Ballast

„In der Tiefe unserer Existenz sind wir allein. Diese Erkenntnis hat mich von vielem befreit. Hat mich frei und gerade deshalb bereit dafür gemacht, mein Leben in Liebe mit anderen zu teilen“

-Gedanke des Tages-

Das Neue Jahr hat begonnen und damit auch der Sprung in`s Ungewisse. Zum 1. April nun, werden wir also umziehen. Nachdem wir viele Hürden genommen und viele Abstriche von unseren ursprünglichen Plänen gemacht haben, hat vor wenigen Tagen nun der Umbau des Dachgeschosses meines Elternhaus begonnen.

Wir werden deutlich weniger Wohnraum haben wie bisher und so habe ich den bevorstehenden Umzug zum Anlass genommen auszusortieren, zu entsorgen was nicht mehr benötigt wird. Im Äußeren ebenso wie in meinem Inneren.

All die Dinge, die ich dabei in die Hand genommen habe, gaben Anlass, die vergangenen 22 Jahre seit Beginn meiner Erkrankung und seit ich meine Heimatsstadt verlassen habe, nochmals anzusehen. Alles Scheitern und alle Erfolge, alles Schmerzliche und alles Erfreuliche nochmals Revue passieren zu lassen, zu entscheiden was losgelassen werden muss und was bleiben darf.

An vielen Stellen war es nochmals schmerzlich, da hatte ich das Gefühl, als habe meine Erkrankung wirklich nichts mehr übrig gelassen. Als habe sie ALLES zum Scheitern gebracht, all meine Pläne zerstört, mich all meiner Perspektiven beraubt und an so manchen Tagen hat es sich so angefühlt, als sei ICH gescheitert, also so gänzlich, am Leben und überhaupt.

Und ja, leugnen lässt es sich nicht. Es war schon wirklich gute Arbeit, die meine Erkrankung da geleistet hat. Denn gefallen bin ich tatsächlich oft. Immer und immer wieder, über die eigenen Beine gestolpert. Gescheitert an meinen Plänen und Zielen, an vielen Projekten die ich begonnen, aber nicht zu Ende führen konnte. An vielen großen und kleinen Dingen. Vor allem jedoch an meinen Vorstellungen, davon wie mein Leben denn hätte sein sollen.

Aber nun, nachdem alles nochmals sorgfältig angeschaut, ausgesiebt und sortiert wurde, weiß ich es gewiss. Am Leben gescheitert, das bin ich nicht. Definitiv nicht, so mein Resümee….

Im Gegenteil. Ich konnte mich von so vielem befreien. Der Weg nach Außen wurde abgeschnitten und dadurch die Tür nach innen geöffnet. Und blicke ich heute zurück, dann fühle ich mich ausgesöhnt, weiß mehr denn je, dass es gerade die Dinge waren an denen ich gescheitert bin, die es mir letztlich ermöglicht haben Stück für Stück Ballast abzuwerfen, meine Altlasten loszuwerden.

So hat sich der Kreis nun also wieder geschlossen und ich werde deutlich leichter, mit wesentlich weniger Ballast an Bord, in den heimatlichen Hafen zurückkehren.

Ohne großartige Pläne, dafür aber mit umso mehr Offenheit werde ich nun also in das Neue Jahr und damit in den neuen Lebensabschnitt starten…Und ja, bei aller Ungewissheit was mich da erwartet, ich freue mich darauf!!!!!

Epilog:

Der Umzug in die Stadt wird eine Herausforderung für mich werden. Bedingt durch meine Erkrankung , die Pandemie und die Abgeschiedenheit meines Wohnortes bin ich in den vergangenen 4 Jahren kaum noch Menschen begegnet. Ein soziales Leben im eigentlichen Sinne gab es so gut wie nicht mehr. Viel mitnehmen werde ich nicht. Vieles meiner materiellen Güter, aber auch das Schmerzvolle meiner Lebens- und Krankengeschichte werde ich hier im Tal lassen, die Trauer um das was man ein „normales“ Leben nennen könnte, habe ich der Natur übergeben. Mitnehmen werde ich nur noch die Trauer um meinen Vater, denn ich hätte mir so sehr gewünscht, dass er den Umzug noch miterleben kann, uns noch gemeinsame Zeit als ganze Familie verbleibt. In erster Linie jedoch werde ich die Liebe zur Natur, die Liebe zu mir selbst und ganz viel Bereitschaft , das Leben in all seinen Facetten zu umarmen, mit zurück an den See nehmen.

