Herbst……

Noch immer gibt es Dinge in meinem Inneren die unverarbeitet sind. Nun ist es fast ein Jahr her, dass wir hier in unserem „Bullerbü – Haus“ eingezogen sind. Aber das wirkliche „Bullerbü – Gefühl“ hat sich noch immer nicht wieder eingestellt…sicher, es geht mir besser!!! Allein schon körperlich, denn die Endoxan- Behandlung hat mich zumindest aus der bedrohlichen Situation herausgeholt, wenngleich gesundheitlich trotz alledem noch einiges im Argen liegt. Und auch meiner Seele geht es deutlich besser. Ich spüre mich wieder, die „Schockstarre“ bedingt durch die Schwere der Erkrankung, durch das Verlassen meines Zuhauses, durch den erzwungenen Neubeginn, die hat sich gelöst.

Ja, ich atme auf!!! Aber mit dem neuen Leben, das ich dadurch gewonnen habe taucht auch noch etwas ganz anderes auf. Nämlich?! Die Angst vor demselben.

Wow, eigentlich kenne ich das so gar nicht!! Eigentlich war ich immer eher neugierig auf das Leben. Ja, schon manches Mal auch ängstlich, aber eben auch neugierig. Gierig nach Erfahrung, wenn man so möchte….

Und jetzt, jetzt kann ich mich nicht wirklich mit ihr anfreunden, mit dieser Zukunft die da so plötzlich wieder vor mir liegt…

Was ist das für eine Zukunft, in die ich da nun blicke? Die Zeit des „Aufstrebens“ scheint vorüber zu sein. Wohin ich auch schaue nehme ich Begrenzung war. Grenzen die durch die Erkrankung vorhanden sind, zeitliche Begrenzungen, drohende Abschiede.

Über viele Jahre hinweg habe ich keine andere Wahl gehabt als zu kämpfen. Um die Diagnose, um die richtige Behandlung und die letzten Jahre regelrecht um mein Überleben.

Und jetzt ist es also gesichert, dieses Überleben. Und nun?! Sterben ist keine Option mehr. Zumindest nicht im Moment. Aber wieder da ansetzen wo mich der „Wolf“ vor Jahren aus dem Leben gerissen hat funktioniert irgendwie auch nicht mehr…Aufstehen, einmal Schütteln und weiter geht´s klappt nicht mehr so richtig, die Lücke zwischen den Leben ist zu groß geworden

Es ist Herbst geworden. Plötzlich!!! Ohne dass ich den Sommer hätte wirklich leben können…

Es schmerzt diese Erkenntnis und noch weiß ich nicht, wie genau es sich mit ihr Leben lässt…Aber immerhin habe ich das Hindernis bereits im Visier…die beste Voraussetzung dafür es überwinden zu können…

Und eigentlich? …. Ja,..eigentlich liebe ich den Herbst. Seine bunten Farben, den klaren Himmel, die kühleren Temperaturen. Die ungezügelten Stürme die den bevorstehenden Winter ankündigen, den Rückzug bedingt durch die kürzeren Tage und die längeren Nächte. Alles geht etwas langsamer, darf langsamer gehen…..

Ja, vielleicht dauert es einfach noch ein wenig bis ich den Herbst nicht nur in der Natur sondern auch in mir selbst annehmen und lieben kann…..

 

Einverstanden sein…

Gestern früh als ich  so in meinem Garten saß und über die Felder geschaut habe, da konnte ich es wieder einmal spüren. Dieses Gefühl, dass alles, genau so wie es ist, in Ordnung ist.  Es gibt Momente, da bin ich gänzlich einverstanden mit dem was ist, it meinem Leben, mit meinem „Wolf“ , ja sogar mit der Vergänglichkeit…ja, da kann ich die Endlichkeit in allen Dingen akzeptieren. Zumindest für einen kurzen Augenblick. In solchen Momenten spüre ich meine Verwundbarkeit, die Zartheit meiner Seele und gleichzeitig die Kraft die aus der Akzeptanz derselben erwächst…es sind Momente vollständigen Friedens…ach, könnte es doch nur immer so sein.

