Von Spatzen und Schnecken

Von Schnecken und Spatzen
 

Als Mensch, der die Dinge gerne aus einer tiefenpsychologischen Sichtweise heraus betrachtet, bin ich überzeugt davon, dass Geschichten Märchen und Mythen viel mit der menschlichen Psyche zu tun haben. Berühren sie einen im richtigen Augenblick, so können sie eine heilsame und oftmals tröstliche Wirkung auf uns haben.

Gestern Morgen erhielt ich von einer lieben Freundin eine kleine Geschichte, die mich sehr berührt, mich sofort mitten ins Herz getroffen hat, die mir persönlich in einer schwierigen Situation sehr viel Trost gespendet hat.

Da ich glaube, dass viele Menschen gemeinsam mit mir von einem ähnlichen Schicksal betroffen sind, möchte ich diese Geschichte teilen, möchte sie zum Anlass nehmen meinen Blog zu eröffnen.

Möge sie allen, die sie lesen und die sich darin wiederfinden ebenso viel Hoffnung, Mut und Zuversicht schenken, wie sie mir geschenkt hat:

Es war einmal eine Schnecke, die sich an einem nasskalten, grauen und stürmischen Frühjahrstag aufmachte, am Stamm eines Kirschbaumes hinaufzuklettern.
 
Die Spatzen, die überall im Garten saßen, lachten über die Schnecke und zwitscherten: „Du bist ja ein Dummkopf – schau doch, da sind überhaupt keine Kirschen am Baum! Warum machst Du Dir die Mühe da hochzuklettern?“
 
Die Schnecke kroch unbeirrt weiter und sagte zu den Spatzen: „Das macht mir nichts – bis ich oben angekommen bin, sind Kirschen dran!“

(Autor unbekannt)

Ich weiß nicht ob auch andere sich in dieser Geschichte wiederfinden, aber mir war augenblicklich klar, was diese kleine Schnecke mit mir, mit meiner Lebensgeschichte, mit meiner Erkrankung zu tun hat. Sofort habe ich mich in diesem kleinen Wesen wiedergefunden, das so zäh, so ausdauernd und so unbeirrt den Baumstamm empor kriecht. Das Ziel, für andere nicht sichtbar, nicht aus den Augen verlierend.

Mittlerweile sind beinahe 17 Jahre vergangen, seitdem ich begonnen habe „meinen Baumstamm“ empor zu kriechen, das Ziel der richtigen Diagnose und der damit verbundenen richtigen  Behandlung, das Ziel zu überleben und einen Zugewinn an Lebensqualität zu erreichen nicht aus den Augen verlierend. Wie oft ich dabei „abgestürzt“ bin und von vorne beginnen musste? Ich vermag es nicht mehr zu zählen. Wie viele „Spatzen“ mir während dieser Jahre zugerufen haben, ich sei ein Dummkopf? Auch diese kann ich heute kaum mehr zählen.

Wie oft bekam ich im Laufe der Jahre Stimmen zu hören die da riefen: “Du bist ein Simulant, nicht wirklich krank, bist zu empfindlich”. Wie oft habe ich Sätze zu hören bekommen wie “stell Dich nicht so an” oder “so schlimm wird es schon nicht sein” . Wie oft hat man mir gesagt “Du musst Dich nur gesünder ernähren, mehr Sport treiben, besser mit Dir und Deinem Leben umgehen, dann wird es schon auch wieder besser werden”. Wie oft haben mir diese Stimmen zusätzlich das Leben schwer gemacht, mir die Kraft abverlangt Grenzen zu setzen wo ich eigentlich Unterstützung gebraucht hätte? Ich kann es beim besten Willen nicht mehr zählen.

Sätze und Äußerungen, oftmals ausgesprochen aus Unwissenheit, Hilflosigkeit und Unsicherheit im Umgang mit der Erkrankung. Sätze die zum damaligen Zeitpunkt äußerst schmerzlich waren und tiefe Wunden in meiner Seele hinterlassen haben. Wunden die in der Zwischenzeit verheilt sind. Zu Narben verblast sind, die jedoch sicherlich für den Rest meiner Lebenszeit Teil meiner Persönlichkeit bleiben werden.

Und trotzdem hat es sich gelohnt nicht aufzugeben, hat es sich gelohnt zu kämpfen und immer wieder von Neuem zu beginnen. Denn nach unzähligen Irrwegen und schier endlos erscheinenden Recherchen, bin ich schlussendlich dem Ziel doch sehr nahe gekommen. Die Kollagenose (Sjögren/Lupus) gilt heute als gesichert und die entsprechende Behandlung hat mir doch zumindest einen Teil meiner Lebensqualität zurück gegeben. Und auch wenn bis heute noch sehr viele Unklarheiten im Krankheitsbild bestehen, so ist mir allein durch das Wissen, dass es sich um eine Kollagenose handelt, dadurch dass ich dem “Kind” einen Namen geben durfte, sehr viel an Angst und Unsicherheit genommen worden.

Ich wünsche allen die diese Zeilen lesen und die ebenso wie ich auf der Suche nach der richtigen Diagnose und der angemessenen Hilfe sind die Kraft um nicht aufzugeben. Die Kraft durchzuhalten und bei Fehlschlägen nicht den Mut und nicht die Hoffnung zu verlieren. Es lohnt sich, auf sich selbst zu vertrauen und die „Kirschen“ trotz aller „Spatzen“ nicht aus den Augen zu verlieren. Es lohnt sich für sich selbst und für die eigene Gesundheit einzutreten, sich niemals vom eigenen Weg abbringen zu lassen.  Es lohnt sich, sich niemals selbst zu verlassen.

In diesem Sinne, Euch allen einen wunderschönen Frühlingstag voller Kraft , Hoffnung und voller Zuversicht

Eure Daniela.

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