Winter Wonderland

für Hedwig….

……….und für alle die den Schnee noch missen müssen..…….

friedlich ist´s

am See…..könnte ich doch nur für immer da bleiben…..

Montag , der 30. November

Lumbalpunktion ohne Befund, kein Hinweis auf entzündlichen Prozess im Nervenwasser. Gut? Ja, eigentlich schon…aber wieder mal halt nur eigentlich, denn dies untermauert die Aussage des Endokrinologen…erhärtet den Verdacht einer Mitochondriopathie….

Ataxie und Muskelschwäche aufgrund von Stoffwechselentgleisungen, genetisch bedingt oder im Rahmen eines Paraneoplastischen Syndroms… aufgrund des erhöhten Calziumwerte erscheint letzteres wahrscheinlich….

…und ich habe keinen Onkologen!!!!!

Keine weiteren Worte, außer vielleicht:

Ich will noch nicht geh`n,…. es ist so schön am See…….

„Gott ruft………….

und der Mensch antwortet“ …so das Zitat von Martin Buber, Religionsphilosoph und geistiger Vater der Gestalttherapie.

Eigentlich bin ich ja kein besonders religiöser Mensch, zumindest nicht im üblichen Sinne. Will heißen, ich glaube nicht an einen personalen Gott, halte nichts von Dogmen und fühle mich auch keiner bestimmten Religionsgemeinschaft zugehörig.

Aber immer wenn ich dieses Zitat lese, dann bewegt sich etwas in meinem Inneren. Bilder tauchen auf aus vergangenen Tagen. Aus dieser intensiven Zeit der Fortbildung in Gestaltarbeit, dieser Zeit der Auseinandersetzung mit meiner frühen Lebensgeschichte, meiner beruflichen Laufbahn.

Ich war so jung, so voller Energie und Enthusiasmus, so voller Tatendrang. Dem „Wolf“, der bereits zu dieser Zeit sein Unwesen getrieben hat, gerade zum Trotz nicht gewillt mein Leben, wie es damals war, aufzugeben.

Mein einziges Ziel. „Individuation“… den inneren und äußeren Zwängen entfliehen…Freiheit erreichen, um jeden Preis, Freiheit für mich, für meine Klienten , am liebsten für jedermann …..

Aber der „Wolf“ hatte andere Pläne, hat mich scheinbar sämtlicher Freiheiten beraubt, mir jegliche Möglichkeit des „Entfliehens“ genommen…mich immer und immer wieder auf mich selbst zurück geworfen..

Und ich bin ruhiger geworden, viel ruhiger…fast möchte ich einen religiösen Begriff verwenden und sagen : „Ich bin demütiger geworden“.

Morgen steht er nun also an, der Termin zur Lumbalpunktion und rein rational betrachtet, ist die Wahrscheinlichkeit , dass die Ursache für das Krankheitsgeschehen weiter definiert werden kann, ziemlich gering. Zu komplex , die ganze Geschichte. Zu groß das Chaos, das in der Vorgeschichte verbreitet wurde. Zu viele, in der Eile passierte, „Flüchtigkeitsfehler“,die es den verantwortlichen Ärzten nun sehr schwer machen wird exakt und gezielt vorzugehen….

Aber ich bin tatsächlich erstaunlich gelassen. Ich weiß, dass die Leute dort morgen ihr Bestes geben werden. Ob das Wissen und die Umsichtigkeit groß genug sein wird, um dem „Wolf“ auf die Spur zu kommen, ihn zu lokalisieren, ihn dingfest zu machen…… Das ist eine völlig andere Frage.

Ich weiß in Zwischenzeit, dass es so viele verschiedene, mögliche Ursachen für dieses „Debakel“ in meinem Körper geben kann, dass eine gehörige Portion Glück dazu gehört, um fündig zu werden. Oder anders formuliert, das Schicksal muss mir doch sehr wohlgesonnen sein, damit das Rätsel morgen eine abschließende Lösung erfährt.

Ja, und trotzdem…ich bin tatsächlich relativ ruhig….sieht man mal davon ab, dass ich es müde bin, dass man an mir herumscheidet oder man mir in Körperteile sticht, in die man eigentlich nicht gestochen werden möchte, bin ich recht gelassen….

