Freud und Leid….

wie dicht beides oftmals doch beisamen liegt, einfach unfassbar!!! Gestern war wirklich ein unglaublicher Tag. Emotionale Achterbahn pur, wie man so schön sagt.

Begonnen hat alles damit, dass ich am Vortag über das Sekretariat des Krankenhauses, in dem ich eine Bronchial- Lavage  habe durchführen lassen, erfahren habe, dass der Befund in der Zwischenzeit vorliegt und auch versandt wurde. Meiner Bitte, mir denselben  aufgrund des bevorstehenden Termins beim Onkologen,  per Fax zukommen zu lassen,  wurde  leider nicht entsprochen.

Mehr als ärgerlich!!!! Denn für mich heißt so etwas wieder einmal im „luftleeren Raum“ zu hängen, mich nicht entsprechend auf das Gespräch mit dem Onkologen vorbereiten zu können. Unsicherheit!!!

Demnach hat der gestrige Tag für mich also nicht sonderlich gut begonnen.  Wie nur soll das anstehende Gespräch gelingen, wenn die hierfür notwendigen Informationen fehlen?! Wird der Befund wenigstens bei meinem Onkologen angekommen sein?? Wie können wir es in der Kürze der Zeit schaffen die Unterlagen (wenn denn überhaupt vorhanden) zu sichten und entsprechende Lösung für das ohnehin komplizierte Problem zu finden? Nein, das kann nicht gut gehen!!! Die Erfahrung hat gezeigt, dass Arzt-Patienten- Gespräche, ohne entsprechende Vorbereitung, gerade bei seltenen und komplizierten Erkrankungen in aller Regel im Desaster enden.

Okay, irgendwie galt es nun die Situation hinzunehmen, was auch anderes hätte ich tun können. Wird schon irgendwie werden, so der gedankliche Versuch den gegebenen Bedingungen innerlich  Herr zu werden. Die Umsetzung des „Loslassens“ allerdings, gelang eher mäßig, so dass der Vormittag  in weiten Teilen davon geprägt war, die Zeit bis zum besagten Termin  beim Onkologen, mehr oder weniger erfolgreich tot zu schlagen.

Nein, angenehm geht anders,  zumal der „Wolf“  die wunderbare Begabung  hat, sinnvolle Beschäftigungen zu vereiteln, indem er zusätzlich (zu allem äußerlichen Unrat) auch noch für schlechte Konzentration und eine mangelnde Fähigkeit, mich und mein Leben angemessen  zu strukturieren, sorgt. Na, Bravo!!!

Doch dann die Wende, eine halbe Stunde bevor ich los muss, um rechtzeitig bei meinem Onkologen aufzuschlagen, halte ich den Brief nun doch noch in der Hand. „Oh nein, bitte nicht!!!!“ Oder vielleicht doch eher „Gott sei Dank?!“ Ich weiß nicht was ich denken soll. ….Unterm Strich: „Augen zu und durch“…und schauen was die Spiegelung ergeben hat.

So, und nun habe ich es also schwarz auf weiß, meine Befürchtungen sind bestätigt. Befund: Alveolitis „mittelgradig“ zurück, eine Zuordnung ob diese nun dem Lymphom oder der Kollagenose zu verdanken ist,  kann nicht mit Sicherheit erfolgen.

Oh mein Gott, was ist das denn nun wieder!!! Für Emotionen keine Zeit, völlig mechanisch packe ich mein Zeug zusammen, steige in`s Auto  und fahre los. Irgendwie seltsam. Soeben  habe ich gelesen, dass die Lungenbeteiligung zurück ist und dass nicht klar gesagt werden kann ob ich Krebs habe oder nicht?! Und ich fühle rein gar nichts???? Wow, das ist schon beachtlich, für den Moment nehme ich das einfach hin…ich MUSS funktionieren, das Gespräch MUSS gelingen.

Beim Onko-Doc angekommen erwarten mich wie immer lange Wartezeiten. Das ist okay, denn ich weiß, dass er sich immer Zeit nimmt, so viel möglich. Das ist lobenswert, weshalb ich lange Wartezeiten auch gerne in Kauf nehme. Und was soll ich sagen, ich schlafe einfach ein….manchmal kann Sauerstoffmangel doch auch ziemlich praktisch sein. Ja, die Prise Zynismus, mit der ich das hinnehme, scheint mich zu schützen, zumindest für diesen, einen Moment….

