Wenn Reiher unter Wasser fliegen…….

Wenn Reiher unter Wasser fliegen

und Schmetterlinge tauchen gehen

da wird die Gesundheit siegen

und alle Krankheit untergehen“

-Ingrid Hauff-

So, nun ist es also so weit. Es geht in die nächste Runde. 3 Monate sind vorbei und ich kann dabei zuschauen, wie sich das bisschen Lebensqualität wieder einmal zusehend in Luft auflöst. Der Nachtschweiß nimmt wieder zu, die altbekannten Beschwerden kommen zurück. Hinzu kommt, dass ich nun tatsächlich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen unter Nasenbluten leide und an manchen Tagen meine Schläfenarterien sichtbar hervortreten.

Nicht gut, meint mein Pneumologe. Die Lunge ist gut, nur ein paar kleinere Vernarbungen die auf die Erkrankung hinweisen, in Summe nix Schlimmes. Nun aber eben diese blöde Arterie, die ihn im Zusammenhang mit dem Nasenbluten und den Sehstörungen sofort an eine Vaskulitis denken lassen. In Gedanken füge ich noch die Hörstürze und die Verdachtsdiagnose einer retinalen Vaskulitis hinzu und schon wird ein Bild daraus, das sich passgenau dem in der Zwischenzeit bekannten Immundefekt zuordnen lässt…

Nicht schön, nein wirklich nicht!!!! Und bedenke ich dann noch die Situation, in der wir uns alle gerade befinden und denke ich weiterhin darüber nach, dass es für mich in Sachen Impfung keinerlei Perspektive gibt, dann wird es zwischendurch schon auch mal seelisch eng. Dann bekomme ich Angst. Angst vor der Zukunft, vor dem Leben, davor den Rest meines Lebens dazu verdonnert zu sein am Rande stehen zu müssen. Es ertragen zu müssen, dass mich in diesem Zustand da draußen in der Welt niemand mehr haben möchte.

Ja, es ist leider so, dass bei vielen Menschen nur meine gesunden Anteile erwünscht sind. Die kräftigen, die humorvollen Anteile meiner Seele, die ein Leben mit solchen Defiziten gut meistern können, denen es gelingt auch noch anderen Mut zu machen, sich für Veränderungen einzusetzen. Was aber geschieht, wenn diese Anteile mal nicht im Vordergrund stehen, wenn ich verzagt , mutlos, traurig bin. Wenn ich offen darüber spreche wie sich meine Lebenssituation gestaltet, wie sehr ich auf den Schutz der Allgemeinheit angewiesen bin?! Dann, ja dann…..

…….dann wird es plötzlich still. Plötzlich höre ich nichts mehr von den Menschen um mich herum. Rückzug, Schweigen, Totenstille…….und das tut weh!!!!

In solchen Momenten fühle ich mich einsam, isoliert, ausgestoßen…..auch wenn ich im Grunde meines Herzens ganz genau weiß, dass dem nicht so ist. Schweigen schafft Distanz, eiskalte Distanz. Stummer Rückzug ist grausam, weil er nicht nur meine Erkrankung betrifft, sondern mich als ganze Person, es ist diskriminierend drängt mich als Menschen an den Rand.

Und was ist mit dem Wunsch der Anderen, nach Freiheit, nach Leichtigkeit, nach einem Raum ohne Krankheit? Diesen Wunsch kann ich durchaus verstehen, denn diesen gibt es auch in mir. Auch ich brauche Zeiten, in denen die Erkrankung außen vor bleibt, in denen ich es nicht zulasse, dass noch mehr zusätzliches Leid an mich heran getragen wird, in denen ich mir auch mein eigenes Leid auf Distanz halte, indem ich einfach die Augen davor verschließe. Zeiten sind das, die es mir ermöglichen, dass ich mich auf mich selbst besinne. Auszeiten für die Seele, in denen ich den Blick danach ausrichten kann was noch gut, was noch heil ist in meinem Leben.

Und ebenso wie ich mir selbst diese Auszeiten gönne, so gönne ich sie auch anderen. Und zwar ehrlich und von ganzem Herzen.