Freiheit?……. Eigentlich ja nun wirklich nicht, bedenkt man wie meine Lebenssituation derzeit aussieht. Aber irgendwie fühle ich sie eben doch..

Ja, es scheint als begreife ich Martin Buber heute anders als in früheren Tagen. „Gott (oder eben das Schicksal, das Universum oder wer auch immer) ruft und ich antworte“…… mit zunehmender Ruhe und Akzeptanz dessen, was er mir zumutet.

Seltsam, so scheine ich mein Ziel wohl doch noch zu erreichen. Paradoxerweise erfahre ich gerade jetzt Gelassenheit. Erlebe Freiheit, angesichts äußerer Umstände die dem Wesen nach wohl unfreier kaum mehr sein könnten…

Mein Wunsch des Tage: „Es möge möglichst lange, genau so bleiben“

Adebar und seine freunde……

Gestern war ich schon sehr früh unterwegs. Um den Menschenmassen zu entgehen und um mich in Ruhe an einem nahegelegen Fischweiher danach umsehen zu können, was da so kreucht und fleucht. Schön war`s , eine bezaubernde Stimmung, die Welt noch etwas verschlafen, von feinen Nebeln umhüllt….alles noch ganz frisch und unglaublich friedlich….

Tagsüber ist hier immer recht viel los. Viele Menschen die sich der Natur erfreuen und die den Fußgängerweg, der rund um den See führt, für ihren Nachmittgasspaziergang oder zum Joggen nutzen. Und wenn man direkt am Wasser steht, dann hört man auf der anderen Seite des Schilfgürtels, der diesen kleinen See umgibt, die Menschen fröhlich lachen und miteinander schwatzen.

Und dennoch , der See selbst wirkt trotz der Betriebsamkeit um ihn herum, noch immer sehr ursprünglich. Wie er da so liegt, inmitten dieser sanften Landschaft. Und, man glaubt es kaum: Er ist voller Leben. Enten, Gänse, Reiher sind hier anzutreffen. Ja, und eben Störche…….

Wie schön sie sind, so anmutig, ein bisschen erhaben wirkend, und wie alle Vögel ein bisschen an Freiheit erinnernd, wie ich finde.

Ein bisschen überrascht war ich schon, hier noch so viele Störche anzutreffen, dachte ich (als überwiegend Vogelunkundige!!!!!) doch, sie seien längst in Richtung Süden unterwegs……das galt es nun doch zu klären. Und wie meine weibliche Neugierde es befiehlt, habe ich zuhause gleich mal das Netz befragt und (man siehe und staune!!!!) dabei erfahren, dass Störche bei ausreichendem Futterangebot auch gerne mal auf den Zug in Richtung Süden verzichten…

Dann ist es kein Wunder, dass wir uns hier in unserer Ecke auch im Winter an diesen schönen Tieren freuen dürfen, denn hier ganz in der Nähe gibt es eine Storchenstation die, mit entsprechender Fütterung und Niststationen, einen großen Beitrag dazu geleistet hat diese herrlichen Tiere hier wieder heimisch werden zu lassen.

Wie ich nun weiß, gab es 1978 hier nur noch 3 Storchenpaare, denn die Ausdehnung der Landwirtschaft, die Austrocknung der Feuchträume, das Insektensterben und (eine für mich ganz besonders grausame Vorstellung…… ) die Stromleitungen, an den die Tiere sich verheddert haben und qualvoll verendet sind, all dies hat dafür gesorgt, dass die Tiere hier bei uns ihres Lebensraumes beraubt, vom Aussterben bedroht wurden…..

Schrecklich…so mein erster Gedanke. Wo laufen wir Menschen denn nur hin?! Wann nur werden wir unsere Verantwortung diesem Planeten gegenüber begreifen?! Für diesen wunderbaren Planeten, der so voller Schönheit steckt, dass wir eigentlich, wann immer wir unsere Augen öffnen, von tiefer Demut, von einem tiefem Respekt dem Leben gegenüber erfasst sein müssten! Leider, so denke ich wieder einmal traurig, sind wir als Gesellschaft davon Lichtjahre entfernt….Leider !Leider! Leider!

