
Wie?…schon aufstehen?…Ja, leider!!! Trotz schlechter Nacht muss heute früh (für meine bescheidenen Verhältnisse) alles recht schnell gehen. Hausarzt -Termin steht an…Nieren-Thema muss weiter verfolgt werden 🙄..Stoffwechsel hat sich etwas beruhigt, gut ist es nicht…Nieren-Thema ist kein gutes Thema, da schon sehr alt und mit vielen schlimmen Erinnerungen verbunden…Na,ja…mal sehen wie es wird….ich zieh mich seelisch schon mal warm an😳🙄😌 Fortsetzung folgt…..
und so ging es weiter…
So, geschafft. Komme gerade vom Hausarzt und kann nur sagen. „Meine Güte, wie anstrengend ist das denn?! „. Ich bin vollkommen erledigt!!!!
Aber es hat geklappt, ich war bei außerordentlich guter Konzentration, so dass es mir gelungen ist alle notwendigen medizinischen Daten und Fakten so dazulegen, dass sie für meinen Hausarzt auch verständlich waren. Sämtliche Möglichkeiten, welche den Defekt im Tubulus und die daraus resultierenden Stoffwechselentgleisungen erklären könnten, sachlich und ohne größere Probleme dargelegt. Ich bin stolz auf mich!!!!
Ja, es war wirklich prima. Wir haben alles vorhandene Fachwissen gemeinsam in die Waagschale geworfen, sämtliche möglichen Zusammenhänge gemeinsam „durchgehechelt“. Einfach große Klasse, ich in so dankbar dafür, dass wir das in der Zwischenzeit so gut miteinander können.
Parathormon- related- Peptin, heißt das Zauberwort. Ein Zytokin das im Rahmen eines Lymphoms gebildet werden kann und welches einen Pseudo- Hyperparathyeroidismus hervor rufen kann. Ein solcher könnte meine schräge Stoffwechsellage erklären, es würde in`s Gesamtbild passen. Also gut, Blutbild gemacht, sämtliche weitere Werte die mir noch wichtig waren dazu gepackt, fertig.
So weit so gut, dann noch die Frage wie die Unterlagen für den Prof. zusammen gestellt werden können zu dem mich der Onkologe schicken möchte, so dass dieser auf einen Blick sehen kann was Sache ist?! Wir stellen mit Entsetzen fest, dass dies ein wahres Hexenwerk darstellt, zumal die relevanten Befunde über „gefühlt“ eine Million verschiedener Berichte verteilt sind. Allein die Vorstellung alles zusammen suchen und verständlich aufbereiten zu müssen erzeugt bereits Stress. Und zwar nicht nur bei mir, sondern auch bei meinem Hausarzt.
Ja, er würde das gerne übernehmen, aber in den kommenden 3 Wochen leider undenkbar. Er sei alleine in der Praxis und müsse die Vertretung für den Kollegen übernehmen. Ein 12- Stunden-Tag bedeute in diesem Zeitraum tägliche Routine für ihn. Herrje, nein da geht beim besten Willen nichts mehr. Eine zusätzliche (und auch noch unbezahlte ) Belastung ist da nicht drin. Ich sehe ein, dass es keinen anderern Weg gibt, als es selbst zu übernehmen. Neee, oder?! ICH WILL NICHT!!!!!…aber ich werde müssen!!!
Okay, also dann noch schnell die weitere Vorgehensweise besprochen. Wir sind uns einig, dass unter Vorlage der entsprechenden Befunde die Nephrologin den Part bekommen muss entsprechend zu dokumentieren. Dort habe ich in der kommenden Woche Termin, bis dahin muss ich alles „mundgerecht“ aufbereitet haben.
Na ja, irgenwie habe ich es bereits kommen gesehen und den Onkologen bereits ins Bild gesetzt, dass es etwas länger dauern wird bis er die Unterlagen hat, da es gilt den aktuellen Bericht der Nephrologin abzuwarten. Man ist in der Zwischenzeit ja sehr umsichtig geworden.
Phhhuuu, ich kann nur nochmal sagen….es ist so was von anstrengend und ich kann nur von Glück reden, dass die Therapie soweit angeschlagen hat, dass ich in der Lage bin dies alles zu regeln…ansonsten hätte ich wohl schlechte Karten.