Leider findet dieses „Einverstanden sein“ dann aber meist auch wieder sehr schnell ein jähes Ende.  Dahin war der innere Friede, bereits noch am Nachmittag desselben Tages. Und zwar genau in dem Moment, als ich am See eine Möwe mit gebrochenen Flügel gefunden habe. Wie gerne hätte ich ihr geholfen, aber trotz aller Bemühungen ist es mir nicht gelungen sie einzufangen und in die Tierklinik zu bringen.

Die meisten Menschen dort am Strand haben mich wohl für ziemlich verrückt gehalten, denn wer weint denn schon angesichts einer Möwe mit gebrochenem Flügel?! Ja, ich!!!! Denn trotz aller Einsicht, dass das Leben nun einmal so spielt (und ich keine andere Wahl hatte) hat es mir so sehr in der Seele weh getan, dieses arme Tier dort am See zurück lassen zu müssen.

Sicher, ich bin sehr viel ruhiger geblieben, als ich es früher in einer solchen Situation gewesen wäre. Kein Gezeter, keine Panik, keine äußere Aufruhr. Nur eben diese stille, traurige Rebellion, die so sehr im Herzen schmerzt. Nein, einverstanden sein fühlt sich  anders an. Definitiv!!!

Und vermutlich muss das irgendwie auch so sein. Zumindest wohl ein ganz kleines bisschen!!! Denn welchen Grund hätten wir sonst, der uns dazu veranlasst das Leben schützen zu wollen….

Impulse….

von außen sind manchmal notwendig um wieder Licht am Horizont sehen zu können..die vergangenen Tage waren hart. Nicht nur der „Wolf“ hatte mich fest im Griff, auch meine Seele hatte sich verabschiedet. War verschüttet unter den Ereignissen der vergangenen Wochen. Körperlich bade ich gerade die Folgen dafür aus, dass die Anschlussbehandlung an das Rituximab nicht rechtzeitig eingeleitet wurde. Und der Kampf um die Weiterführung der Behandlung, die Frustration darüber wie steinig der Weg war,  bis  nun endlich die weitere Therapie in die Wege geleitet wurde, hat mich zudem auch innerlich hart gemacht. Dem Himmel sei Dank, dass ich Freunde habe die meine Seele auch dann noch sehen, wenn ich sie selbst aus dem Blick verloren habe. Die Impulse von außen haben mir geholfen meine Verhärtung zu lösen, den Schmerz in meinem Inneren Raum zu geben. Ja, es fühlt sich bitter an, das Gefühl im Regen stehen gelassen zu werden. Allein gelassen zu werden mit all der Angst, der Unsicherheit wie es weiter geht und ohne Behandlung. Aber jetzt,  nachdem die Trauer um den erneuten Verlust von Sicherheit und Unversehrtheit sich gelöst hat, ist es mir plötzlich auch wieder möglich mein Gegenüber zu sehen. Plötzlich kann ich die Fehler, die in der Kommunikation passiert sind begreifen, kann nachvollziehen wie es zu den Problemen gekommen ist. Das Wichtigste aber ist: „Ich kann verzeihen“ Ja, ich denke auf einer solchen Basis können wir weiter arbeiten, kann ich weiter das Gespräch mit meinen Ärzten suchen, können wir in Kontakt bleiben. Krank sein ist schlimm, die Hilflosigkeit die sowohl ich als auch meine Ärzte in unklaren Situationen empfinden ist schlimm. Aber noch schlimmer ist es, im Kampf um das Leben, sich selbst, ja die eigene Menschlichkeit zu verlieren….am Freitag ist CT- Termin, ich hoffe darauf, dass in meinem Rücken alles okay ist und nicht sofort die nächst Welle auf mich zurauscht..Vor allen Dingen aber hoffe ich darauf, dass falls diese doch kommen sollte, es mir gelingt bei mir selbst zu bleiben. Für den heutigen Tag wünsche ich Euch ganz viele Lichtblicke am Horizont,  sowie den Mut und die Kraft Euch immer treu zu bleiben,

Daniela

Warteschleife….

