Sehnsucht……

„Der Himmel über diesem Land ist so still und es klingt so einsam, wenn eine Seeschwalbe ihn durchstreift und hoch oben schreit“

-Johannes V. Jensen-

Ich habe Sehnsucht nach dieser ganz besonderen Form der Einsamkeit, nach dieser unendlichen Weite der dänischen Küste. Dieser Weite die nicht nur äußerlich ist, sondern vielmehr auch das eigene Herz ganz offen und weit werden lässt. Diese Sehnsucht bekomme ich immer dann so intensiv, wenn es im Inneren eng zu werden droht.

Der letzte Besuch in der Spezialambulanz verlief ernüchternd.

Ich habe quasi keine B-Zellen und ebenso wenige T-Zellen mehr im Blut, mein Immunsystem liegt flach. Hinzu kommt das Lymphom, welches nach wie vor, weder in Art noch Umfang, vollständig abgeklärt ist und welches zum jetzigen Zeitpunkt auch nur schwer zu erfassen ist, da es bereits mit Rituximab und Cortison „anbehandelt“ ist. Obendrauf dann noch das Sjögren-Syndrom, welches die Sachlage zudem erschwert, da die Grenze zwischen entzündlichen Prozessen und Lymphom- Aktivität nur schwer zu erfassen ist. Und als I-Tüpfelchen dann noch die Störung im Calzium-Phophat-Stoffwechsel, welche das Absetzen des Cortisons deutlich erschwert, weil dies den Calzium -Wert unter Umständen gefährlich in die Höhe treiben könnte.

Tenor des Gesprächs: Abwarten bis zum gemeinsamen Gespräch mit der Immunologie. Abwarten bis das Lymphom wieder in aller Hässlichkeit, sein ganzes Gesicht zeigt. Abwarten und Aushalten…. Angst Aushalten, die Zunahme der Beschwerden aushalten….Sicherheit gibt es keine, ausgenommen vielleicht der einen, das Lymphom wird wieder kommen …..denn eines ist gewiss, indolente Lymphome sind nicht heilbar!!!!!

Ja, was könnte ich weiter dazu sagen als dass es wahrlich an der Zeit für ein bisschen Nordsee wäre…

Nur gut , dass der Himmel auch über dem Bodensee bisweilen sehr weit sein kann……

Epilog:

So stellt sich nun also meine ganz persönliche Situation dar. Das Sahnehäubchen jedoch ist, was uns alle betrifft. Die Tatsache, dass derzeit die nächste Covid-Welle mit rasantem Tempo Anlauf nimmt und sich bereit macht über unser alle Köpfe hinweg zu rauschen. Auf den Intensivstationen werden diejenigen zu finden sein, die keinen Impfschutz haben. Sterben werden diejenigen deren Immunsystem nicht genügend Kraft aufbringen kann, um dem Virus die Stirn zu bieten. Ich habe keinen Impfschutz. Ich habe kein Immunsystem. Ich habe keinen Schutz. Und dies nicht, weil ich mich nicht hätte impfen lassen wollen, sondern vielmehr weil mein Immunsystem auf die zweifache Impfdosis keinerlei Reaktion gezeigt hat. Eine schlimme Situation, die nicht nur mich, sondern mit mir viele andere Krebs -und Autoimmunpatienten betrifft. Patienten die sich aufgrund ihrer Erkrankung mit Rituximab und Cortison behandeln lassen müssen, um nicht an ihrer Erkrankung zu versterben. Wohl wissend, dass die Medikamente die einerseits ihr Leben sichern, mitunter dazu führen können, dass eine adäquate Impfantwort und damit ein angemessener Schutz vor dem Virus ausbleiben kann…

Möge an dieser Stelle jeder für sich selbst entscheiden, ob die Impfung tatsächlich ausschließlich die eigene Person betrifft, oder ob es schlussendlich nicht doch eher um das Wohlergehen aller geht.

16 Comments on “Sehnsucht……

  1. Liebe Daniela ich würde Dir so gerne helfen. Bewahre Dir die Intensität des erLEBENs schöner Augenblicke.
    Mir fallen die Worte des Kleinen Prinzen ein: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
    Deine Bilder zeige immer wieder, was Du mit dem Herzen siehst.
    Ich wünsche Dir Geborgenheit in Dir selbst und starke Menschen an Deiner Seite. Marie

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  2. Mit gefühlt … liebe Daniela, wir können die Welt nicht ändern. Oder besser, nur zu einem sehr geringen Teil, mit diesen deinen Worten, die vielleicht jemand liest, der darüber nachdenkt, entsprechend handelt und das gelernte möglicherweise weiter gibt.