Und trotzdem bin ich so gerade so was von dankbar, dass ich einen so tollen Hausarzt habe, mit dem ich in der Zwischenzeit das alles so gut besprechen kann. Wir haben über die Jahre Vertrauen zu einander entwickelt, für mich ein unbezahlbares Geschenk. Es erleichtert diese irrsinnige Situation in einem Maße das sich kaum beschreiben lässt.
Ach ja, und bevor ich es vergesse. Das netteste noch zum Schluss….zu meinen Haaren meinte er: „fesch und sportlich, aber ihre Locken waren auch hübsch“ ….Ist das nicht süß?“… „Danke, Herr Doktor , charmant gelogen, aber es tut der Seele gut“
Nee, ganz ehrlich, ich finde er ist ein echtes Goldstück………
Sodele, wie der Schwabe sagt. Der Tag ist gelaufen und den Besuch beim Lungen-Doc hab ich erfolgreich hinter mich gebracht. Dieses Mal ganz entspannt und ohne Stress. Lungenfunktion war super!!!! FREU!!!!… und die Diffussionskapazität hat sich unter Rituximab auch verbessert.. Nochmals FREU!!!!! Die CT-Bilder hat er ebenfalls angeguckt, auch die sind prima….Yeah!!! Wir haben alles durchgesprochen und uns darauf geeinigt, das nun erstmal so stehen zu lassen…..Lymphom oder Alveolitis?! Egal!!! Hauptsache weg😁 …..was kommt weiß man nicht, nun gilt es erstmal den Moment zu leben….Und Jawoll, genau das habe ich getan und bin, mit kurzem Umweg beim Onko-Doc, bei dem ich noch Unterlagen abholen wollte, direkt an den See gefahren. Davon, dass das mit den Unterlagen wieder einmal nicht geklappt hat , sehen wir jetzt einfach mal ab. Hab ich bereits wieder verdrängt, morgen ist auch noch ein Tag. Außerdem war die Dame an der Rezeption der Tagesklinik sehr nett!
Im Cafe`
ein Bio-Sandwich genossen und danach noch einer meiner Lieblingsbeschäftigungen gefrönt, Enten beobachtet und Schiffe geguckt 

Sogar die neurologischen Ausfallerscheinungen konnte ich irgendwie hinten an stellen. Ja, die Sprache war etwas weniger präzise als für gewöhnlich, der Kopf etwas langsamer und vielleicht hab ich auch etwas „merkwürdig“ gewirkt….Aber egal…ich lebe, das ist die Hauptsache…wen kümmert es da schon was die Leute denken😉😁 ..Ach, und bevor ich es vergesse, ein paar Flyer konnte ich auch noch an den Mann bringen und dem Doc sind sogar postwendend zwei Personen ohne Diagnose eingefallen, die er an unsere SHG weiter leiten möchte. Also, wenn das kein gelungener Tag war?! Ich hoffe Euch ist es heute ebenso gut ergangen?! Ganz Liebe Grüße und gehabt`s Euch wohl …Eure Daniela, die jetzt zwar müde aber happy ist☺️😘
Nein, es war nicht ausreichend , verflogen das Seelenpolster. Genau genommen war es innerhalb von Minuten, nach Aufschlagen meines Befund-Ordners, bereits futsch. Ruck -Zuck ging es, das lagen die inneren Bilder vor mir…endlose Jahre verzweifelter Suche, Jahre voller Hoffnungslosigkeit und Angst. Erinnerungen an Nierenkoliken und , Stoffwechselentgleisungen. An unzählige Fehl – Behandlungen und die damit verbundenen Schmerzen, an Angst und an Schrecken. Flash-Backs von verzweifelten Versuchen, bei Grotten-schlechter Verfassung, die vorliegenden Befunde zu verstehen und übersichtlich genug zu gestalten, so dass der nächste Arzt, der sie vorgelegt bekommt, sie auch überschauen kann. Aussichtslos, nicht ein einziger Arztbericht der nun vor mir vorliegt erfasst die Situation. In der Anamnese Fehler über Fehler die sich hartnäckig fortsetzen . Wie könnte es auch anders sein, Zeit für eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Erkrankung gibt es nicht mehr. Für keinen Arzt mehr in diesem System. Und damit auch keine Hilfe mehr, für Patienten die unter etwas seltenem, etwas das nicht alle Tage vorkommt , leiden. Immer wieder nur weitergereicht….was hätten sie auch anderes tun sollen?! Der Nächste steht schon vor der Türe. Und nun stehe ich vor der selben Situation wieder…Berge von Arztbriefen, welche die Situation nicht im geringsten deutlich machen. Die am Problem vorbei schreiben. Befunde über eine „Million“ Briefe verteilt, die ICH nun so zusammenstellen soll, dass der nächste weiß was los ist ?! Chancenlos…für einen Moment kann ich nur noch heulen wie ein Schlosshund…..dafür ist mir jetzt leichter. Jetzt, nachdem ich mir dies alles von der Seele geschrieben habe….morgen nehme ich den nächsten Anlauf….