Aber dann ist da noch mein zweiter Gedanke und dieser lässt mich dankbar werden. Dankbar dafür, dass da Menschen sind, welche die Gefahr erkennen, die all ihre Kraft und ihre Leidenschaft dafür einsetzen, dass wir innehalten, die Richtung wechseln, dafür dass Veränderungen geschehen……

Die Störche hier bei uns haben es geschafft. Immerhin ist die Population in unserem schönen Ländle auf knapp 1000 Paare angestiegen. Schön ist das, nicht wahr???!!!! …Und dennoch!!!! Noch immer gibt es viel zu viele Lebensformen die an den Rand gedrängt, deren Leben nicht wertgeschätzt wird. Ich hoffe sehr, dass es uns allen zusammen gelingt Stück für Stück umzudenken. Damit uns dieser Planet, in seiner ganzen Vielfalt, in seiner ganzen Schönheit noch lange erhalten bleibt….

Falling down

Freitag , der 13.11.20

Mein liebes Tagebuch,

die geplante Lumbalpunktion rückt näher und heute habe ich die Nachricht erhalten, dass mein Mann mich nicht zur Untersuchung begleiten kann. Die steigenden Infektionszahlen lassen das nicht mehr zu, Begleitpersonen sind an der Uni-Klinik nicht mehr erlaubt.

Ich verstehe das….die Sicherheit aller geht vor und trotzdem hat mir die Nachricht zunächst einen ganz schönen Schlag versetzt. Für mich stellt diese Untersuchung unter diesen Bedingungen eine ganz schöne Herausforderung dar, zumal meine kognitiven Leistungen an manchen Tagen einfach noch immer nicht die besten sind und ich an schlechten Tagen (erfahrungsgemäß!!!) ernsthafte Probleme habe, mich in einem riesen Betrieb, wie es die Uni nun mal ist, zurecht zu finden.

Du meine Güte, ich hab ja an manchen Tagen schon mit dem Einkauf zu tun, wie um alles in der Welt soll es da erst an der Uni werden?! Na ja, ich werde es schon irgendwie schaffen und im schlimmsten Fall müssen die eben meinen Mann anrufen und der muss mich dann halt wieder einsammeln….

Ich kann mir ja ein Schild um den Hals hängen, vielleicht mit der Telefonnummer drauf, oder so!!!!!…….Nein Spaß, oder halt eben Galgenhumor.

Aber jetzt mal im Ernst, so schlimm wie ich das in früheren Jahren empfunden hätte, empfinde ich es heute (erfreulicherweise) nicht mehr.

Ja, es gab Zeiten, da war es schlimm. Genau genommen so schlimm, dass es schlimmer wirklich nicht mehr gegangen wäre. Zumindest habe ich das so in Erinnerung. In den Erinnerungen, die sich mir in solchen Situationen aufdrängen, unwillkürlich, ob ich nun will oder auch nicht….

Ich kann mich an eine Situation erinnern, die sich so tief in mein Gedächtnis eingegraben hat, dass ich sie wohl nie wieder vergessen werde.

Es war in der Zeit als ich noch gearbeitet habe und der „Wolf“ noch völlig unbehandelt war. Eigentlich war ich im Krankenstand. Aber wieder einmal eben nur eigentlich, denn aus irgendeinem Grund (die Verwaltung betreffend) wurde ich von meinem damaligen Vorgesetzten gebeten in`s Büro zu kommen, um irgendeine ( vermutlich unsinnige) Unterschrift zu leisten.

Über meinen Gesamtzustand, da decken wir jetzt einfach mal das Mäntelchen des Schweigens. Nur soviel sei gesagt, mein kognitiver Zustand war schlecht….und zwar so schlecht, dass ich nicht mehr in der Lage war mich ordnungsgemäß anzuziehen. Mein Kopf wollte einfach nicht arbeiten. Ohne Witz, ich wusste nicht mehr wie „Anziehen“ geht, welche Kleidungsstücke ich wie an welches Körperteil bringen soll.

Ganz ehrlich, ich kann noch heute die Verzweiflung und die Scham spüren, die ich empfunden habe, als ich damals unter Tränen versucht habe meinem Vorgesetzten zu erklären , dass ich einfach Außerstande bin das Haus zu verlassen und zu kommen…Er hat das zum damaligen Zeitpunkt wohl nicht verstanden, hat wohl geglaubt, dass dies alles psychischer Natur sei und dass ich mit ein bisschen Willenskraft wohl schon noch in der Lage sei, mich in´s Auto zu setzen und in´s Büro zu fahren.