12 Comments on “Ballast

  1. Ich wünsche dir viel Beharrlichkeit in dem zu erwartenden Umzugschaos, liebe Daniela. Früher bin ich oft umgezogen, nun schon unfassbare 16 Jahre nicht mehr – ausmisten kann auch sehr herausfordernd sein, was da so alles zu Tage kommt. Von Herzen gutes Gelingen – und liebe Grüße, Reiner.

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    • Ich Danke Dir, lieber Reiner. Ich bin in jungen Jahren tatsächlich auch sehr oft umgezogen. Das findet meine Mutter heute noch befremdlich 😂😉.Als meine Tochter vor 22 Jahren dann zur Welt gekommen ist bin ich sesshaft geworden, die Rastlosigkeit hatte ein Ende und ich hab begonnen mir selbst zu begegnen. Und ja, „ Ausmisten“ IST eine Herausforderung, aber unterm Strich besser als Leichen im Keller zu haben 😊😉…ich für meinen Teil hatte derer zu genüge und nachdem ich sie mir nun nochmals angeschaut habe ist es an der Zeit sie endlich zu Grabe zu tragen…Mögen sie ruhen in Frieden 😊…Auch Dir von Herzen alles Gute und liebe Grüße zurück zu Dir
      Daniela 😊🙋‍♀️

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  2. Lebensumstände und Geschehenisse zeigen uns oft was wichtig im Leben ist und was man gut loslassen kann. In den seltensten Fällen sind es Gegenstände die wir wirklich benötigen um glücklich und zufrieden zu sein.
    Ich wünsche dir einen guten Umzug und glückliches ankommen in deinem neuen Lebensabschnitt Daniela.
    Liebe Sonntagsgrüße zu dir,
    Nati

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    • Das ist wohl wahr, liebe Nati. Wir leben ohnehin in einer Gesellschaft in der Überfluss Programm ist. Wenn wir uns unsere Mutter Natur erhalten wollen müssen wir das dringend ändern. Weniger ist demnach mehr😊😉. Ich Danke Dir für die guten Wünsche, liebe Nati und auch für Dich von Herzen alles Liebe und einen schönen Sonntag
      Liebe Grüße vom Bodensee, an dem es heute ziemlich grau ist ☔️🌧️☔️😘😊🙋‍♀️

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  3. Alles Gute für Dich, Daniela! Die Stadt wird neue Herausforderungen bringen, Du wirst sicherlich alle Challenges meistern, denn Du bist sehr stark.
    Danke für Deinen so schönen Blog und die vielen guten Gedanken. Wir, Deine Fans warten auf neue Zeilen und neue Inspirationen, die Du mit uns allen teilst. 🙂 Viel Glück und einen guten Umzug!

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    • Ohhhh, vielen lieben Dank für das tolle Feedback. Ich war wirklich sehr berührt als ich heute früh Deine Zeilen gelesen hab. So oft denke ich über Sinn und Zweck meines Blogs nach und frag mich wer all diesen (Seelen ) – Müll denn sehen/ lesen möchte. Aber die Fotografie, das Schreiben und die Auswahl der Zitate hilft mir dabei mich zu sortieren, das was ich erlebe zu verarbeiten. Allein das ist es dann doch immer wieder wert weiter zu machen, aber wenn dann da auch noch Menschen sind, die verstehen und denen gefällt, was ich da tue ist das natürlich umso schöner. In diesem Sinne, hab nochmals ganz herzlichen Dank für Deine Zeilen.
      Alles Gute auch für Dich und ganz liebe Grüße
      Daniela

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      • das, was du schreibst ist kein Seelenmüll. Es sind Gedanken und wunderschöne… 🙂
        Ich wünsche Dir, dass Du Glücklich sein wirst in der neuen Heimstatt, dass Dein Leiden gelindert wird und dass Du froh in die Zukunft blicken kannst!
        Von Herzen Barbara

        Gefällt 1 Person

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