Zartheit……

„Zartheit zwischen Menschen ist nichts anderes als das Bewusstsein von der Möglichkeit zweckfreier Beziehungen “

-Theodor W. Adorno-

….scheinbar so einfach und doch oft so schwierig. Euch allen einen wunderbaren Nachmittag voller Zartheit, Freiheit, Leichtigkeit….

Rosarot………

„Manchmal ist es so, als ob das Leben einen seiner Tage herausgriffe und sagte: “ Dir will ich alles schenken ! Du sollst so ein rosaroter Tag werden, der im Gedächtnis leuchtet, wenn alle anderen vergessen sind.“

-Astrid Lindgren-

Euch allen eine rosaroten Sonntag……

ein Stück vom Himmel….

„Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten Jahre zählt, sondern der welcher sein Leben am meisten empfunden hat“

Jean-Jacques Rousseau-

Ich genieße das satte Blau des Himmels, tauche ein in die Natur die mich umgibt, lausche dem Summen und Brummen der Bienen , die sich in den Blüten tummeln und da ist er wieder..

…dieser Duft , der mir so vertraut ist aus frühen Kindertagen. Ein Duft, der so leicht und unbeschwert ist wie der Frühling selbst. Erinnerungen tauchen auf, Emotionen geknüpft an Bilder aus vergangenen Zeiten .

Marienkäfer mit wachen Augen beobachten, mit nackten Füßen durch eiskalte Bäche waten, nach Glühwürmchen jagen an lauen, scheinbar endlosen Sommerabenden … der Wunsch es möge für immer genau so bleiben wie es gerade ist….weil es gut ist, ganz genau so wie es eben ist….

Schwer zu beschreiben, dieses Gefühl das den Himmel bedeutet. Leichtigkeit trifft es wohl am ehesten. Kein Gedanke an die Vergangenheit , keiner an die Zukunft, blankes SEIN im „Hier und Jetzt“ ..Anfang und Ende sind Eins…..

EPILOG:

Seit dem 03.Mai hänge ich wieder einmal in der Warteschleife. Die nächste, seit einem Monat überfällige, Rituximab-Infusion wurde aufgrund des bestehenden Defektes auf meinen T-Zellen vorerst vom Plan genommen. Mein Rheumatologe möchte zunächst telefonisch Rücksprache mit meinem Immunologen halten, was jedoch aus Gründen der Überlastung, welche derzeit im medizinischen System vorherrscht, nicht gelingt. Wieder einmal bin ich ohne jegliche Perspektive, ohne jeglichen Plan wie es weiter gehen wird . Wann wird behandelt, wie wird behandelt, wer wird behandeln….keine Ahnung!!! Wohl dem der gelernt hat aller Widrigkeiten zum Trotz hin und wieder im „Hier und Jetzt“ zu verweilen

Auf der Wiese…….

“ In der Natur fühlen wir uns wohl, weil sie kein Urteil über uns hat“

-Friedrich Wilhelm Nitzsche-

Familie Schwan

“ Die größte Wunde in der menschlichen Seele scheint mir der Tod zu sein . Wohl dem der sich dessen bewusst ist und gelernt hat mit ihr zu leben“

-Gedanke des Tages-

Ich könnte jetzt so vieles Schreiben. Über meinen Termin in der Rheumatologie und darüber, dass wieder einmal alles unklar ist und ich wieder mal in der Luft hänge. Oder darüber, das gestern am See innerhalb von 5 Minuten alle doofen Gedanken verschwunden waren. Oder vielleicht auch darüber, wie sehr ich es genossen habe mich dort mit Menschen zu unterhalten, welche ganz offensichtlich die Natur ebenso sehr lieben wie ich. Oder aber über meine Angst, die aufkeimt wenn ich wieder einmal die Erfahrung machen muss, dass es noch immer Menschen gibt, für die Distanzregeln keinerlei Bedeutung haben. Oder vielleicht lieber darüber, wie gut es sich anfühlt, wenn mir jemand auf meine Bitte hin Abstand zu halten sagt, dass er bereits geimpft sei und trotzdem seine Maske herauszieht, um sich möglichst sorglos mit mir unterhalten zu können.

Aber eigentlich möchte ich gar nicht schreiben sondern nur mein Glück mit Euch teilen . Mein Herz hat wahre Luftsprünge gemacht beim Anblick dieses neuen kleinen Erdenbürgers. Seit geraumer Zeit warte ich bereits auf diesen Tag und heute war es dann endlich so weit, das erste Küken hat das Licht der Welt erblickt

Wie schön und bezaubernd das Leben doch ist. Und bitte, ich hätte gerne noch ganz viel davon…..