Und trotzdem, manchmal wünsche ich mir einfach eine haltende und vor allen Dingen verstehende Hand. Eine Hand die bereit ist Kummer und Schmerz aufzunehmen. Einen Menschen der den vollständigen Rückzug nicht nötig hat, weil er seine eigene Angst zum Ausdruck bringen kann, weil er sich sicher ist ausreichend für sich selbst sorgen können, weil er weiß dass er formulieren kann wenn Angst und Schmerz ihm zu viel werden und er eine Auszeit braucht.

Wünsche mir Jemanden der sich seiner Selbst sicher genug ist, der groß genug ist, um über den eigenen Tellerrand hinaus schauen zu können. Der weiß, dass sein eigenes Wohl vom Wohle aller abhängig ist, der auch mal kräftig mit der Faust auf den Tisch hauen und vorhandenem Unrecht Grenzen setzen kann, auch dann noch, wenn ich selbst gerade nicht mehr in der Lage dazu bin.

Ja, in Zeiten in denen ich die Realität mit voller Wucht spüre, wünsche ich mir Menschen um mich herum, die verstehen, dass ich weder ausschließlich meine Erkrankung, noch ausschließlich „Power-Frau“ bin. Menschen die mich als ganzen Menschen sehen und begreifen. Als einen Menschen , der lacht , der weint, der liebt, und am Leben bleiben möchte…..ebenso wie er selbst, ebenso wie jeder andere Mensch eben auch….

Ja…… Wenn Reiher unter Wasser fliegen und Schmetterlinge tauchen gehen.„.… Dann werden wir über uns selbst hinaus wachsen, werden wir uns alle gegenseitig die Hände reichen, dann wird das was momentan unmöglich erscheint, zur Möglichkeit werden. Dann, ja dann wird die Gesundheit siegen…..nicht nur für mich, sondern für Alle……

Ich danke Dir, liebe Ingrid, für dieses wunderbare Bild, für diese Mut machenden Zeilen und für die richtigen Worte zur richtigen Zeit…….

…….genau dann als ich sie am Nötigsten gebraucht habe……

Wer mehr zu Ingrid Hauff und ihrer Kunst wissen möchte, der findet sie unter :

http://www.ingrid-hauff.de

13 Comments on “Wenn Reiher unter Wasser fliegen…….

  1. Liebe Daniela, dein heutiger Beitrag hat mich tief im Herzen berührt.
    Genau diese Menschen, die du dir in deiner Nähe wünscht, soll es für dich geben…..
    Denn sie können die Situation zwar nicht ändern, aber sie helfen sehr, sie zu ertragen und mit all dem besser umgehen zu können.
    Es braucht gerade in dieser Zeit, dieses Verständnis, dieses Herz – Öffnen für die Menschen, die besonders unter den jetzigen Umständen leiden, sich zurück gesetzt, allen gelassen, vielleicht sogar verloren, fühlen.
    Ich schicke eine ganz herzliche Umarmung aus dem Norden und bin in Gedanken bei dir,
    Milka

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    • Liebe Milka, dem Himmel sei Dank dass es Menschen mit einem weiten , offenen Herzen für mich gibt. Menschen die sehen können was da auch gesellschaftlich gerade passiert. Du bist einer davon 😘😊Eine feste Umarmung schick ich Dir zurück in den hohen Norden, liebe Grüße Daniela 💕

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  2. Liebe Daniela,
    jeder von uns braucht diesen einen, der an unserer Seite ist und uns versteht! Ich wünsche dir immer einen, der dich auffangen kann, einen, den man nicht erst bitten muss, einen, der versteht!
    Ich wünsche dir viel Kraft und sende dir herzliche Grüße
    Regina

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  3. Liebe Daniela,
    wie sehr ich Deine Gefühle verstehe und selber kenne. Momentan kann ich Dir nur in Gedanken eine Hand reichen.
    Gehen kann man seinen Weg nur allein, aber es ist schön, wenn man Wegbegleiter hat und man sich unterwegs mal gegenseitig eine helfende Hand über Stolpersteine und Abgründe reichen kann.
    Mein Herz ist offen für Dich.
    Marie

