Angst vermeiden…

kann manchmal hilfreich sein, manchmal aber eben auch nicht.

Vor ein paar Tagen hat mich der Anruf einer lieben Bekannten erreicht. Sie ist schwer an einem Lupus  erkrankt und hat derzeit auch schon ohne COVID-19 erheblich mit ihrer gesundheitlichen Situation zu kämpfen.

Sie war sehr verunsichert, da sie in der letzen Zeit via Facebook und dergleichen immer wieder Nachrichten und Hinweise erhält, die da behaupten der Virus mit, all seinen Folgen, sei lediglich ein Fake, diene der Panikmache u.s.w…

Nehme sie die ganze Angelegenheit zu ernst, so ihre bange Frage?  …Mich hat dieser Anruf sehr betroffen gemacht, denn Nein…aus meiner Sicht hat sie allen Grund die durch eine Infektion drohende Gefahr ernst zu nehmen, ein gewisses Maß an Angst zu haben. Denn mit einer aktiven entzündlichen Erkrankung zählt sie, ebenso wie ich, zu den Risikopatienten. Eine Nachlässigkeit im Umgang mit der Ansteckungsgefahr kann sie schlicht und ergreifend das Leben kosten.

Nein, ich möchte der Angst sicherlich nicht zuviel Raum geben, sie gewiss nicht schüren, denn wenn wir bereit sind ehrlich in den Spiegel zu schauen, dann haben wir alle schon sicherlich mehr als genug davon.

Genau genommen muss eine solche Situation, wie die Welt sie derzeit erlebt,  auch Angst auslösen. Ja, sie MUSS Angst machen, weil sie uns täglich mit unserer Verwundbarkeit, der Brüchigkeit des Lebens und  der Tatsache, dass Sicherheit letztendlich eine Illusion darstellt, in Kontakt bringt.

Und ja!!!! Ich verstehe, dass wir alle nach Erklärungen für diese Katastrophe suchen. Dass wir uns fragen wieso, weshalb, warum?  Dass wir als diejenigen, die doch so sehr an Sicherheit gewöhnt sind , uns immer wieder fragen, ob dies denn alles nun tatsächlich Realität sein könne, oder ob wir uns  nicht  vielleicht doch irgendwie im falschen Film befinden. Und ich verstehe zutiefst wie sehr die Isolation, die Einschränkungen, die verlorene Freiheit, die finanziellen Einbußen  u.s.w. jedem Einzelnen von uns schwer zu schaffen machen…

Weiß Gott, gerade in Sachen Isolation bin ich ja nun wirklich Expertin, habe ich sie doch so viele Jahre, bedingt durch die Erkrankung, in Extremform erlebt. Ich weiß wie quälend sie ist, wie sehr sie auf Dauer die Seele eines Menschen zermürbt und im schlimmsten Fall sogar zerstört…

Und ja, auch ich leide unter der Situation. Leide darunter nun wiederum vollkommen abgeschnitten von der Außenwelt zu sein, leide unter der Isolation, leide darunter dass meine Familie mitleidet…

Und trotzdem , oder gerade deshalb, wünsche ich mir Solidarität. Wünsche mir, dass der Gefahr Rechnung getragen wird, dass man ihr ins Auge schaut, sie nicht abtut als Fake oder Panikmache…

Ja , Ich wünsche mir, dass Lockerungen im Umgang mit der Pandemie verantwortungsbewusst angegangen werden, auch wenn uns das allen sehr viel abverlangt.

Und ja, ich wünsche mir,  dass Risikopatienten  hinsichtlich ihrer Vorsichtsmaßnahmen  nicht verunsichert werden. Dass sie nicht in Gefahr gebracht werden, indem  die Bedrohung durch den Virus  negiert wird.  Als „nicht vorhanden“ abgetan und auf diejenigen verschoben wird, die nun gezwungen sind vertretbare Lösungen für alle Beteiligten zu finden.

Ich wünsche mir, dass wir genau so viel Angst verspüren, dass anstelle von gesetzlichen Regelungen irgendwann das eigenverantwortliche Handeln jedes Einzelnen tritt. Ein Handeln basierend auf der  Akzeptanz dafür, dass Krankheit unser aller Thema ist. Ein Thema das jeden von uns, zu jeder Zeit treffen kann.

Und ich wünsche mir genau so viel Angst, dass Einsicht entstehen kann.  Ein tiefes Verstehen dafür, dass Leben auf diesem Planeten für uns alle nur dann möglich sein wird , wenn wir bereit sind dieses Leben auch zu schätzen und  zu schützen. Immer und zu jeder Zeit, so gut wie möglich, so gut wir eben können.  Auch um den Preis eigener Einbußen…auch dann noch, wenn es schwer fällt und mit Verzicht verbunden ist.

Denn alles andere wird nicht nur unser aller Leiden verlängern und verschärfen, es kann Leben kosten. Mein Leben und das vieler anderer!!!!

 

 

10 Comments on “Angst vermeiden…

  1. Liebe Daniela,

    du hast es m.M. nach genau auf den Punkt gebracht!
    Natürlich ist diese Pandemie für uns alle eine Herausforderung, für alle Bevölkerungsgruppen, nicht nur für die sog. Risikogruppe. Und es erfordert wirklich Solidarität allen Menschen gegenüber!