Gerade eben komme ich von meinem Morgenspaziergang zurück. Und Ich kann nur sagen, es war sooo schön. Sanfter Wind der durch die Felder streicht und die Natur um mich herum bewegt. Und dies alles auf dem Hintergrund eines strahlend blauen Himmels. Ich liebe es …
Ja, die Erde hat mich wieder…wenn ich all die kleinen Wunder wieder sehen kann weiß ich , ich bin wieder zuhause angekommen…bei mir selbst😊Von hier aus kann ich mich auch heran wagen, an das was heute noch ansteht. Den Blick in die Vergangenheit riskieren , die nephrologischen Unterlagen zusammen suchen, die mein Onkologe an den entsprechenden Spezialisten weiter leiten möchte…

Ich hoffe meine Seele ist gewappnet 😌😊
Der Tag neigt sich dem Ende zu, der Besuch beim Onkologen liegt hinter mir.Ich fühle mich müde und erschöpft.Diese emotionale Achterbahnfahrt ist anstrengend,im Eiltempo durch Anspannung, Angst Erleichterung…bei gleichzeitiger Notwendigkeit einen klaren Kopf zu bewahren um alle medizinisch notwendigen Daten und Fakten erfassen zu können. Genau genommen eine Überforderung. Für den Moment habe ich nur noch einen Wunsch…Zuflucht bei mir selbst zu finden, Sicherheit zu finden wo es keine gibt….Ich sehne den Moment herbei in dem es wieder gelingt loszulassen, was ohnehin nicht festgehalten werden kann…
Ihr Lieben,
die ihr meinen Blog ja nun schon eine ganze Weile begleitet. Gerade eben komme ich von meinem Onkologen, vom Abschlussgespräch nach der Rituximab-Behandlung.
Das Gespräch ist trotz aller Anspannung meinerseits gut verlaufen, meine Erwartungen an meinen Onkologen haben sich erfüllt. Er hält auch unklare Situationen gut aus und lässt mich nicht im Regen stehen.
Was meine Gesundheit anbelangt sieht es leider eher durchwachsen, oder anders formuliert nach wie vor eher „nebulös“ aus. Klar ist, dass ich eine Kollagenose habe, irgendeine Mischung aus Lupus und Sjögren, zu dem sich nun -zu Beginn des Jahres -auch noch ein Lymphom hinzu gesellt hat. Ich nenne das Ganze (wie die meisten ja schon wissen) meinen „Wolf“. Einfach, weil das für mich einfacher ist. Weil es für mich irgendwie leichter zu „händeln“ ist, wenn das Kind einen brauchbaren Namen hat.
Nun wurde ich also, um das Ganze „Zoo-Gedöns“ in den Griff zu bekommen, mit einer Rituximab -Mono-Therapie behandelt. Der Erfolg der ganzen Geschichte (bislang nur mäßig vorhanden) kann noch nicht abschließend beurteilt werden, da zunächst abgewartet werden muss, bis sich entsprechende Nebenwirkungen (Muskelschmerzen, Fatigue, Krankheitsgefühl) verabschiedet haben….ca. 2 Monate werde ich an dieser Stelle wohl noch Geduld haben müssen.
So weit so gut, das wäre in Ordnung so. Eigentlich wäre (oder bin?!) ich erstmal nur froh, dass onkologisch kein weiterer Handlungsbedarf besteht, wäre da nicht die Sache mit meiner Niere, die unter der Behandlung leider zusammengebrochen ist und mir massive Stoffwechselentgleisungen beschert hat.
Unterm Strich ist leider nicht geklärt, was nun eigentlich die Kollagenose und was das Lymphom ist. Und was noch viel schlimmer ist, es ist nicht geklärt anhand welcher Parameter abgelesen werden kann, wann Behandlungsbedarf besteht und wann nicht.
