls habe ich es immer wieder empfunden.
    Auch ich konnte nicht mehr zum Briefkasten gehen und hatte jahrelang noch Probleme, ans Telefon zu gehen, brach beim Klingeln in Panik aus. Die schlimmsten Nachrichten kamen immer über das Telefon.
    Kannst du die Bezugnahme auf den Bericht bis nach dem Urlaub innerlich rausschieben oder ist es für dich besser, gleich zu handeln?

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    • Liebe Carolin, ich danke Dir von Herzen für Deine Anteilnahme. Ich wünschte Du hättest nie eine ähnliche Situation erleben müssen. Überhaupt sollte nie auch
      nur irgend jemand so etwas erleben müssen und dennoch bin ich so froh, dass es Menschen gibt die nachvollziehen können was das alles bedeutet. Ja, ich werde es aufschieben können. Habe gerade noch mit der onkologischen Praxis telefoniert, meine korrigierte Fassung wurde nach Stuttgart weitergeleitet mit den entsprechenden Befunden. Wie es scheint hat wenigstens der Onkologe mitgedacht und ich kann den Brief der Nephrologie vergessen. Untern Strich bedeutet dies natürlich dass ich die Fäden weiterhin in der Hand behalten muss um nicht unterzugehen und das strengt mich einfach in einem Maße an, das man kaum zu Ausdruck bringen kann. Aber jetzt fahre ich erst in den Urlaub und versuche die Angst und alles was mit solchen Situationen verbunden ist hier zurück zu lassen und mich auf das Leben zu konzentrieren. Wenn machbar schicke ich Bilder…..Ich wünsche Dir eine wunderbare und erholsame Zeit und hab nochmals ganz lieben Dank für Dein offenes Ohr, in diesem Sinne fühl Dich herzlichst gegrüßt und bis bald Daniela

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