ein wunderbares Gefühl

sich selbst die Erlaubnis zu geben, seinen Bedürfnissen zu folgen. Mit diesem Gedanken bin ich heute in die Woche gestartet!!!. Ja, es hat sich absolut richtig angefühlt, gut, seelisch lebendig, so leicht ….aber so richtig angehalten, das hat es nicht.

Morgens, nach den üblichen Anlaufschwierigkeiten, da geht das alles immer noch ganz gut. Das Cortison tut da noch seine Wirkung und ich bin „fit“ genug, um im Schneckentempo das eine oder andere zu erledigen….

Aber ab Mittags, da sieht es dann schon anders aus . Es wird schwieriger, das seelische Gleichgewicht zu halten. Die Leistungsfähigkeit bricht ein und geradezu gleichzeitig taucht aus dem Hinterhalt mein alter Bekannter, der Leistungsgedanke auf: „Aber Du musst doch noch was sinnvolles tun, irgendwas Produktives, etwas was man hinterher sieht, musst irgendwas brauchbares zustande bringen“

Und zack!!!!!…..schon schnappt die Falle zu!!! Ich bin wieder Lichtjahre von mir selbst entfernt. Dann fällt es mir schwer zu spüren was ich gerade brauche . Ich werde rastlos und unruhig, unzufrieden mit mir selbst. Ja, ich habe es echt verlernt zur Ruhe zu kommen. Bin permanent im Kampfmodus. Der ewige Kampf um die Behandlung, der Kampf gegen die Erkrankung ,der Kampf mich im Alltag über Wasser zu halten….all das hat sich wohl irgendwann verselbständigt, wurde zum Kampf gegen mich selbst.

Abends war ich dann noch bei der professionellen Zahnreinigung. Eigentlich sind das ja wichtige Termine, denn mein Zahnhalteapparat ist durch den „Wolf“ schon ganz schön „angefressen“ und es ist wichtig an dieser Stelle Ordnung zu halten. Aber neben den ganzen Uni-Terminen kommt das leider oftmals zu kurz, das was das Leben nicht akut bedroht , das wird vernachlässigt. Die Fürsorge, das Sorge tragen dafür, dass gesund bleibt was noch gesund ist…das bleibt auf der Strecke.

Aber die Prophylaxe-Helferin ist so was von nett. Bespricht alles ganz ausführlich und ruhig mit mir , lässt mich spüren wie wichtig die Fürsorge meinem Körper gegenüber ist. Ohne Vorhaltungen, ohne mir Schuldgefühle zu machen, einfach nur positive Zuwendung. Ich habe tatsächlich das Gefühl gar nichts tun, nichts bewirken zu müssen und tatsächlich….es gelingt mir mehr und mehr loszulassen….

„Wie verdreht das doch alles ist und wie lieblos mir selbst gegenüber!!!!!“ denke ich so bei mir, als ich da auf dem Zahnarzt- Stuhl liege. Und dann tauchen da Bilder aus Zeiten auf, in denen der „Wolf“ Vollgas gegeben hat, mit aller Macht „zugebissen“ hat und keinerlei Hilfe in Sicht war . Meine Güte, noch immer kann ich kaum die richtigen Worte dafür finden wie sehr er mich malträtiert hat. Und keiner hat etwas gemerkt, man hat mir auch noch die Schuld dafür gegeben, dass mein Körper vollkommen durchgedreht hat. Aber keiner hat Hilfe angeboten, die Hilfe die ich tatsächlich gebraucht hätte..ein Trauma, wie meine Psycho-Onkologin es nennt, ja das war es !!!!

Jetzt spüre ich meinen Körper, ich merke wie angeschlagen ich auf allen Ebenen bin. Ja, ich fühle mich tattrig, krank, zerbrechlich, alles andere als vital…aber ich spüre auch, dass das vollkommen okay ist….ich muss niemandem vormachen , dass ich fit bin und alles im Griff hab. Das bin ich ich nämlich nicht und im Griff habe ich schon lange nichts mehr. Aber dafür ist da ist plötzlich ein ganz anderes Gefühl, ein Gefühl das ich wohl schon ganz lange Zeit nicht mehr hatte, gar nicht mehr gespürt habe vor lauter Anstrengung, vor lauter Überlebenskampf:

„Mitgefühl mit mir selbst!!!!!!!“

Ja, es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis ich mich davon erholt habe, was ich in den vergangenen Jahren erlebt habe. Aber auch das ist okay, ich habe es verdient geduldig mit mir zu sein……ich habe es verdient gut zu mir zu sein!!!!

4 Comments on “ein wunderbares Gefühl

  1. Ach, meine Liebe, nicht hadern….wenn dein neuer „Weg“ noch nicht immer so ganz funktioniert.
    Dieses “ immer stark sein müssen“ , v.a. nach außen, vor den anderen Menschen, darfst du doch endlich loslassen. Du darfst dich und deinen Körper endlich so sehen wie er ist! Du darfst schwach sein, verletzlich, traurig, müde ……all das gehört zu dir. Lass es zu, denn dann kann es irgendwann auch heilen.

    Zitat:
    Dann fällt es mir schwer zu spüren was ich gerade brauche . Ich werde rastlos und unruhig, unzufrieden mit mir selbst. Ja, ich habe es echt verlernt zur Ruhe zu kommen. Bin permanent im Kampfmodus. Der ewige Kampf um die Behandlung, der Kampf gegen die Erkrankung ,der Kampf mich im Alltag über Wasser zu halten….all das hat sich wohl irgendwann verselbständigt, wurde zum Kampf gegen mich selbst.

    … genau meine Gedanken:-) Ich habe auch das Gefühl, dass dieser Kampfmodus sich tief in meinen Körper eingegraben hat (wir sprachen ja auch darüber) Es fällt mir auch schwer, zu mir und meinen ganzen Einschränkungen und „Sonderbarkeiten“ 😉 zu stehen und sie einfach da sein zu lassen. Sie sind ein Teil von uns, die Erfahrungen der letzten Jahre mit dieser Krankheit haben natürlich ihre Spuren hinterlassen und werden es auch weiterhin tun.
    Darum bin ich bemüht, mit allem endlich Frieden zu schließen! Und das wird kein leichter Weg, aber ich bin auf dem Weg…. und vielleicht gehst du diesen Weg auch mit?
    Es darf Stolpersteine geben, kleine und auch größere, solange wir uns auf das Ziel fokussieren, sind wir richtig!!!

    Ich schicke dir eine ganz liebe Umarmung aus dem sonnigen Norden und denke an dich,
    Milka

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    • Liebe Milka, ja…natürlich hat dies alles Spuren hinterlassen und der „ Kampfmodus“ hatte ja auch seine Berechtigung. Wäre ich nicht in der Lage gewesen ihn zu aktivieren, dann wäre ich heute ( um es auf den Punkt zu bringen) wohl tot…ich weiß, dass sich hinter der Anspannung noch viel Schmerz verbirgt und irgendwann, dann wenn es an der Zeit ist, wird er zutage treten und das ist auch gut so, denn nur was an Verlusten angeschaut und ausreichend betrauert wird, kann heilen…Aber: „ don‘t push the River, ist Flow by itself“….ich hadere eigentlich nicht, ich versuche nur mich wieder besser wahrzunehmen….und ja, natürlich gehen wir unseren Weg gemeinsam, das tun wir doch schon ganz lange😊…und so soll es auch bleiben 😘😊…in diesem Sinne fühl Dich ganz herzlich umarmt, ich freu mich bald wieder von Dir zu hören 💕bis bald, Daniela

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