Die Suche geht also weiter, mein Onkologe hat noch in meiner Anwesenheit Kontakt zu einem ihm bekannten Prof. an einer Uni hergestellt, von dem er glaubt, dass dieser in der Lage ist weit über den Tellerrand hinaus zu schauen und dem es ein Anliegen ist, auch schwierigen „Fällen“ auf den Grund zu gehen.
Nun stehe ich nach nahezu 20 Jahren „Leben mit dem Wolf“ also noch immer ohne Sicherheiten da, sehe mich gezwungen meine eigene Hilflosigkeit und die meiner Ärzte auszuhalten, weiter zu machen. Weiter zu suchen nach der richtigen medizinischen Erklärung, nach der richtigen Behandlung.
Inwieweit das schlussendlich überhaupt möglich sein wird, kann ich heute noch nicht absehen. Und genau genommen kann das zum jetzigen Zeitpunkt vermutlich niemand. Es wird schwierig bleiben!!! Ich werde mich weiterhin in einer Situation befinden, in der sich viele Patienten mit mir befinden. Auf der Suche nach der richtigen Diagnose, auf der Suche nach der entsprechenden Behandlung….
Und gerade weil ich der Ansicht bin , dass ich nicht alleine bin. Dass es vielen Patienten so geht wie mir…weil ich mir sicher bin, dass Patienten und auch Ärzte darunter leiden, wenn nicht geholfen werden kann, habe ich mich entschlossen Euch in Form eines Tagebuchs daran teilhaben zu lassen, wie es sich anfühlt auf einem solchen Weg unterwegs zu sein. Was es bedeutet mit einer solchen Situation zu leben, was es bedeutet einen Alltag mit einer schweren, aber nach 20 Jahren noch immer nicht vollständig geklärten Erkrankung, zu leben.
Ich werde schreiben, weil es mich entlastet. Und ich werde schreiben, weil ich der tiefen Überzeugung bin, dass das öffentliche Gespräch darüber, was es bedeutet an einer chronischen und seltenen Erkrankung zu leiden, zum Bindeglied zwischen Arzt und Patienten werden kann. Und genau dies ist es, was wir schlussendlich brauchen . Ein „Miteinander“ , eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient und eine realistische Sichtweise auf die uns zur Verfügung stehenden medizinischen Möglichkeiten und auf unser Gesundheitswesen,
………Denn nur dort wo die Dinge beim Namen genannt werden, kann sich blindes Vertrauen in echtes Vertrauen wandeln…kann ein Miteinander, das alle Beteiligten gleichermaßen wertschätzend mit einbezieht, entstehen…..und das ist es was ich mir so sehr wünsche!!!!!!

Ich sitze in der Tagesklinik, neben mir ein Herr dem es wirklich schlecht geht…Übelkeit, Erbrechen, geduldiges Ertragen der Situation…die Schwester kommt..trotz hektischer Betriebsamkeit setzt sie sich zu meinem Nachbarn…ich höre sie sagen „ Ich würde Ihnen sooo gerne gegen die Übelkeit helfen“ .. Ich spüre das tiefe Mitgefühl, das in ihrer Stimme mitschwingt und bin so sehr berührt davon.
So etwas habe ich in 20 Jahren leben mit dem „Wolf “ sehr selten erlebt. Eine scheinbar so kleine Geste und doch von so unglaublichem Wert für denjenigen, der sie erfahren darf … Streicheleinheiten für die Seele!!! Danke, dass ich daran teilhaben durfte……
Epilog:
Ehrliches und tief empfundenes Mitgefühl, ist in unserem heutigen Gesundheitssystem zur Mangelware geworden. Gerade in der Zeit als mein „Wolf“ sich noch nicht zeigen wollte, waren das Bagatellisieren meiner Beschwerden (stellen sie sich doch nicht so an!!!!!) das Pathologisieren meiner seelischen Befindlichkeit (Patientin spinnt!!!!) oder im schlimmsten Fall offene Aggressionen gegen meine Person für mich nahezu an der Tagesordnung. Schmerzlich ist das , eine emotionale Belastung, die den Umgang mit einer das Leben verändernden Erkrankung zusätzlich erschwert. In der Zwischenzeit ist mir bewusst, dass sich hinter dem Mangel an Empathie oftmals die eigene Hilflosigkeit des Helfers verbirgt. Eigene Ohnmachtsgefühle angesichts einer Erkrankung auf die medizinisch (noch!!!) keine Antwort gegeben werden kann. Ohnmachtsgefühle mitunter auch hervorgebracht durch ein Gesundheitssystem, das kaum mehr Raum und Zeit für zwischenmenschliche Begegnung, für ein gutes und befriedigendes Miteinander, zulässt.