In the desert you can remember your name

Der Glaube an das Leben, an sich selbst, an andere, muss sich auf dem harten Felsen der Realität gründen, das heißt , auf der Fähigkeit, Schlechtes dort zu sehen wo es ist“

-Erich Fromm-

Der letzte Termin mit meiner Psychoonkologin war ebenso heftig wie gewinnbringend. Deutlich wurde mir in`s Bewusstsein gerufen, wie gut meine Instinkte funktionieren. Wie präzise ich seelische Dispositionen sowie darin verborgene Gefahren wahrnehme. Und gleichzeitig, wie lange ich gebraucht habe, um meinen Instinkten zu folgen, mich auf sie zu verlassen. Die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen……

Die Wunde des jahrelangen „Abgeschnitten Sein“ von alledem was die meisten Menschen in unseren Breitengraden unter Leben verstehen ist tief, Isolation schmerzt. Und gleichsam ist sie heilsam, bereitet den Weg in die Freiheit, hilft dabei die „Spreu vom Weizen “ zu trennen.

Dort wo die glühend heiße Sonne der Wüste alles in Schutt in Asche gelegt, jeden dürren Grashalm verbrannt und dem Erdboden gleich gemacht hat ist neues Grün, neues Leben entstanden.

Ich habe Familie, die sich näher ist als jemals zuvor, ich habe Menschen die mich lieben und Freunde die den Wert meines Seins zu schätzen wissen…

Alles was es zu tun gilt, ist darauf zu vertrauen, dass der neu gewonnene Boden unter meinen Füßen bereit ist mich zu tragen …….. Manchmal ist das nicht ganz einfach!!!!!!!

Wenn Reiher unter Wasser fliegen…….

Wenn Reiher unter Wasser fliegen

und Schmetterlinge tauchen gehen

da wird die Gesundheit siegen

und alle Krankheit untergehen“

-Ingrid Hauff-

So, nun ist es also so weit. Es geht in die nächste Runde. 3 Monate sind vorbei und ich kann dabei zuschauen, wie sich das bisschen Lebensqualität wieder einmal zusehend in Luft auflöst. Der Nachtschweiß nimmt wieder zu, die altbekannten Beschwerden kommen zurück. Hinzu kommt, dass ich nun tatsächlich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen unter Nasenbluten leide und an manchen Tagen meine Schläfenarterien sichtbar hervortreten.

Nicht gut, meint mein Pneumologe. Die Lunge ist gut, nur ein paar kleinere Vernarbungen die auf die Erkrankung hinweisen, in Summe nix Schlimmes. Nun aber eben diese blöde Arterie, die ihn im Zusammenhang mit dem Nasenbluten und den Sehstörungen sofort an eine Vaskulitis denken lassen. In Gedanken füge ich noch die Hörstürze und die Verdachtsdiagnose einer retinalen Vaskulitis hinzu und schon wird ein Bild daraus, das sich passgenau dem in der Zwischenzeit bekannten Immundefekt zuordnen lässt…

Nicht schön, nein wirklich nicht!!!! Und bedenke ich dann noch die Situation, in der wir uns alle gerade befinden und denke ich weiterhin darüber nach, dass es für mich in Sachen Impfung keinerlei Perspektive gibt, dann wird es zwischendurch schon auch mal seelisch eng. Dann bekomme ich Angst. Angst vor der Zukunft, vor dem Leben, davor den Rest meines Lebens dazu verdonnert zu sein am Rande stehen zu müssen. Es ertragen zu müssen, dass mich in diesem Zustand da draußen in der Welt niemand mehr haben möchte.

Ja, es ist leider so, dass bei vielen Menschen nur meine gesunden Anteile erwünscht sind. Die kräftigen, die humorvollen Anteile meiner Seele, die ein Leben mit solchen Defiziten gut meistern können, denen es gelingt auch noch anderen Mut zu machen, sich für Veränderungen einzusetzen. Was aber geschieht, wenn diese Anteile mal nicht im Vordergrund stehen, wenn ich verzagt , mutlos, traurig bin. Wenn ich offen darüber spreche wie sich meine Lebenssituation gestaltet, wie sehr ich auf den Schutz der Allgemeinheit angewiesen bin?! Dann, ja dann…..

…….dann wird es plötzlich still. Plötzlich höre ich nichts mehr von den Menschen um mich herum. Rückzug, Schweigen, Totenstille…….und das tut weh!!!!

In solchen Momenten fühle ich mich einsam, isoliert, ausgestoßen…..auch wenn ich im Grunde meines Herzens ganz genau weiß, dass dem nicht so ist. Schweigen schafft Distanz, eiskalte Distanz. Stummer Rückzug ist grausam, weil er nicht nur meine Erkrankung betrifft, sondern mich als ganze Person, es ist diskriminierend drängt mich als Menschen an den Rand.