Dann ist es endlich so weit, das Gespräch beginnt und ich lege dem Professor den Befund vor, den er selbst- wie erwartet!!! –  natürlich noch nicht erhalten hat. Jetzt heißt es Zeit geben und lesen lassen. Und dabei zuschauen, wie sich das zunächst freundlich zugewandte Gesicht meines Gegenübers mehr und mehr in Sorgenfalten legt. Wieder einmal schaue ich in ein ratloses und ein wenig entsetztes Gesicht. Ein  Gesicht das ausdrückt, dass er wohl dasselbe denkt wie ich, als ich den Befund erhalten habe: „Was zum Teufel ist das nun wieder!!!!“

Also gut ,  nach der ersten „Schockstarre“ einmal gemeinsam alle medizinischen Daten und Fakten „durchgehechelt“ und zu dem Ergebnis gekommen, dass der Befund wohl eher der Autoimmunität als dem Lymphom zuzuordnen ist. Dem Himmel sein Dank, ich werde regelrecht euphorisch, KEIN Krebs!!!!! Und gleichzeitig meldet sich irgendwo, ganz weit entfernt in meinem Hinterkopf mein Verstand , der mir leise aber noch nicht wirklich spürbar sagt, dass diese Euphorie nicht wirklich angemessen, ja eher trügerisch ist. Denn wo, um alles in der Welt, liegt denn nun der Unterschied?! Genau genommen ist es doch völlig „Schnuppe“ ob es nun der „Wolf“  oder der „Krebs“ ist, der hier nach meinem Leben trachtet…. Chemo um den „Wolf“ oder den „Krebs“ zu beruhigen, das spielt unterm Strich nun wirklich keine große Rolle.

Soweit sind wir aber noch nicht, denn die Behandlung bleibt zunächst unklar. Mein Onko-Doc und ich sind uns einig, dass hier der Rheuma-Doc mit ins Boot muss. Also heißt es zunächst wieder warten, es ist Ferienzeit und damit fraglich, ob es zeitnah gelingen wird den entsprechenden Kontakt herzustellen.

Also fahre ich nach Hause, immer noch ziemlich Adrenalin-geschwängert und irgendwie unnatürlich euphorisch. Die Anspannung will und will nicht weichen, was sich auch sofort und unausweichlich auf meine Familie überträgt und dort für ungute Stimmung sorgt. Ich kann es kommen sehen, jedoch fehlt mir jegliche Möglichkeit es aufzuhalten,  Wird es mir jemals gelingen andere aus dieser Geschichte ganz raus zu halten?! …..Ich weiß es nicht, Mühe geb ich mir jedenfalls. Es quält mich zu wissen, dass andere durch diese Geschichte mitzuleiden haben…..ich wünschte ich könnte es verhindern.

Ja, und dann kommt sie doch , die so lang ersehnte Auflösung dieser verfluchten Anspannung, die mir (und anderen) das Leben so schwer machen kann. Abends, als ich ein bisschen zur Ruhe gekommen bin, mich gemeinsam mit meinen Freunden, mit denjenigen die ebenfalls wissen was es bedeutet mit Krankheit leben zu müssen, im Chat treffe, da löst sich plötzlich alles auf.  Aus der Ferne werde ich in den Arm genommen, ich spüre die Nähe der Menschen um mich herum, meiner Familie, meiner Freunde. Ich fühle mich getragen und angenommen und endlich können sie fließen , die Tränen.  Die tiefen Gefühle der Trauer um den Verlustes meiner  körperlichen Gesundheit, meiner körperlichen Unversehrtheit.

Heute geht es mir wieder gut. Mit der Trauer ist auch die Weite in meine Seele zurück gekommen. Meinem morgendlichen Spaziergang mit den Hunden, den ich mir aufgrund des wunderbaren Wetters (und der Atemnot zum Trotz) nicht habe nehmen lassen, habe ich zutiefst genossen.

Ja, das Leben ist schön!!!! Und auch wenn der „Wolf“ alles andere als ein Streicheltier  ist so hat er mir doch eines zum „Geschenk“ gemacht…es ist die Tiefe, die er in mein Leben und in die Beziehungen zu den Menschen, die mich umgeben, gebracht hat. Und es ist die Fähigkeit das Glück zu erkennen , da wo es sich mir gerade anbietet. Ja, den „Wolf“ hätte ich gerne wieder los, aber auf die Art zu leben, die er mir „geschenkt“  hat , auf die möchte ich auf keinen Fall mehr verzichten…..In diesem Sinne, habt einen wunderbaren Tag Ihr Lieben,

 

bis bald und lasst es Euch gut gehen,  Daniela

 

 

 

 

2 Comments on “Freud und Leid….

  1. Liebe Daniela,
    von ganzem Herzen wünsche ich dir zeitnah eine Entscheidung über die weitere Therapie.
    Dieses in der „Schwebe hängen“ ist oft nur schwer auszuhalten……
    Die Befunde sind ja wohl eindeutig und du hast recht, ob Krebs oder Wolf, die Behandlung ist ja gleich, warum sich weiter darüber den Kopf zerbrechen.
    Ich wünsche dir eine gute Zeit und umarme dich ganz herzlich,
    Milka

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    • Liebe Milka, gerade eben habe ich einen Eintrag in meinem Tagebuch auf Instagram fertig gestellt…Nein, es wird keine zeitnahe Behandlung geben, da wieder einmal der Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen wird….Traurige Grüße und eine liebe Umarmung, Daniela 😘😊

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