Ein wunderbarer Morgen der mich da begrüßt, als ich mich heute mit meinen Hunden auf den Weg mache. So unglaublich frisch und klar, einfach herrlich….und doch komme ich etwas frustriert und traurig nach Hause. Ein ausgedehnter Spaziergang ist einfach nicht möglich, wir schaffen es noch nicht einmal das kurze Stück bergauf bis zu meiner Lieblingsbank von der aus man einen so wunderbaren Blick über das Tal hat. Weder Kiwi noch ich schaffen es, wir müssen umdrehen weil uns beiden die Puste ausgeht. Ja, es macht mich traurig, denn Kiwi ist alt. Ich weiß, dass die Zeit der gemeinsamen Streifzüge vorbei ist und ich ihn in absehbarer Zeit werde gehen lassen müssen…Und ich spüre Traurigkeit, weil mein Zustand wahrlich besser sein könnte. Noch immer hänge ich in der Warteschleife, über 2 Monate ist es nun bereits her, dass ich meinen Hausarzt wegen erneuter Atemnot aufgesucht habe und bislang ist keine Hilfe in Sicht. Gestern war mein Mann beim Onkologen in der Praxis um nachzufragen ob dieser sich schon mit dem Rheumatologen besprochen hat..Nein, er hatte noch keine Zeit. Ja, ich verstehe..Weiß Gott, da gibt es Menschen die sind noch viel schlechter dran, sie brauchen die Hilfe noch viel dringender als ich und nichts liegt mir ferner, als zu wollen, dass für diese Menschen die Hilfe ausbleibt. Aber Hand auf´s Herz, auch ich möchte leben. Was ist das nur für ein Gesundheitswesen, welches Ärzte dazu zwingt ihre Patienten erst dann zu behandeln, wenn der Tod bereits schon vor der Tür steht….Nur gut, dass ich bereits gelernt habe mit dieser Situation zu leben und mich an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen. Habt einen schönen Tag und einen guten Start in`s Wochenende,

Nichts hören, Nichts sehen, Nichts sprechen…….

Für einige Tage war ich von der Bildfläche verschwunden, habe nichts mehr geschrieben, noch nicht einmal mehr meinen täglichen Post auf Instagram. Wollte nichts mehr sehen, nichts mehr hören, nichts mehr sprechen…für mich persönlich ziemlich frustrierend, denn das „ Nicht- Schreiben“, der Rückzug aus der Öffentlichkeit, bildet meinen körperlichen Zustand ab…die Tatsache, dass das kleine bisschen Alltag, das sich noch mein Leben nennt, mir das letzte Quäntchen der Energie beraubt, die mir der „ Wolf“ noch übrig lässt….

Ich möchte hier wirklich niemanden mit der Aufzählung meiner Beschwerden zu Tode langweilen, weshalb an dieser Stelle nur gesagt sei: „ Leben geht definitiv anders „

Ja, die Einschränkungen machen mir zu schaffen, oftmals sehr viel mehr als ich nach außen hin durchblicken lasse. Und nicht nur mir, sondern auch meiner Familie und es  gilt sich die Frage zu stellen, wie lange wir allesamt diesen Zustand noch ertragen können, ohne daran zu zerbrechen.

Und Hilfe?…Die ist leider wieder mal nicht in Sicht. Und zwar nicht, weil sie es nicht geben würde, sondern weil sich niemand ernsthaft mit mir und meiner Krankengeschichte auseinandersetzt…

Unglaublich?…Das kann nicht wahr sein, oder? Doch ist es !!!! Und dieser Mangel an Auseinandersetzung, welcher zwingend erforderlich wäre, um zu einer exakten Diagnose und einer adäquaten Behandlung zu gelangen, betrifft nicht nur mich. Nein, sie betrifft jeden der in irgendeiner Form in das derzeitige Gesundheitswesen involviert ist…

Patienten, weil sie regelrecht um ihr Leben zu fürchten haben und Ärzte, weil sie tagtäglich dem seelischen Horror ausgesetzt sind , entweder sich selbst oder ihre Patienten zu schädigen…

Und das Resultat der Misere? …Alle schauen weg, verschließen fest die Augen davor was geschieht, oder besser gesagt davor was NICHT geschieht.  Zumindest erlebe ich dies in meiner derzeitigen Situation so. Wir alle machen innerlich „ dicht“, verschließen uns,  weil das was wir sehen, wenn wir die Augen denn tatsächlich öffnen, so unerträglich , ja so verheerend ist, dass es fast nicht mehr auszuhalten ist…

