Facharzttermine

Diese Woche ist es so weit. Die Kontrolluntersuchungen nach der Chemo-Therapie stehen an. Ich habe sage und schreibe 7 Arzt -Termine diese Woche. Na ja, okay!!! Genau genommen sind es bloß 5. Bei den restlichen zweien handelt es sich um Termine beim Physiotherapeuten, der mir mit einer manuellen Therapie dabei helfen soll den insgesamt desolaten Zustand meines Körpers wieder in Schuss zu bringen.

Trotzdem!!! Es bleiben noch 5 !!! Heute Rheumatologin, morgen Pneumologe, Kardiologin und Nephrologin und am Freitag Dermatologe. Die blanke Schreckensvision!!!! In meiner Vorstellung eine Pensum das kaum zu bewältigen ist. Nicht nur körperlich (gewichtige Gespräche bei schlechter Konzentration sind einfach anstrengend) sondern auch seelisch. In meiner Vorstellung stelle ich mich auf Kampf ein, auf Auseinandersetzung, auf den unglaublichen energetischen Aufwand, dessen es bedarf einem Gegenüber, das mir keinen Glauben schenken möchte , begreiflich zu machen, dass ich krank bin. Schwer Krank !!! Und dass ich dringend Hilfe benötige!!!!

Seit Wochen trage ich diese Vorstellung, die Angst vor der nun anstehenden Woche (mehr oder weniger bewusst) mit mir herum. Wie soll ich diese Woche nur überstehen? Woher nur soll ich die Energie für diesen unglaublichen Kraftakt beziehen?

Doch dann wird mir klar. Im Grunde genommen ist es gar nicht mehr so schlimm. Es werden keine großartigen Erklärungen mehr nötig sein. Ich werde kein mitleidiges Lächeln mehr ernten, welches mir signalisiert eigentlich gar nicht krank , sondern lediglich nur “ nicht ganz dicht“ zu sein. Dieses Mal werde ich die Praxen nicht mehr mit der mir so vertrauten Hilflosigkeit, dem schrecklichen Gefühl des „nicht weiter Wissens“ verlassen.

Dieses Mal werde ich nur den (zwar äußerst Fehler- und lückenhaften)   Brief  der rheumatologischen Fachklinik, sowie die Aufnahmen des CT meiner Lunge vorlegen und alle notwendigen Untersuchungen werden problemlos durchgeführt werden. Keine Diskussionen mehr. Kein Herauskramen alter Befunde mehr, die meine Situation zwar beschreiben, die jedoch keiner sehen möchte.   Kein zähes und kräftezehrendes Verhandeln mehr darüber, dass ich dringend Hilfe benötige. Nein, alles wird ganz easy laufen. Der Pneumologe hat sogar eigenständig und ohne, dass ich ihn darauf aufmerksam machen musste  veranlasst, dass die restlichen Termine bei der Kardiologin und  der Nephrologin (die in der selben Praxis durchgeführt werden) am selben Tag erfolgen. Ein „Service“ den ich nicht gewohnt bin!!!

Unglaublich!!!! Werde ich jemals begreifen, dass mein Dasein als „Simulantin“, dass der Kampf um die richtige Diagnose und um entsprechende Hilfe, dass die Angst und der Schrecken( hervorgerufen dadurch mit einer schweren und bedrohlichen Erkrankung alleine gelassen worden zu sein) nun endlich ein Ende hat? Vermutlich nicht ganz!!!

Ich hoffe darauf, dass es besser wird. Dass Arzt-Termine irgendwann für mich zur Routine werden, dass Vertrauen wieder hergestellt werden kann. Aber Spuren der Verwüstung werden bleiben. Niemals werde ich gänzlich vergessen können, was es bedeutet 18 Jahre lang mit schwerer Erkrankung leben zu müssen und von Seiten der Medizin in vielerlei Hinsicht gänzlich im Stich gelassen worden zu sein.

 

 

 

 

 

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