    Hoffnung – alles, so Gott will.
    Sei herzlich gegrüßt!

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  3. So ist es, lieber Reiner…dem lässt sich nichts hinzufügen. Nehmen wir die Dinge wie sie sind, auch wenn es manchmal schwer fällt. Ich wünsche Dir einen tollen Tag und schicke Dir herzliche Grüße zurück, Daniela 😊🙋‍♀️

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    • Ich Danke Dir, lieber Stefan…ich finde es ist ein guter Gedanke die nächsten 5 Minuten all denjenigen zu schenken, die in ganz besonderer Weise von der Pandemie betroffen sind. Es sind viele, leider…Auch für Dich von Herzen alles Gute 😊🍀🙋‍♀️

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  4. Es ist eigentlich alles schon gesagt in den Kommentaren. Wie gut ich dich verstehen kann und ich weiß, dass der innere Zustand noch weit stärker beeinträchtigt und durcheinander gewirbelt ist, als es deine Worte ausdrücken. Ich kann mich nur wiederholen und dir von Herzen das Beste wünschen, das unter den Umständen möglich ist. Denke an dich.

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    • Ich Danke Dir, Caro…aber mein innerer Zustand ist, den Umständen entsprechend, ganz okay…es gibt nur Dinge die einfach mal gesagt werden müssen, in der Hoffnung dass es evtl. den einen oder anderen zum Nachdenken bringt…in diesem Sinne auch ganz lieben Dank fürs Teilen 😊🙏😊…wünsche Dir ein schönes Wochenende, der schwierigen Lage, die uns ja alle in irgendeiner Form betrifft, zum Trotz
      Liebe Grüße
      Daniela

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  5. Pingback: Sehnsucht…… — Naturgeflüster – romanticker-carolinecaspar-autorenblog.com

  6. Es gibt doch recht viele jüngere Menschen, die noch nie in ihrem Leben von einer solchen Erkrankung, wie Du sie hast, gehört haben, und wenn, dann nur sozusagen theoretisch, dh, es hat sie nicht persönlich tangiert, sei es, dass in ihrem Umfeld jemand erkrankt war oder sie selbst. Dehalb haben sie auch keine Ahnung von den Therapien, geschweige denn, was sie als Nebenwirkung verursachen, nämlich ein stark geschwächtes Immunsystem. Sie haben auch keine Ahnung davon, wieviele Menschen davon eigentlich betroffen sind. Wüßten sie es, sähe ihre Reaktion vielleicht anders aus.
    Ich hoffe, Du bist mittlerweile geboostert, und wenn nötig, auch noch ein viertes Mal? Denn es besteht durchaus die Möglichkeit, dass dann eine Immunantwort herausgekitzelt werden kann.
    Wichtig ist darüberhinaus, dass man als Betroffene einen guten Kontakt hält zu seinen behandelnden Ärzten, und selbst sehr aufmerksam auf Krankheitssymptome achtet, sich selbst täglich testet, um im Fall einer Infektion sehr zeitnah mit den Antikörper-Medikamenten behandelt werden zu können, die ja Gottseidank mittlerweile zur Behandlung von Covid-19 zur Verfügung stehen. Also, nicht den Mut verlieren, auch wenn die Situation erstmal bedrohlich zu sein scheint und Einem den letzten Nerv droht zu rauben. Die neuen Antikörper-Medikamente sind sehr potent und können Immungeschwächten das Leben retten, wenn sie früh genug eingesetzt werden! Es gibt also Grund zur Zuversicht!

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    • Ich Danke, liebe Federflüsterin, für die aufmunternden Worte. Ja, Du hast sicherlich Recht dass vieles was geschieht mitunter auf dem Hintergrund von Unwissenheit zu sehen ist. Umso wichtiger, dass so viel wie möglich an Information unter die Leute gebracht wird. Ja, ich bin in der Zwischenzeit geboostert und hab auch tatsächlich eine Impfantwort bekommen, inwieweit diese ausreichend ist, weiß ich jedoch nicht, zumal es mir bislang noch nicht gelungen ist einen der beteiligten Ärzte daraufhin zu befragen. Bei sehr seltenen Krankheitsbildern, die sich gegenseitig überlappen, ist es oftmals sehr schwierig an ärztlichen Rat zu gelangen und man braucht viel Geduld um an entsprechende Hilfe zu erhalten Aber ich bin nun seit über 20 Jahren erkrankt und zumeist komme ich mit der Situation ganz gut zurecht…wenngleich es natürlich zwischendurch schon auch mal recht eng werden kann. Ich Danke Dir nochmals für die netten Worte und die Information
      Herzliche Grüße
      Daniela

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