Wir? Ja, ich sage an dieser Stelle bewusst WIR, denn ich meine WIR…Ja, ich meine auch mich, denn auch ich verschließe immer wieder die Augen, spreche nicht aus was eigentlich ausgesprochen werden müsste. Dulde die Augenwischerei, die mir entgegengebracht wird. Dulde es, dass das „Deckmäntelchen des Schweigens“ darüber gelegt wird, dass es unser Gesundheitssystem zu Wege gebracht hat Diagnose und Behandlung über viele Jahre hinweg zu verschleppen …Ja, WIR alle schweigen…meine Ärzte aus Angst ich könnte anklagend den Zeigefinger erheben. Und ich aus Angst man könnte mich vollends im Stich lassen, mir den letzten Rest an medizinischer Fürsorge entziehen..dann wenn ich die Wahrheit sage. Ein System, zementiert aus den Ängsten, um die eigene Existenz. Aus Ängsten um das eigene Dasein,  die alle Beteiligten in unterschiedlichen Variationen haben.

Und dann erreichte mich durch einen lieben Freund, mit dem ich gemeinsam an unserer Patienteninitiative  https://waisen-der-medizin.de  arbeite, ein Artikel, den ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:

https://mobil.stern.de/gesundheit/aerzte-appell-im-stern–die-titelgeschichte-zum-nachlesen-8902860.html

Ja, dieser Artikel hat mir wieder einmal die Augen geöffnet, mich sehen lassen, was ich ohnehin schon wusste, was ich jedoch oft nicht ansehen will. Hat mir in´s Bewusstsein gerufen, was ich immer wieder zur Seite dränge, da ich mich durch die Situation, die dieser Artikel beschreibt, in einem Maß bedroht fühle, dass es schier gar unerträglich ist..

Mehr als deutlich wurde mir bewusst , dass es gilt das Schweigen zu brechen, dass ICH das Schweigen brechen muss und dass künftig in allen meinen Gesprächen , die ich mit meinen Ärzten führe, die Karten offen auf den Tisch müssen…

Nicht um anzuklagen, nicht um die Spaltung zwischen Ärzten und Patienten zu fördern. Nein, ganz im Gegenteil, um Gemeinsamkeit zu fördern. Es hilft nicht wenn wir das was geschieht verschweigen. Schweigen zerstört lediglich das gegenseitige Vertrauen. Denn Vertrauen, sowie eine für beide Seiten bereichernde Kommunikation kann nur dort stattfinden, wo die Wahrheit ausgesprochen wird.

Ja,  die Misstände müssen für alle Beteiligten sichtbar gemacht werden. Es muss deutlich werden, dass wir alle gleichermaßen betroffen sind. Denn nur dort wo wir gemeinsam hinsehen, dort wo Ärzte und Patienten Hand in Hand gehen, besteht eine reelle Chance echte Lösungen zu finden… Lösungen die schlussendlich uns allen zu Gute kommen werden…

Ich hoffe inständig darauf, dass mich der Mut in den anstehenden Gesprächen die Wahrheit auszusprechen von nun an nicht mehr verlassen wird…

 

 

Sitzblockade

Es liegt nun schon  eine ganze Weile zurück, da hat mich ganz unverhofft ein Anruf von einer lieben Facebook-Bekannten erreicht. Ich war sehr erstaunt und hab mich riesig gefreut, denn wir gehen nun doch schon eine ganze Weile nebeneinander her. Begegnen uns immer wieder mal auf Facebook und nehmen auf diese Weise gegenseitig am Leben des anderen Teil. Eigentlich wissen wir nicht sehr viel vom Leben des anderen , aber eines verbindet uns doch: „Das Leben mit dem Wolf, das Leben mit einer seltenen Erkrankung “

Sehr schnell war im Gespräch klar, dass es ein und die selben Themen sind , die uns verbinden. Ja, dass wir im Leben mit einer seltenen Erkrankung immer wieder auf ein und die selben Schwierigkeiten stoßen.