Was für eine Geschichte, ich darf gar nicht mehr darüber nachdenken, denn aus heutiger Sicht war es vollkommen unverantwortlich, dass ich mich an dieser Stelle nicht abgegrenzt habe, dass ich tatsächlich in`s Auto gestiegen und losgefahren bin…

Aber wie bitte hätte ich dieses „Nein“ fertig bringen sollen. Ich war vollkommen verzweifelt und ich hatte Angst, so unfassbar viel Angst….vor der Erkrankung, davor meine Arbeit zu verlieren, vor der Zukunft, davor was mein Körper mit mir veranstaltet, einfach vor allem.

Ich habe keine Ahnung mehr wie ich es schlussendlich doch noch hinbekommen habe aus dem Haus zu gehen. Geschweige denn wie ich es geschafft habe, meinen Arbeitsplatz zu erreichen. Aber ich habe es geschafft, irgendwie………..

Eine genaue Erinnerung an das Gespräch habe ich auch nicht mehr, aber noch immer kann ich die Demütigung spüren. Diese unglaubliche Demütigung angesichts des kompletten Kontrollverlustes, den ich in diesem Moment erlebt habe. Und auch die Demütigung darüber, dass man Vorgesetzter (den ich im Übrigen in vielerlei Hinsicht auch noch heute sehr schätze) mir meinen schlechten Zustand, zum damaligen Zeitpunkt, einfach nicht geglaubt hat .

Aber gestern ist gestern und heute ist heute. Genau genommen habe ich so viele Kränkungen dieser Art erlebt, bin so tief gefallen, dass es tiefer wohl kaum mehr geht. Aber es ist auch so, dass ich irgendwo, ganz tief dort unten, etwas gefunden habe, was mir persönlich kostbarer nicht sein könnte……Mich selbst!!!!!!!!!…..

Und ja, wenn ich es mir recht überlege ist alles okay. Heute ist ein „Nein“ ein „Nein“… Unverrückbar, kompromisslos, wenn es um meine Gesundheit geht. Wenn es darum geht, was ich leisten kann oder eben auch nicht.

Ich bin mir bewusst, dass es mir jederzeit wieder passieren kann, dass meine Erkrankung nicht richtig eingeschätzt werden kann. Dass man meine kognitiven Leistungsfähigkeit viel zu hoch ansiedelt, mich mitleidig belächelt, mich für etwas bekloppt hält. Aber ich merke auch, dass dies nicht mehr dieselbe Bedeutung für mich hat wie früher.

Es ist mir in letzter Konsequenz egal, wie die Leute mich sehen, wie die Ärzte an der Uni mich sehen. Wichtig ist eine exakte Diagnose und die bestmöglichste Behandlung …..

Und das Rituximab wirkt, mein Kopf arbeitet (meistens) einigermaßen gut und ich werde wieder aus der Uni-Klinik heraus finden…..

Und im schlimmsten Fall, ja… da wird mich mein Mann eben wieder aufsammeln. Also, wie gesagt….die Sache mit dem Schild und so……

Tja, so denn ….mir fällt an dieser Stelle nichts mehr weiter ein. Außer vielleicht die Aussage von Margot Käßmann, nach ihrem ganz persönlichen Niedergang: „Man kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“

Wie recht sie doch hatte, dem lässt sich wohl nichts mehr hinzufügen……

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Flusskrebse

Für Gnubbels…....

und für alle anderen , denen sie sonst noch gefallen haben

aber ich gestehe, die Beute stammt aus alten Beständen……für einen Ausflug an den Rushweiler See hat`s leider nicht gereicht😇😇😇

Glitzersteine am Wegesrand

Wochenendspaziergang, es war unglaublich…der Nebel hatte unzählige, kleine Wassertropfen auf den Pflanzen hinterlassen. Alles hat in der Sonne gefunkelt und geglitzert ..fast ein bisschen wie Weihnachten

Es war einfach bezaubernd……(zum Vergrößern: anklicken)

„Hyggelig“

Also, wir haben`s heute hyggelig… wie der Däne so sagt. Gleich kommt das Töchterlein, wir werden Pfannkuchen essen und uns einen Film reinziehen.. Euch allen ein schönes und gemütliches Wochenende

Daniela mit Rudel…….