    Diese Nachrichten, die immer wieder auftreten, und uns einreden wollen, alles sei nur ein Fake, machen mich inzwischen richtig wütend! Wann verstummen diese Meldungen endlich???
    Warum ist es jetzt nach Wochen immer noch nicht verstanden, in was für einer ernsten Situation wir uns befinden? Ich verstehe es langsam nicht mehr…..Niemand muss Panik bekommen, aber ein gesundes Maß an Vorsicht und Umsicht ist einfach angebracht!

    Dass all die Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen für viele Menschen schwer zu ertragen sind und vielleicht teilweise auch übervorsichtig erscheinen mögen, ist eine Sache, aber die ganze Situation als Fake darzustellen, ist in meinen Augen unverantwortlich. Und wenn es dann dazu führt, dass deine Anruferin, die aufgrund ihres Lupus eindeutig zur Risikogruppe gehört, derart verunsichert wird, dann ist das mehr als bedauerlich – um nicht zu sagen gefährlich.

    Ich wünschte mir, die Menschen würden diese Pandemie als das sehen, was sie ist und verantwortungsvoll gegenüber allen Menschen damit umgehen.
    Ein erster Schritt, Verantwortung für meine Mitmenschen zu übernehmen, ist sicherlich die Einhaltung der Maskenpflicht, nicht nur in Teilen des öffentlichen Lebens.

    Liebe Grüße und Dank an dich für diesen Beitrag, liebe Daniela!
    Und alle Leser hier – bitte seid achtsam und bleibt „gesund“

    Milka

    Gefällt 3 Personen

    • Guten Morgen liebe Milka,
      ja, das Verhalten einiger Mitmenschen ist manchmal wirklich nur sehr schwer zu verstehen, aber heute früh kam mir so der Gedanke, dass wir uns wohl allesamt in einer Art des kollektiven Trauerprozesses befinden. Was es zu betrauern gilt ist das Gefühl der Sicherheit und des Wohlstandes und wie bei jedem Verlust durchlaufen wir wohl alle gemeinsam die unterschiedlichen Phasen, welcher ein solcher Prozess beinhaltet. Nur vielleicht zu unterschiedlichen Zeitpunkten, je nachdem wann und in welcher Härte uns der Verlust erreicht. Ein Teil der unweigerlich zur Verarbeitung eines Verlustes gehört ist die Verleugnung, die sich wohl darin spiegelt, dass das was in der Zwischenzeit rational absolut sichtbar ist, psychisch für den Moment nur dann ertragen werden kann, wenn es als Fake abgetan wird … eben verleugnet wird. Wir können nur hoffen (und vielleicht mit einer öffentlichen Diskussion dazu beitragen) dass die Verarbeitung rechtzeitig möglich wird, so dass auch entsprechend und im Sinne aller reagiert werden kann. Denn betrachten wir es mal realistisch, dann müssen wir uns ja die Frage stellen wer von uns nicht einen Menschen den er liebt in der Familie oder im näheren Umfeld hat, der zur Risikogruppe gehört?!
      Wir können nur hoffen, dass die Vernunft rechtzeitig einsetzt und die Menschen sich entsprechend verhalten. In diesem Sinne schicke ich Dir eine ganz herzliche Umarmung.
      Pass gut auf Dich auf und alles Liebe
      Daniela

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  2. Liebe Daniela, natürlich ist diese Pabdemie kein Fake. Natürlich braucht der Umgang mit diesem tückischen Virus die Solidarität aller Mitmenschen. Leider gibt es eben immer noch solche Idioten, die trotz Testung mal eben verreisen und so das Virus so nett auf unsere schöne Insel einschleppen, oder trotz Diagnose lustig in ihren Hochhäusern herumlaufen. Für manche Maßnahmen habe ich allerdings auch nicht unbedingt Verständnis, so wie uns unsere Ministerpräsidentin zu Ostern verbieten wollte, an den Strand zu fahren. Obwohl dieses Verbot vom Oberverwaltungsgericht in letzter Instanz gekippt wurde, standen an unserer Brücke über die gesamten Osterfeiertage und noch einige Tage danach bis zu 10 Polizisten und hielten Ausschau nach Autos mit ortsfremden Kennzeichen. Alle der Herausgewunkenen durften passieren. Solche idiotischen Maßnahmen tragen sicherlich dazu bei, dass im Netz dann von Panikmache und Fake die Rede ist. Leider. Ich hoffe sehr, dass die ergriffenen Maßnahmen Erfolg bringen und ganz sachte wieder Normalität einzieht. Ich drücke Dir weiterhin fest die Daumen! Sei vorsichtig, aber nicht überängstlich. Liebe Grüße Hedwig

    Gefällt 1 Person

    • Guten Morgen liebe Hedwig,
      sicherlich hast Du Recht und Verbote und Regelungen die nicht sinnvoll sind tragen dazu bei, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung eher zurück geht anstatt , dass sie gefördert wird. Allerdings dürfen wir auch nicht vergessen, dass diese ganze Geschichte auch für die Entscheidungsträger eine Ausnahmesituation darstellt, welche so noch nicht dagewesen ist. Dass da Fehler gemacht werden ist für mich nachvollziehbar, wenngleich natürlich unschön und ärgerlich. Aber genau deshalb mein Appell an alle, es ist nicht ausreichend die Verantwortung dafür, wie es weiter geht an den Gesetzgeber abzugeben. Wir sind alle gefordert, nur wenn jeder einzelne verantwortlich handelt wird sich die Katastrophe langfristig aufhalten lassen…
      In diesem Sinne , pass auch Du gut auf Dich auf und alles Liebe
      Daniela

      Gefällt 1 Person

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