Das zentrale Thema, welches uns an diesem Vormittag beschäftigt hat, war wohl, das „Alleine gelassen werden“ im medizinischen System, welches sicherlich die allermeisten Patienten kennen, die von einer Erkrankung betroffen sind, die außerhalb der täglichen ärztlichen Routine liegt.

Das im Stich gelassen werden, das einfach im Regen stehen gelassen werden, da den meisten Ärzten (verständlicherweise!!!!!) das benötigte, oftmals sehr spezifische Fachwissen (und nicht selten auch das Bewusstsein) für diese ganz speziellen Krankheitsbilder fehlt. Das Ausbleiben der so dringend benötigten Hilfe, da ein medizinisches System, welches ausschließlich darauf ausgerichtet ist Patienten „routinemäßig“ und schnellstmöglich „abzufertigen“ Ärzten keinen Raum mehr dazu lässt, sich intensiv mit einer spezifischen Erkrankung auseinander zu setzen. Und das im Stich gelassen werden von Seiten der Verantwortlichen, die keinerlei ernsthafte Anstrengungen unternehmen die Situation nachhaltig zu verbessern.

Ja, Ansätze für entsprechende Hilfen sind vorhanden. So schießen Zentren für Seltene Erkrankungen wie Pilze aus dem Boden. Zentren die sich speziell der Diagnostik dieser außergewöhnlichen Krankheitsbilder widmen. Zentren in denen, in interdisziplinären Teams, detektivische Kleinarbeit geleistet und versucht wird  komplizierten Krankheitsverläufen ( mit denen ansonsten keiner etwas zu tun haben möchte!!!)  auf die Spur zu kommen.

Für sich genommen kein schlechter Ansatz, nur leider eben tatsächlich nur ein Ansatz. Denn von wirklicher Hilfe und adäquater medizinischer Versorgung kann hier wohl kaum die Rede sein. Nicht wenn Betroffene jahrelang auf einen Termin in einem entsprechenden Zentrum zu warten haben. Und wirft man zusätzlich einen Blick auf die Aktenberge und die immense Belastung, denen  Ärzte in solchen Zentren ausgesetzt sind, wird schnell deutlich, dass selbst dem engagiertesten Arzt irgendwann die Energie ( und auch die Lust!!!!) ausgeht sich intensiv mit seinem Patienten und dessen Erkrankung auseinander zu setzen.

Aber was tun wenn das medizinische System derart bankrott ist, dass Patienten sobald sie aus der Norm fallen mitunter auch durch das „ach so hoch gelobte Netz“ fallen, wenn gesellschaftlich die Augen fest verschlossen bleiben?!. Wenn die so dringend notwendigen Schritte unterlassen werden und die dürftigen Ansätze zur Veränderung nicht bei den Betroffenen ankommen.

Die Antwort lautet : „Öffentlichkeit schaffen „  Ja, da sind wir uns schnell einig!!!! Nicht mehr still halten, nicht mehr schweigen. Darauf aufmerksam machen, dass es hier nicht um Aktenberge, sondern um Menschen geht.

„Wir alle die wir betroffen sind , müssten uns gemeinsam vor einem solchen Zentrum gesammelt niederlassen“ so unser Resümee, den Platz so lange nicht mehr verlassen bis wir die Aufmerksamkeit erhalten, die wir benötigen damit echte Veränderungen geschaffen werden. So lange nicht mehr aufstehen, bis auch Ärzte sich dazu setzen, weil sie das Leid ihrer Patienten nicht mehr ertragen können.  Denn erst dann, wenn öffentlich spürbar wird wie katastrophal sich die Situation für alle Beteiligten gestaltet. Erst dann wird es die so dringend benötigten Veränderungen geben.

Illussion? Ja, es scheint so …..und trotzdem!!!! Ich werde ich nicht müde werden zu hoffen. Die Hoffnung nicht aufgeben, dass irgendwann bessere, den Menschen würdigere Bedingungen geschaffen werden…..

 

Lichter am Horizont ..

Wir alle brauchen sie, diese Lichter am Horizont, um nicht unterzugehen. Um unser „Schiff “ sicher durch das „Meer des Lebens“ steuern zu können.  Um die Navigation nicht zu verlieren, um das Ruder fest in er Hand zu behalten, auch dann noch wenn die Stürme mit einer solchen Gewalt über uns hinweg fegen, dass wir in Seenot geraten, wenn wir in Gefahr sind Schiffbruch zu erleiden….