Eine Gesellschaft jedoch, welche Themen wie Krankheit, Sterben und Tod an den Rand drängt, welche die Kommunikation über diese Themen verhindert, verhindert auch, dass ein adäquater und für alle Beteiligten befriedigender Umgang mit den damit verbundenen Gefühlen gefunden werden kann.
Hierfür müssen dringend neue, gemeinsame Wege beschritten werden…….zum Wohle aller Beteiligten!!!!!!
So, nun sind sie also ab, die Haare. Die einstmals so lange und üppige Lockenpracht die früher so unabdingbar zu mir gehört hat und die ich immer auch irgendwie als deutliches Markenzeichen meiner Selbst gesehen habe.
Eine „Löwenmähne“, so hieß es immer, hätte ich. Und so hat es sich auch angefühlt. Lang ,voll, üppig….. Was zum Anfassen halt.
Aber seit heute ist da kaum mehr was. Abgeschnitten, die Haarpracht. Maximal noch ein Zentimeter übrig davon, was ich früher an Haaren mein Eigen nennen durfte.
Nicht, dass dies nun von heute auf morgen gekommen wäre. So war das nicht!!!! Der Wolf tobt sich da schon eher im stillen Kämmerchen aus. Unsichtbar und ein wenig heimtückisch, so dass es zu Beginn nicht wirklich zu spüren ist. Und zu sagen braucht man es auch niemanden (insbesondere den Ärzten nicht!!!! ) Denn was nicht sichtbar und greifbar ist, ist schließlich auch nicht vorhanden.
Ja, und wenn man ( so wie ich) viele Haare hat, dann gewöhnt man sich irgendwann auch an die Unsummen langer Haare, die da täglich im Waschbecken oder in der Dusche vorzufinden sind. Und denkt man (so wie ich) immer schön positiv, so gelingt es auch auf lange Zeit hin beflissentlich darüber hinwegzusehen, dass die Haare im Waschbecken zwar mehr, die auf dem Kopf aber dafür bedeutend weniger werden.
Aber die Endoxan- Therapie, die brachte sie dann ans Licht, die ganze Misere. Was vorher mit viel gutem Willen hartnäckig übersehen werden konnte, war nun (selbst für einen ausgefuchsten Optimisten wie mich) nicht mehr zu übersehen. Jetzt war sie gänzlich dahin, meine Haarpracht
Also gut, Augen zu und durch!!! Runter mit der Augenweide. Aber bitte nicht zu kurz, bitteschön retten was es zu retten gibt.
Tja, und nun also doch die endgültige Niederlage. Irgendwann musste selbst ich , (jeglicher Verleugnung zum Trotz) erkennen, dass die Rettung wohl auf ganzer Linie missglückt war. Nix mehr „Lockenpracht“oder „Löwenmähne“ ! Das war eher ein „Wischmob“ mit „ausgefranstem Deckhaar“ welches mehr schlecht wie recht, die unkontrollierbar nachwachsende „Unterwolle“ unter dem Deckmäntelchen des Schweigens begraben hat. Schön war definitiv anders!!!!!
So, und das ist nun das was von der ehemals so fülligen Haarpracht noch übrig ist.
Und wenn ich ehrlich bin, weh tut es schon. Könnte man den Zerfall meiner Haarpracht doch fast gar als Symbol für den Zerfall meines gesamten Lebens betrachten.
Aber nun denn!!!! Nachdem ein paar Tränen vergossen sind fühlt es sich schon wieder etwas leichter an um mein „kampferprobtes Seelchen“. Ob das schön ist, was sich da als neue Frisur auf meinem Kopf präsentiert?! Keine Ahnung!!!!! Zumindest ist es pflegeleicht. Hat ja auch was für sich!!!!!! Und außerdem : „Ein paar Haare sind noch übrig und damit wohl auch noch ein bisschen Leben“…..Wie heißt es doch sogleich? „HURRA, wir leben noch…….“
Heute habe ich weite Teile des Nachmittags im Garten verbracht, zunächst eher zwangsweise, denn freiwillig. Denn so gerne ich nun auch etwas anderes sagen würde, gut geht es mir noch immer nicht. Noch immer die Nebenwirkungen der Infusionen? Das hoch dosierte Cortison? Der Wolf, der Krebs, die Folgeschäden langjährig unerkannter Erkrankung? Keine Ahnung!!! Und im Grunde genommen ist es mir auch vollkommen egal, denn das was unterm Strich bleibt, ist wieder einmal die vollkommene Unfähigkeit am sozialen Leben teilzunehmen.