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    • Liebe Marie,
      Ja, genau so sehe ich das auch. Wir alle müssen unser Boot alleine durchs Meer des Lebens steuern. Aber es tut gut die Lichter der anderen am Horizont auch im Sturm noch erkennen zu können. Mein Herz ist ebenfalls offen für Dich, auch wenn auch ich nur in Gedanken bei Dir sein kann. Ich schicke Dir ganz viel Kraft , Energie und ganz liebe Grüße 💕😘😊

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  4. Hallo Daniela.
    Ich denke diese Menschen sind da.
    Gerade dann wenn man schon gar nicht mehr daran glaubt, sich völlig allein fühlt, reichen sie einem die Hand. Sind einfach da und begleiten einen für eine gewisse Zeit. Auch du wirst sie haben, diese Menschen. Auch deine Familie steht hinter dir. War da nicht auch ein Hund?
    Und dann darf man einfach nur Dankbar sein und diese Hilfe annehmen und zulassen.
    So auch Ingrid mit ihren Zeilen.
    Du bist nicht allein, daran darfst du niemals zweifeln.
    Ganz liebe Grüße zu dir,
    Nati 💕🍀

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    • Liebe Nati,
      Ich Danke Dir von Herzen für Deine lieben Worte und Du hast natürlich Recht. Ich bin nicht alleine, ich hab Familie, Freunde und tatsächlich sogar zwei Hunde 😊😉Trotzdem gibt’s immer wieder Menschen die sich abwenden, weil meine Lebenssituation sie überfordert. Ich kann das verstehen und wie gesagt, wenn diese Überforderung zum Ausdruck gebracht wird dann ist das auch in Ordnung, dann weiß ich dass es nichts mit mir als Mensch zutun hat, sondern mit meiner Erkrankung, mit der eben der eine oder andere nicht zurecht kommt. In einem solchen Fall kann man sich auf anderer Ebene verständigen. Aber wenn jemand nur schweigt, oder mir gar ganz offen ins Gesicht sagt, dass er in der jetzigen Situation nicht die Notwendigkeit sieht sich impfen zu lassen, … dann tut das einfach weh…ein Schmerz den ( leider!!!) sehr viele chronisch kranke Menschen kennen. Allein deshalb schon bin ich nicht alleine. Dem Himmel sei Dank 😊Ich schicke Dir ganz liebe Grüße zurück, Daniela 😘😊

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      • Dieses Schweigen und davon schleichen kennt und erlebt bestimmt jeder. Da steht man dann da und weiß nicht warum. Man bekommt auch keine Chance auf ein klärendes Gespräch. Ich bin da eher für offene Worte, so weiß man woran man ist. Auch wenn es schmerzt, hat man doch Gewissheit und kann damit irgendwann abschließen. Ich denke man verliert nicht sein Gesicht wenn man den Gegenüber die Gründe nennt. Leider sind viele einfach zu Feige, was ich mehr als schade finde.
        Überfordert kann und darf sich jeder mal fühlen, man kann auch nicht dauerhaft nur stark sein. Aber ehrlich wäre Wünschenswert.
        Ein langes Thema Daniela, welches jeden mal beschäftigt.
        Verliere trotzdem nicht den Mut offen auf andere Menschen zuzugehen.🍀
        Ich danke dir und schicke dir eine herzliche Umarmung.
        LG, Nati 😘🌺🌼

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      • Ich habe Dir zu danken, liebe Nati, für Deine tolle Rückmeldung und kann nur sagen, dass ich jedes einzelne Wort von Dir unterschreiben kann. Es ist die Aufrichtigkeit die verbindet und die schlussendlich für ein gutes Miteinander sorgt..selbst dann wenn sie im ersten Moment schmerzlich ist. Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag 🌸🌼🌸und schicke Dir eine ebenso herzliche Umarmung zurück 💓 bis bald, Daniela

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