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Jammerbugten, Dänemark 

Ich erinnere mich an die Zeit in der mich der Wolf mit aller Gewalt, die ihm nun mal inne wohnt, fest im Griff hatte. So fest im Griff, dass er meinen Bewegungsspielraum auf ein Minimum reduziert hatte.

An ein Leben außerhalb des Hauses war zu dieser Zeit nicht mehr zu denken, mein ganzes „Sein“ war nur noch darauf ausgerichtet den Tag zu überstehen….irgendwie den wütenden „Bissen“ meines Haustieres stand zu halten, denen ich täglich, in mehr oder weniger ausgeprägter Form, ausgesetzt war….

Die Isolation, die durch den „ Wolf“ entstanden war, hatte zu diesem Zeitpunkt ihren Höchstpunkt erreicht und Hilfe von ärztlicher Seite ?..Nein, die war nicht in Sicht …noch lange nicht. Keine Antikörper, keine Diagnose, keine Krankheit!!!!…..lediglich absolute Rat- und Hilflosigkeit…..Hin -und hergeschoben werden, von einem Arzt zum nächsten…..

Überleben!!! Irgendwie !! Mein ganzes Handeln ( oder das was davon noch übrig war ) war darauf ausgerichtet. Nur nicht aufgeben!!! Und das allerwichtigste?! Nur nicht den Kontakt zu mir selbst verlieren, nicht depressiv werden!!!! .Mir war mehr als bewusst, dass eine Depression den Untergang bedeutet hätte. Nicht nur, dass sie mich meiner seelischen Kraft beraubt hätte. Nein, sie hätte mir auch die allerletzte Chance auf eine Diagnose und damit auf die so dringend benötigte Behandlung ein für alle mal vereitelt ….

Aber was tun? Malen hilft, so viel war mir klar. Das Versinken in die Welt der Farben ließ mich zumindest zeitweise alles andere vergessen. Die Angst , die Schmerzen und die Sorgen beiseite legen. Also malte ich. Ich malte was das Zeug hielt. Wann immer es ging, wann immer mein körperlicher Zustand es zuließ….und wenn es nicht ging, dann habe ich mir stundenlang Videos von Künstlern angeschaut und mich in deren Mal- Prozeß  verloren….

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Mein Lieblingsbild

Zäh war sie meine Seele, nicht tot zu kriegen. Auch unter dem schlimmsten Umständen nicht. Und immer dann wenn der „ Wolf“ seinen Griff ein klein wenig lockerte, dann konnte ich sie wahrnehmen, diese zarten und bereits sehr geschwächten Impulse meiner Seele, die mir beharrlich zu verstehen gaben: „ Du musst Deinem Leben Sinn verleihen, es irgendwie nach vorne ausrichten“…Ja, ansonsten wäre ich wohl chancenlos gewesen….

Und so kam es, dass ich mich in einem Anflug von Energie zu einem Fernstudium angemeldet habe. Um das Zeichnen und Malen besser zu erlernen, um meinem Hobby irgendwie etwas Professionalität zu verleihen. Oder vielleicht besser gesagt , um nicht gänzlich unterzugehen.

Ein Fernstudium!!! Rückblickend muss ich fast gar Lachen angesichts der Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens, denn weder war meine körperliche Kraft noch meine Konzentration ausreichend, um mich kontinuierlich auf die Studien konzentrieren zu können.

So erinnere mich beispielsweise an den verzweifelten Versuch eine Fotografie von einem Blumenstrauß zu erstellen, die ich als Malvorlage für das Studium benötigt hätte. Bereits das Drapieren der Blumen in der Vase, das Arrangieren auf der Terrasse vor entsprechendem Hintergrund, hat mich körperlich derartig überfordert, dass mit einem missglückten Versuch dies zu vollbringen mein Tagwerk erledigt war und ich den Rest des Tages auf dem Sofa liegend verbracht habe. Regungslos, um meinem Körper die Möglichkeit zu geben sich von diesem „ Kraftakt“ zu erholen…

Ja, es gestaltete sich mehr als schwierig!!! Und dennoch, an dieser Stelle tat sich völlig unverhofft eine Tür auf. Ein Türchen, das mir zu einem späteren Zeitpunkt viele weitere Türen eröffnen sollte…

Es war das Türchen, welches mich in die Welt der „ Social Media“ einlassen sollte. Social Media? Nichts Neues? Doch für mich schon, denn zu diesem Zeitpunkt für mich eine völlig neue und unbekannte Welt.