Nervtötend ist das, ganz ehrlich!!! Und Angst macht es. Wird es denn nie wieder anders werden?! Eine ganze Weile laufe ich planlos und unkonzentriert im Garten umher, unruhig und immer ein bisschen von Angst und Sorge begleitet, ein Nachbar könnte mich erblicken und mich (ohne es natürlich zu wollen!!!!) in eine Situation verwickeln die wieder einmal schonungslos meine neurologischen Ausfälle ans Tageslicht befördern.
Echt, ich hasse es…so sehr wünsche ich mir in diesem Moment meine Unversehrtheit zurück, die Unbeschwertheit mit der ich an guten Tagen auf meine Mitmenschen zugehen kann. Am Leben teilnehmen kann. Ja, ich hadere mit mir, mit meinem Leben und überhaupt. Und das nicht zu knapp!!!
Aber dann, irgendwann gelingt es mir doch mich auf die Situation einzulassen. Habe ich denn eine andere Wahl?! Nein, habe ich nicht, weshalb ich mich irgendwann geschlagen gebe und das tue, was mein Hund schon lange tut. Ich gebe auf und lasse mich auf einer Decke im Garten nieder.
Und da plötzlich kann ich es sehen, was da unter den dicken Schichten des Grolls und des Haders verborgen liegt. Wahnsinn wie schön es hier ist!!!!! So ruhig und friedlich, alles um mich herum blüht und der Himmel ist von einem geradezu fantastischen Blau. In der Stille kann ich plötzlich das intensive Summen unzähliger Insekten hören, die es hier – wo die Natur noch einigermaßen intakt ist- noch gibt. Und plötzlich wird mir klar. So groß war in der letzten Zeit der Wunsch zurück ins Leben zu kommen, dass ich um ein Haar genau das verpasst hätte, was ich mir doch so sehnlichst und aus tiefstem Herzen wünsche 😳😃….das LEBEN …..

Ja, und wenn ich es mir nun so recht überlege, dann kann ich ehrlich behaupten: “Wolf und dem gesamten Zoo zum Trotz, doch noch ein gelungener Tag „😃


Nein, es war kein guter Tag heute. Zweiter Tag seit Beginn der Therapie mit Retuximab. Dosis von 100ml auf 600ml erhöht. Vier Stunden Infusion in der Tagesklinik. Bereits auf dem Nachhause-Weg von unglaublicher Schwäche befallen, so dass ich meinen Mann nicht mehr zum Einkaufen begleiten konnte und doch glatt im Cafe`vor dem Einkaufszentrum eingeschlafen bin. Einfach so, mitten drin im Geschehen!!!! Zuhause auch nicht besser, den Rest des Tages verschlafen. Kopfschmerzen, Unruhe u.s.w. und jetzt bin ich wach, mitten in der Nacht, das hochdosierte Cortison, das mit der Infusion verabreicht wurde, zeigt seine (Neben-) Wirkung. Insgesamt: „einfach ätzend“
Und trotzdem ein „Highlight“ des Tages gab es dennoch zu verzeichnen. Eine kurze Entdeckungsreise (auf ziemlich wackeligen Beinen) durch unseren wunderschönen Garten. Ich liebe es, mir alles was da so „kreucht und fleucht“ ganz genau anzuschauen. Und hier sind sie, die Fundstücke, die es heute zu entdecken galt. 
Kleine Kostbarkeiten!!! Denn auf der Suche nach ihnen habe ich mich für eine kurze Zeit doch tatsächlich selbst vergessen. Kein Gedanke an Schwäche, Übelkeit , Unruhe u.s.w….Voll aufgegangen im Hier und jetzt….und ganz unbemerkt hat es sich wieder eingeschlichen…dieses leise Summen, meine geliebte „Seelenmeldodie“. Scheinbar doch irgendwie unverwüstlich diese kleine, feine Melodie in meinem Inneren. Schön, oder?!
Und jetzt da ich mich wieder ihrer erinnert habe, kann ich hoffentlich auch wieder schlafen.
In diesem Sinne, habt eine gute Nacht, Ihr Lieben und hoffentlich bis morgen…..