Frühlingserwachen

Heute früh hatte ich Nasenbluten. Nicht besonders stark, aber doch schon sehr auffällig. Eigentlich ja nicht so schlimm!!! Das kommt schon mal vor, würde mein Hausarzt jetzt sagen. Bei mir jedoch klingeln die Alarmglocken, hatte ich vor einigen Jahren doch mehrfach Einblutungen auf der Netzhaut.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie mich mein Augenarzt mit den Worten “ Wenn das mein Auge wäre, würde ich bereits im Auto sitzen“ notfallmäßig an die Uniklinik geschickt hat.

Und ich erinnere mich an dieses komplette Fiasko, welches mich dort erwartet hat. Nie werde ich diesen Tag wohl vergessen…. die vollkommen überfüllten Wartesäle, vollgestopft mit Patienten, denen ihr Leid buchstäblich in´s Gesicht geschrieben war, wartend darauf routinemäßig abgefertigt und durch die notwendigen Untersuchungen geschleust zu werden.

Ich hatte Angst, große Angst. Unbeschreiblich wie es sich damals angefühlt hat, als ich in dieser Angst von einem vollkommen überforderten Spezialisten für entzündliche Augenerkrankungen angebrüllt wurde: “ Nun stellen Sie sich doch nicht so an, hören Sie endlich auf hier herum zu zappeln“… „Ich habe keine Zeit für so was , Sie sind nicht krank“

Die Demütigung, welche ich damals empfunden habe, sie lässt sich heute kaum mehr in Worte fassen. Verletzung, Wut, Hilflosigkeit… damit lässt sich wohl am ehesten beschreiben, was ich damals emotional erlebt habe.

Und im Arztbrief, da stand dann, „Verdacht auf retinale Vaskulitis“. Weitergeholfen hat mir das zum damaligen Zeitpunkt allerdings nicht, denn ein Verdacht bleibt ein Verdacht und der wird nicht behandelt.

Und heute? Da scheint plötzlich ein „Schuh“ draus zu werden. Lässt da womöglich G.A.R.F.I.E.L.D grüßen?

G.A.R.F.I.E.L.D, das Akronym für Immundefekte. G = Granulomatose oder anders formuliert, granulomatöse Entzündung der kleinen Gefäße. Der Gefäße, die meine Netzhaut durchbluten? Die Gefäße in meiner Nase? Ich erinnere mich, dass ich bereits vor der Behandlung mit Endoxan immer wieder Nasenbluten hatte, welches danach auf mysteriöse Weise verschwunden war…

Ich weiß es nicht und heute werde ich wohl auch keine Antwort mehr darauf finden. Und Angst? Ja, die habe ich!!! Aber nur noch so viel, um zu wissen, dass ich den Routine-Check bei meinem Augenarzt, der für die nächste Woche eingeplant ist, nun doch nicht verschieben werde….Er wird wissen was es zu tun gilt, er kennt mich lange genug und im Stich gelassen hat er mich auch noch nie…. auch dann nicht, wenn es „haarig“ wurde.

Und die Kränkung von damals? Ich erinnere mich daran, ja…. das schon!!!! Wie gesagt, ich werde es wohl niemals mehr vergessen. Aber emotionale Belastung spüre ich jetzt, da ich hier darüber schreibe, keine mehr.

Ja, ich stelle fest… der Winter ist vorüber, es wird Frühling. Im Innen wie im Außen!!!!!

14 Comments on “Frühlingserwachen

  1. Hallo Daniela.
    Ich finde solch ein überhebliches Benehmen schrecklich.
    Als ginge man aus Langeweile zum Arzt.
    Gut dass du dieses Gefühl hinter dir lassen konntest, auch wenn man es nicht vergessen kann.
    Liebe Abendgrüße zu dir,
    Nati 🍀

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    • Ja, liebe Nati…zum damaligen Zeitpunkt war es wirklich schrecklich, auch wenn ich vom Kopf her verstehen konnte, dass es letztendlich die Überforderung war, die da aus diesem Arzt gesprochen hat. Dieses Verhalten war entwertend und hat mich tief in der Seele getroffen. Heute kann ich es tatsächlich auch emotional als das sehen was es gewesen ist …als die wahrhaft armselige Reaktion eines Menschen, auf eine Situation der er nicht im geringsten gewachsen war. Damit kann ich nun auch die Beschämung dort belassen wo sie hingehört, nämlich zur Person dieses Arztes und nicht zu mir …für mich ein Gefühl der absoluten Befreiung 😊…ich schicke Dir ganz liebe Abendgrüsse zurück, Daniela 😘😊

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      • Wenn ich so etwas lese oder mitbekomme wünsche ich mir dass angehende Ärzte auch ein paar Semester Psychologie studieren müssten, bevor sie an Patienten heran dürften. Du bist in deinem Denken viel weiter als es dieser Arzt je sein wird.
        Wenn man aber gerade mittendrin steckt sieht man dies so noch nicht. Wir können an solche Situationen nur wachsen und hoffen dass der Gegenüber irgendwann seinen Fehler einsieht.
        Lieben Dank und eine gute Nacht. 😘