Da, war sie nun also , die Möglichkeit den Kopf aus dem Sand zu nehmen und im Rahmen des Fernstudiums andere Studierende über den Online- Campus zu kontaktieren.

Auch dies nicht gerade einfach für mich , denn auch das Schreiben hat mich aufgrund des ausgeprägten Mangels an Konzentration und angesichts der Sehstörungen, die mich begleitet haben, sehr angestrengt….

Und dennoch, dem „Wolf“ zum Trotz habe ich mich eingeklinkt in die Welt der Studierenden. Und siehe da, es dauerte nicht lange bis sich eine kleine Gemeinschaft in Form einer WhatsApp – Gruppe heraus gebildet hatte. Da war sie, die Rettung. Endlich konnte ich wieder teilhaben am sozialen Leben. Die Abende hab ich noch immer auf dem Sofa verbracht. Aber ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ausschließlich Löcher in die Luft starrend, sondern vielmehr in Gesellschaft anderer Menschen….

Was für ein Geschenk, unbeschreiblich, geradezu lebensrettend…denn endlich hatte ich sie gesichtet, die viel besagten Lichter am Horizont. Die  Leuchttürme, die mir die Navigation durch die tosenden Wellen ermöglichten, als ansonsten keinerlei Land mehr in Sicht war…

Zu diesem Zeitpunkt habe ich erleben dürfen, dass echte Freundschaft sich unabhängig von sozialem Status, unabhängig von finanziellen Mitteln, in Abwesenheit aller ansonsten üblichen Masken und Rollen, ja angesichts des blanken „Seins“ entwickeln kann….Dass die Lichter, die wir in dunkler Nacht einander entgegen halten, wahrlich Leben retten können ….

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Rubjerg Knude, Dänemark

EPILOG:

Mein Dank gilt an dieser Stelle meinen 3 Mädels, der kleinen Mut-Mach-Gruppe, die aus dieser Geschichte entstanden ist und die nunmehr seit mehr als 4 Jahren Bestand hat…

Heute ist es etwas ruhiger geworden in unserer kleinen Gruppe, da jeder wieder etwas mehr seiner eigenen Wege zieht…. Aber immer wieder, da leuchten sie auf, die Lichter der anderen am Horizont. Und das Wichtigste : Die Erfahrung dessen, was möglich ist, wenn wir trotz der eigenen Kämpfe die anderen nicht vergessen,  die dadurch entstandene Verbundenheit, sie wird ewig in meinem Herzen bleiben ….und irgendwann werden wir ( und das ist versprochen!!!) gemeinsam am See sitzen….gemeinsam in die Weite eines (hoffentlich) ruhigeren Gewässers blicken……

 

 

Nachgeholfen

Was hier geschildert wird ist so exemplarisch für unser Gesundheitswesen. Wie oft schon habe ich mich im Regen stehen gelassen gefühlt und wie vielen Menschen ergeht es täglich ähnlich!!!! Vielen Dank für diesen Artikel, er kann nicht weit genug hinaus in die Welt getragen werden…..Liebe Grüße und alles Gute, Daniela

Steppenwolf

Kiwi…mein Steppenwolf. Den allermeisten Menschen ist Kiwi nicht ganz geheuer.

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Als ehemaliger rumänischer Straßenhund ist er eigensinnig, hat extremes Durchsetzungsvermögen und ist sehr dicht bei seinen „ wölfischen“ Instinkten. Also nicht unbedingt das was man als pflegeleicht bezeichnen würde. Aber eben auch hochsensibel und vor allen Dingen: „Unendlich treu“

…gemeinsam sind wir durch harte Zeiten gegangen und zwischen uns gibt’s eine tiefe Verbundenheit. Er ist mir gegenüber sehr achtsam und jederzeit bereit mich zu schützen und das „ Rudel“ zusammen zu halten…. Hier in den Dünen wird mir oft die Luft recht knapp so dass ich langsamer bin als der Rest der Truppe. Kiwi achtet genau darauf wie weit ich zurück bleibe. Wird der Abstand zu groß verweigert er jeden weiteren Schritt, in dem er sich einfach rücklings auf den Boden wirft und sich nicht mehr von Ort und Stelle bewegen lässt. So lange bis ich den Anschluss wieder habe.