Und was ist mit dem Wunsch der Anderen, nach Freiheit, nach Leichtigkeit, nach einem Raum ohne Krankheit? Diesen Wunsch kann ich durchaus verstehen, denn diesen gibt es auch in mir. Auch ich brauche Zeiten, in denen die Erkrankung außen vor bleibt, in denen ich es nicht zulasse, dass noch mehr zusätzliches Leid an mich heran getragen wird, in denen ich mir auch mein eigenes Leid auf Distanz halte, indem ich einfach die Augen davor verschließe. Zeiten sind das, die es mir ermöglichen, dass ich mich auf mich selbst besinne. Auszeiten für die Seele, in denen ich den Blick danach ausrichten kann was noch gut, was noch heil ist in meinem Leben.

Und ebenso wie ich mir selbst diese Auszeiten gönne, so gönne ich sie auch anderen. Und zwar ehrlich und von ganzem Herzen.

Und trotzdem, manchmal wünsche ich mir einfach eine haltende und vor allen Dingen verstehende Hand. Eine Hand die bereit ist Kummer und Schmerz aufzunehmen. Einen Menschen der den vollständigen Rückzug nicht nötig hat, weil er seine eigene Angst zum Ausdruck bringen kann, weil er sich sicher ist ausreichend für sich selbst sorgen können, weil er weiß dass er formulieren kann wenn Angst und Schmerz ihm zu viel werden und er eine Auszeit braucht.

Wünsche mir Jemanden der sich seiner Selbst sicher genug ist, der groß genug ist, um über den eigenen Tellerrand hinaus schauen zu können. Der weiß, dass sein eigenes Wohl vom Wohle aller abhängig ist, der auch mal kräftig mit der Faust auf den Tisch hauen und vorhandenem Unrecht Grenzen setzen kann, auch dann noch, wenn ich selbst gerade nicht mehr in der Lage dazu bin.

Ja, in Zeiten in denen ich die Realität mit voller Wucht spüre, wünsche ich mir Menschen um mich herum, die verstehen, dass ich weder ausschließlich meine Erkrankung, noch ausschließlich „Power-Frau“ bin. Menschen die mich als ganzen Menschen sehen und begreifen. Als einen Menschen , der lacht , der weint, der liebt, und am Leben bleiben möchte…..ebenso wie er selbst, ebenso wie jeder andere Mensch eben auch….

Ja…… Wenn Reiher unter Wasser fliegen und Schmetterlinge tauchen gehen.„.… Dann werden wir über uns selbst hinaus wachsen, werden wir uns alle gegenseitig die Hände reichen, dann wird das was momentan unmöglich erscheint, zur Möglichkeit werden. Dann, ja dann wird die Gesundheit siegen…..nicht nur für mich, sondern für Alle……

Ich danke Dir, liebe Ingrid, für dieses wunderbare Bild, für diese Mut machenden Zeilen und für die richtigen Worte zur richtigen Zeit…….

…….genau dann als ich sie am Nötigsten gebraucht habe……

Wer mehr zu Ingrid Hauff und ihrer Kunst wissen möchte, der findet sie unter :

http://www.ingrid-hauff.de

Auf der Lauer….

lag ich gestern am See und war schon fast etwas frustriert angesichts dessen, dass es so kalt und auch so leer war. Kaum Flugverkehr, nur ganz wenige Möwen und ein paar Schwalben waren unterwegs. Letztere zwar ganz bezaubernd, aber leider viel zu schnell für meine bescheidenen, fotografischen Fähigkeiten. Als Belohnung für mein Ausharren hat sich dann aber doch noch in letzter Minute, kurz bevor ich bereits nach Hause fahren wollte, ein Reiher blicken lassen und ich durfte ihn lange beim Fischen beobachten. Faszinierend wie präzise er vorgegangen ist, zunächst ist er ganz ruhig und gelassen durch den See gewatet. Dann seine Beute fixierend, ganz still, ruhig und aufmerksam stehen geblieben. Und im richtigen Augenblick hat er zugeschlagen. Erfolgreich und absolut zielsicher……

Irgendwie, wie im richtigen Leben…. oftmals gilt es einfach nur auszuharren. So lange bis sich einem die passende Gelegenheit zeigt und einem das Glück direkt vor der Nase vorbei schwimmt….

Blue……….

„Denke nicht so oft an das was Dir fehlt, sondern an das was Du hast“

-Mark Aurel-

Der Frühling….

er sitzt bereits in den Startlöchern….aber so ganz kann er sich hier bei uns im Tal noch nicht durchsetzen. Die bisher spärliche Blüte hat mit frostigen Nächten zu kämpfen, immer wieder schneit es….mitunter sogar ziemlich heftig….

Aber die Streuobstbäume tragen bereits dicke Knospen …..und bald, ganz bald wird es so weit sein. Dann leben wir hier wieder in einem Meer aus Blüten. Überall wird es summen und brummen und die Luft wird erfüllt sein vom Duft der Blüten. Ich liebe es!!!!!….Wie gut, dass wir uns (noch) auf die Zyklen des Lebens verlassen können…….

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