        Gefällt 4 Personen

      • Guten Morgen liebe Nati,
        diesem Wunsch kann ich mich nur anschließen, Psychologie sollte Pflichtteil im Medizinstudium werden und menschliche Reife Grundvoraussetzung sein. Letzteres wird sich aber leider nicht bewerkstelligen lassen und auch viele weitere Probleme im Gesundheitswesen werden sich ( wenn überhaupt) nur auf lange Sicht hin lösen lassen. Deshalb gilt es die Dinge so zu nehmen wie sie sind und sie ( wenn sie einem nicht erspart bleiben) als Wachstumschance zu begreifen. Keine leichte Übung, rückblickend muss ich aber schon auch sagen dass das was ich erlebt habe ( gerade die unschönen Dinge) mir auch zu einem erheblichen Maß mehr an innerer Freiheit verholfen haben. Nur niemals unterkriegen lassen 😉Ich wünsche Dir einen schönen Tag und ein angenehmes Wochenende. Ganz liebe Grüße, Daniela 🌸🌼🌸

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      • Guten Morgen Daniela.
        In so manchen Berufen wäre dies notwendig, wenn man schon nah am und mit Menschen arbeitet. Aber dies wäre ein anderes Thema.
        Es ist schon ein ohnmächtiges Gefühl wenn man Beschwerden hat und der Arzt einem nicht glaubt, wobei es bei dir noch fataler ist.
        So können wir nur lernen daran zu wachsen was das Leben uns vor die Füsse wirft.
        Lieben Dank, ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
        Liebe Grüße zu dir,
        Nati 💕🍀

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      • Oh ja, liebe Nati, ich glaube auch, dass dies ein Problem in ganz vielen Berufen ist, wenn nicht gar ein Problem das sich durch die ganze Gesellschaft zieht. Der Umgang mit Ohnmacht, der eigenen Hilflosigkeit, die hieraus resultierende Verschiebung im Macht-Ohnmacht -Verhältnis ist ein Thema das sich in ganz vielen Bereichen beobachten lässt. Es ist grausam , aber leider wohl ein „Schattenaspekt“ des menschlichen Daseins. Es lässt sich alles psychologisch/soziologisch erklären aber menschliche Reife kann nicht erzwungen und wohl auch nur bis zu einem gewissen Grad erlernt werden. Unterm Strich bleibt wohl nichts anderes übrig als sich dem Leben zu stellen und, wie Du schon sagst, an den Prügeln zu wachsen, die uns zwischen die Beine geworfen werden. Schwierig und oftmals so unglaublich schmerzlich, aber letztlich wohl der einzige Weg um glücklich zu werden. Auch Dir ein schönes Rest-Wochenende und ganz liebe Grüße zurück, Daniela

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  2. Liebe Daniela, ich hoffe, dass das mit Deiner Nase eine harmlose Angelegenheit ist. Dafür drücke ich Die ganz fest die Daumen! Dieser Tage habe ich wieder einmal sehr lange mit meiner Halbtochter (Tochter meines Noch-Ehemannes), zu der ich ein ausgesprochenes gutes und durchaus mütterliches Verhältnis habe. Sie leidet an einer schwer einstellbaren Epilepsie und fürchterlicher Migräne und anderen schlimmen Kopfschmerzen und ist deshalb seit zwei Jahren berentet. Auch sie hat immer wieder das Problem, dass Ärte ihr nicht glauben und ihr erklären, dass es Probleme, wie sie es schildere ja gar nicht gäbe. Das erinnert mich dann immer an Dich. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Gute und nur kompetente und nette Ärzte! Liebe Grüße Hedwig

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    • Liebe Hedwig, ich danke Dir von Herzen für die guten Wünsche. Ja, es ist wahrlich ein Segen auf nette und kompetente Ärzte zu treffen und gerade im Bereich der seltenen /schwierigen Erkrankungen leider häufig nicht der Fall . Mit den Unsicherheiten , welche sich aus diesen schwer zu erfassenden Krankheitsbildern ergeben, fühlen sich Ärzte wohl häufig überfordert und es ist und bleibt einfach schrecklich, dass dies auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird. Leider sehe ich in der Zwischenzeit nur mehr wenige Chancen, dass dies verändert werden kann…obwohl es so vielen Patienten so ergeht und obwohl es so dringend erforderlich wäre. Es bleibt leider nur die eine Möglichkeit, selbst einen Weg zu finden um damit zurecht zu kommen. Zu sehen, dass man nicht der einzige Mensch mit solchen Erfahrungen ist, hat mir persönlich dabei sehr geholfen…und hilft noch immer. Die Selbsthilfe hat mir da große Dienste erwiesen und ich bin froh und dankbar ein Teil dieser Gemeinschaft geworden zu sein. Kennst Du unsere Facebook-Gruppe? Dort gibt`s immer die Möglichkeit sich auszutauschen. Falls Deine Tochter sich mit dieser Situation alleine fühlt ist sie uns jederzeit willkommen, gemeinsam geht doch immer besser als alleine. Ich schicke Dir ganz liebe Grüße zurück und wünsche Euch beiden nur das Allerbeste…bis bald ,Daniela

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