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Ja, Kiwi lebt aus tiefstem Herzen eine Weisheit, die den Menschen vor lauter Zivilisation oftmals schon verloren scheint. Er lebt das tiefe, instinktive Wissen, dass ( Über-) Leben auf diesem Planeten nur im „Rudel“, oder anders formuliert, im achtsamen Umgang miteinander möglich ist….

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Kiwi, mein Alterchen….ich liebe Dich!!!!!

 

Große Liebe….

Die Nordsee, in ihr habe ich wohl meine große Liebe entdeckt.großeliebe1

Das war nicht immer so. Nicht schlagartig hat sie mich in Ihren Bann gezogen, sich eher klammheimlich, auf leisen Sohlen in mein Herz geschlichen.

Eigentlich war es mein „ Wolf“ der mich ihr in die Arme getrieben hat indem er mir die Sommerurlaube und die Reisen in den Süden nicht nur mit üblen Hautreaktionen sondern auch noch mit heftigen systemischem Schüben hat bezahlen lassen.

Nein, Spaß geht anders…eher brachiale Gewalt war es ,was er da hat walten lassen, der „Wolf“ .

Ja, er hat mich, weiß Gott, in die Knie gezwungen und um seinen Vorgaben Respekt zu zollen sind wir demnach immer öfters auf Reisen in die nordischen Länder ausgewichen.großeliebe3

Anfangs fand ich es eher enttäuschend. Das raue Klima, die Tatsache, dass man hier im Norden öfter auch mal mit Regentagen zu rechnen hat, der oft heftige Wind, die Wechselfälle des Wetters, all das empfand ich zunächst eher abschreckend und anstrengend als bezaubernd. Heute ist das anders , ganz anders. Die wilde Schönheit der Nordsee übt eine Faszination auf mich aus, die mich so tief in meinem Inneren berührt, dass es schon fast gar manchmal schmerzlich ist.

Unfassbar schön empfinde ich sie. In ihrer wahnsinnigen Weite, ihrer unergründlichen Tiefe und ihrer rauen Ursprünglichkeit. Mächtig und kraftvoll , das Leben verkörpernd , es schützend und nährend, mütterlich umsorgend..

Gleichzeitig aber auch gewaltig und Furcht einflößend, ja auch zerstörerisch und den Tod bringend, all denjenigen gegenüber die ihre Stärke missachten, sich ihr ohne gebührenden Respekt, nicht achtsam genug annähern.

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Und dann auch wieder verwundbar, zutiefst verletzlich, auf die Fürsorge ihrer Umgebung angewiesen ….

Zwiespältig ist sie in ihrer Natur, vollkommen gegensätzlich in ihrem Sein und doch auch wieder ganz, von einer unbegreiflichen, niemals vollständig zu ergründenden und faszinierenden Schönheit….

Für mich persönlich  ist das Sinnbild der menschlichen Seele schlechthin.

Viele ihrer Aspekte habe ich in den vergangenen Jahren in mir selbst entdeckt…aber auch dies nicht immer freiwillig!!! Eher auch durch den Wolf erzwungen, als herbei gesehnt und nicht nur einmal bin vor mir selbst erschrocken, angesichts dessen was sich mir da in den hintersten Winkeln meine Seele präsentiert hat.

Ja, vielleicht könnte man auch so sagen: „Der „ Wolf“ hat mich über die Jahre hinweg durch viele Talsohlen hindurch nicht nur der Nordsee , sondern auch mir selbst ein ganzes Stückchen näher gebracht“ …und offen gestanden, auch an dieser Stelle hat es doch eine ganze Weile gedauert, bis aus einer ersten Begegnung echte Liebe geworden ist…

Und wer weiß es schon, was es noch alles zu entdecken gibt….